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Cybermobbing: Wie können Sie Ihr Kind schützen?

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Ein Viertel der Schweizer Jugendlichen ist schon mindestens einmal online fertiggemacht worden, so das Ergebnis der aktuellen JAMES-Studie der ZHAW. Doch wie können Eltern erkennen, ob ihr Kind Opfer von Cybermobbing ist? Und wie kann man Kinder vor Mobbing im virtuellen Raum schützen?

Daniel Betschart, Programmverantwortlicher für Medienkompetenz bei Pro Juventute, erläutert, was Cybermobbing so gefährlich macht, und gibt Tipps, was Eltern gegen diese perfide Form von Hänseleien tun können.

Was ist das Gefährliche am Cybermobbing, Daniel Betschart?

Daniel Betschart: Die Folgen von Mobbing und Cybermobbing können gravierend sein und die Biografien von Jugendlichen und Erwachsenen tiefgreifend beeinflussen. Im Gegensatz zu analogem Mobbing hat Cybermobbing einige Eigenheiten: Cybermobbing findet über digitale Medien statt. Deshalb sind diese Attacken für ein grösseres Publikum sichtbar und beleidigende Aussagen bleiben oft über längere Zeit bestehen. Übers Internet sind die Betroffenen rund um die Uhr erreichbar, Attacken können jederzeit geschehen. 

Gibt es das typische Mobbingopfer?

Jede und jeder kann Opfer einer Mobbingattacke werden. Es gibt nicht DAS Opfer. Es kommt vor allem auf das soziale System an, auf das «Machtverhältnis», das in einer Gruppe herrscht, und auf die gegenseitige Unterstützung. Es ist auch nicht DAS eine Merkmal, das jemanden zum Opfer werden lässt. Jedoch werden Mobbingopfer oft an einem spezifischen Merkmal aufgehängt. Das kann alles sein: eine Schülerin mit sehr guten oder sehr schlechten Noten, ein schlaksiger oder eher dicklicher Schüler, eine introvertierte oder eine extrovertierte Person. 

Wer sind die Mobber? Eher Unbekannte, die sich ihre Opfer zufällig aussuchen, oder Leute aus dem Bekanntenkreis?

Wichtig ist: Bei Mobbing handelt es sich nicht um einzelne Handlungen oder Angriffe einer aggressiven Person, sondern um wiederholte Herabwürdigungen. Meist geschieht Mobbing und Cybermobbing im bekannten Umfeld. Ein «Opfer» wird auch nicht zufällig ausgewählt. Vielmehr gibt es eine Phase, in der ermittelt wird, wer sich am besten für eine Erniedrigung eignet. 

Wo wird mehr gemobbt: in der Schule oder im Netz?

In vielen Fällen kann nicht zwischen Cybermobbing und analogem Mobbing unterschieden werden. Man kann davon ausgehen, dass sich die beiden Formen überschneiden und Mobbingprozesse sowohl analog wie auch online stattfinden. Kinder und Jugendliche, die online gemobbt werden, werden mehrheitlich auch offline gemobbt. Und solche, die andere online mobben, tun dies häufig auch offline. 

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    Daniel Betschart

    Daniel Betschart ist Programmverantwortlicher für Medienkompetenz bei Pro Juventute. Zuvor war er bei Pro Juventute für den Bereich Schuldenprävention und Konsum und davor sieben Jahre als Jugendarbeiter in der Stadt Zürich tätig. Daniel Betschart ist studierter Soziokultureller Animator und hat zwei Kinder.

Welche psychischen und physischen Auswirkungen kann Cybermobbing auf junge Menschen haben?

Die Folgen sind sehr unterschiedlich und hängen stark mit der psychischen Widerstandsfähigkeit einer betroffenen Person zusammen. Auch die Unterstützung aus dem Umfeld spielt eine wichtige Rolle. Cybermobbing kann gravierende Auswirkungen für Opfer haben: von Gefühlen wie Hilflosigkeit, Scham und Einsamkeit über den Verlust von Selbstvertrauen, Angstzuständen und Depressionen bis hin zu Suizidgedanken oder -versuchen.

Welche Rolle spielen Kolleginnen und Kollegen in der Schule?

Mobbing ist immer ein Gruppenphänomen, es gibt folglich kein einfaches Täter-Opfer-Muster. Ein zentraler Bestandteil einer Mobbingsituation ist das Schweigen. Damit gemeint ist das Schweigen sowohl von anderen Mitgliedern der gleichen sozialen Gruppe als auch des Umfeldes. Oft schweigen auch die Opfer selbst: Sie vertrauen sich niemandem an und holen aus Scham keine Hilfe.

Durch die Anonymität des Internets haben gewisse Menschen eine niedrigere Hemmschwelle jemanden zu beleidigen oder verbal anzugreifen.

