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Coronavirus in der Schweiz: Rechte und Pflichten von Arbeitnehmenden

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Noch immer hat das Coronavirus die Schweiz fest im Griff und stellt unser Arbeits- und Familienleben vor neue Herausforderungen. Home Office, Kinderbetreuung, Lohnfortzahlung: Was sind die Pflichten von Arbeitgebenden und die Rechte von Arbeitnehmenden? 

Die Arbeitsrecht-Expertinnen und -Experten der AXA-ARAG haben Antworten auf die wichtigsten Fragen für Arbeitnehmende in dieser schwierigen und turbulenten Zeit. 

Hat meine Arbeitgeberin oder mein Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht?

Ja. Schweizer Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, geeignete Massnahmen zum Schutz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu treffen, um eine Ansteckung oder Verbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Massnahmen können z. B. sein, Handdesinfektionsmittel oder Hygienemasken am Arbeitsplatz bereit zu stellen. Des Weiteren können Firmen Mitarbeitende, die aus China oder einer anderen Region mit Corona-Fällen zurückkommen, auffordern, 14 Tage von daheim aus zu arbeiten und in dieser Zeit zu beobachten, ob Krankheitssymptome auftreten.

Ich bin am Coronavirus erkrankt und kann nicht mehr arbeiten. Bekomme ich weiterhin meinen Lohn?

Ja. Die Lohnfortzahlungspflicht besteht in der Regel auch beim Coronavirus. 

Ich habe Angst davor, mich anzustecken und möchte gerne zu Hause bleiben. Ist das erlaubt? 

Haben die Behörden keine entsprechende Anordnung erlassen, haben Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf,  in Ihrer Wohnung zu bleiben. In diesem Fall droht Ihnen die fristlose Kündigung.

Haben Sie jedoch objektive Gründe, dass Sie an Ihrem Arbeitsplatz eine Ansteckung mit dem Coronavirus befürchten, kann eine Ausnahme gemacht werden. Wir empfehlen Ihnen in diesem Fall, Ihrer Arbeitgeberin oder Ihrem Arbeitgeber die Gründe für Ihre Verweigerung der Arbeit mitzuteilen und entsprechende Schutzmassnahmen zu verlangen. 

Darf ich von daheim aus arbeiten, um mich zu schützen?

Wenn Homeoffice in Ihrem Betrieb möglich ist, können Sie Ihre Arbeitgeberin oder Ihren Arbeitgeber entsprechend anfragen und die Optionen absprechen.

Ich habe Angst, ansteckend zu sein. Darf ich dann zuhause bleiben? 

Ja. In diesem Fall müssen Sie sich telefonisch bei Ihrem Arzt melden und sich untersuchen lassen. Ihrer Arbeitgeberin oder Ihrem Arbeitgeber müssen Sei dann das Arztzeugnis einreichen. Dies ist dasselbe Vorgehen wie bei jeder anderen Krankheit.

Kann meine Firma anordnen, dass ich von zu Hause aus arbeiten muss?

Steht eine entsprechende Klausel in Ihrem  Arbeitsvertrag, kann Ihr Unternehmen Sie dazu auffordern, von daheim aus zu arbeiten. Möglicherweise rechtfertigt sich dies auch, um Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer vor der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu schützen.

Sollte ich mich am Arbeitsplatz anstecken: Haftet meine Arbeitgeberin oder mein Arbeitgeber?

Möglicherweise ja. Ihre Arbeitgeberin oder Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, alle nötigen Massnahmen zu treffen, um zu verhindern, dass Sie sich am Arbeitsplatz anstecken. Im Einzelfall muss geprüft werden, ob sie oder er dieser Sorgfaltspflicht genügend nachgekommen ist. Diese Prüfung kann haftungsbegründend wirken. 

Eine Arbeitskollegin ist am Coronavirus erkrankt und mein Arbeitsort wird unter Quarantäne gestellt. Was bedeutet das für mich?