Daniel Betschart, Pro Juventute

Wie kann ich mein Kind am besten vor Cybermobbing schützen?

Mobbing lebt davon, dass alle schweigen: Täter, Opfer und Mitläufer. Diese Schweigespirale gilt es zu durchbrechen. Wo Mobbing nicht geduldet wird, sondern man aufeinander achtet, hat niemand die Möglichkeit, einen anderen fertigzumachen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Mobbing erst gar nicht entstehen kann. 

Wichtig ist dabei, auf die eigene Sicherheit und die Privatsphäre im Internet zu achten. Das heisst konkret: sensibel und zurückhaltend mit persönlichen Daten im Netz umgehen. Man muss sich bewusst sein, dass man sich verletzbar macht, je mehr Informationen oder Bilder von sich in sozialen Netzwerken oder Foren vorhanden sind. Und natürlich sollte man auch selbst einen respektvollen Umgangston wählen. 

Muss oder soll ich jeden Fall melden? Wo fängt Mobbing an?

Sie sollten auf jeden Fall das Umfeld des Opfers informieren und das Schweigen durchbrechen. Ob die Polizei eingeschaltet werden soll, muss von Fall zu Fall angeschaut werden. Es lohnt sich, gut zu überlegen und eventuell abzuklären, ob eine Anzeige im einzelnen Fall sinnvoll ist, denn ein rechtliches Verfahren kann die Situation unter Umständen auch verschlimmern. Beraten lassen kann man sich bei einer Opferhilfestelle. Oder man meldet sich direkt und anonymisiert bei der Polizei, indem man angibt, sich für einen Freund oder eine Freundin zu erkundigen. 

Wie merke ich, ob mein Kind im Internet gemobbt wird?

Wichtig ist es, die Warnsignale zu erkennen. Sie sollten darauf achten, ob Ihr Kind bedrückt ist, häufiger unter körperlichen Symptomen wie Kopf- oder Bauchschmerzen leidet oder schlechter als üblich einschläft. Ein möglicher Indikator ist auch, ob sich Freundinnen und Freunde wie gewohnt melden und Kontakte weiterhin gepflegt werden. Obwohl Kinder Hilfe bräuchten, teilt ein Viertel der betroffenen Kinder und Jugendlichen niemandem mit, dass sie belästigt werden. Reagieren Sie und fragen Sie nach, wenn Sie merken, dass Ihr Kind sich zurückzieht und bedrückt wirkt.

Was kann ich tun, wenn mein Kind im Internet gemobbt wird?

Sobald Eltern von konkreten Vorfällen erfahren, sollten sie die Sache ernst nehmen, sofort reagieren und Unterstützung anbieten. Eine Atmosphäre des Vertrauens hilft dem Kind, über das Erlebte zu sprechen. Zudem muss es spüren, dass es keine Schuld trifft; auf gar keinen Fall sollten Sie das betroffene Kind verurteilen oder ihm Vorwürfe machen. Wichtig ist ausserdem, die Chatverläufe oder Fotos sofort als Beweismaterial per Screenshot zu sichern. Ausserdem können Profile gesperrt oder gemeldet werden. 

Tipps für Eltern

  • Cybermobbing ist eine Form von Mobbing, die über digitale Medien stattfindet. Deshalb sind diese Attacken für ein grösseres Publikum sichtbar und beleidigende Aussagen bleiben oft über längere Zeit bestehen. Das macht es für Betroffene noch schwieriger. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, wenn Sie das Gefühl haben, dass es durch Cybermobbing belästigt wird.
  • Obwohl Kinder Hilfe bräuchten, teilt ein Viertel der betroffenen Kinder und Jugendlichen niemandem mit, dass sie belästigt werden. Reagieren Sie und fragen Sie nach, wenn Sie merken, dass sich Ihr Kind zurückzieht und es bedrückt wirkt.
  • Zögern Sie nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter kennen sich bestens mit der Thematik aus und bieten Rat und Hilfe.
  • Melden Sie Profile, die für Attacken benutzt wurden, und veranlassen Sie, dass diese gesperrt werden.
  • Obwohl es kein spezielles Gesetz gegen Cybermobbing gibt, sind verschiedene Handlungen unzulässig und strafbar. Erkundigen Sie sich bei Fachpersonen, welche rechtlichen Schritte Sie einleiten können. Erste Anlaufstellen sind die Schulsozialarbeit und die Pro Juventute Elternberatung. Auch die Polizei übernimmt eine beratende Funktion. 

Hilfe bei Cybermobbing

Sie haben weitere Fragen? Die Pro Juventute Elternberatung ist rund um die Uhr für Eltern da. 

Mehr zum Thema Prävention und Schutz bei Cybermobbing lesen Sie hier in unserem Blog.

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