Sie müssen nach wie vor Ihre Arbeit anbieten: z. B. indem Sie von daheim aus arbeiten oder an einem anderen Standort Ihrer Firma. Flexwork kann die Lage in diesem Fall entschärfen. Wenn Sie Ihrer Arbeit ausschliesslich an dem unter Quarantäne gestellten Arbeitsort nachgehen können,  muss Ihnen Ihre Arbeitgeberin oder Ihr Arbeitgeber weiterhin den Lohn bezahlen. Denn in diesem Fall trägt sie oder er das Betriebsrisiko auch ohne Verschulden (siehe Art. 324 OR).

Mein Sohn ist an Grippe erkrankt und muss zwei Wochen im Bett bleiben. Es ist sehr schwach und braucht Pflege. Darf ich zuhause bleiben und meinen Sohn pflegen oder muss ich zur Arbeit? Erhalte ich nach wie vor Lohn?

Ihre Arbeitgeberin oder Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, Ihnen bis zu drei Tagen pro Krankheitsfall frei zu geben – gegen Vorlage eines Arztzeugnisses. Wenn es aus medizinischen Gründen nötig ist, können Sie aber auch länger von der Arbeit befreit sein: Dies läuft unter unverschuldete Verhinderung an der Arbeitsleistung (s. a. Art. 324a OR) und beinhaltet Lohnfortzahlung für einen gewissen Zeitraum. Sie müssen sich als Eltern aber um die Organisation der Betreuung zu kümmern, um weitere Absenzen zu vermeiden. 

Mein Kind muss aufgrund einer behördlichen Anordnung zu Hause bleiben. Muss ich in diesem Fall Ferien beziehen? 

Nein. In diesem Fall liegt eine unverschuldete Arbeitsverhinderung vor (siehe gesetzliche Betreuungspflicht nach Art. 276 ZGB). Es besteht eine Lohnfortzahlungspflicht während eines gewissen Zeitraums nach Art. 324 a OR. Auch in diesem Fall müssen sich als Eltern allerdings darum bemühen, weitere Fehlzeiten zu verhindern (siehe oben).

Erhalte ich Lohnabzug, wenn mich mein Arbeitgeber als Vorsichtsmassnahme nach Hause schickt?

Nein, Ihre Arbeitgeberin oder Ihr Arbeitgeber muss Ihnen weiterhin den Lohn zahlen.

Was, wenn der Betrieb, in dem ich arbeite, wegen des Virus auf behördliche Anordnung geschlossen werden muss?

Eine Lohnfortzahlungspflicht  ist nur dann gegeben, wenn der Grund für die Schliessung auf Seite Ihrer Arbeitgeberin oder Ihres Arbeitgebers liegt. Zum Beispiel, wenn wichtige Schutzmassnahmen fehlen.

Habe ich Lohnanspruch, wenn ich aufgrund des Coronavirus nicht aus den Ferien zurückreisen kann?

Es besteht für Ihre Arbeitgeberin oder Ihren Arbeitgeber in diesem Fall keine Pflicht, für die zusätzlichen Abwesenheiten einen Lohn auszuzahlen.

Darf ich mich als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer weigern, eine Geschäftsreise anzutreten?

Sie dürfen die Geschäftsreise nur verweigern, wenn für die Region, in welcher der Geschäftstermin stattfinden soll, eine Reiserestriktionen durch das EDA besteht. Ist dies nicht der Fall, liegt kein ausreichender Grund vor, um eine Reise in diese Region zu verweigern. 

Darf mich meine Arbeitgeberin oder mein Arbeitgeber an einem anderen Arbeitsort einsetzen? Zum Beispiel in einer anderen Filiale?

Der vertraglich vereinbarte Arbeitsort darf grundsätzlich nicht einfach durch eine Anordnung der Arbeitgeberin oder des Arbeitsgebers geändert werden. Bei einer Notlage müssen Sie allerdings in Kauf nehmen, für einen gewissen Zeitraum in einer anderen Filiale oder an einem anderen Ort zu arbeiten. Ihre Arbeitgeberin oder Ihr Arbeitgeber muss dabei jedoch Rücksicht auf Ihre Persönlichkeit und Ihre Umstände nehmen. 

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