Cybermobbing: So schützen Sie sich und Ihr Kind
Cybermobbing ist ein ernstzunehmendes Thema, von dem besonders Kinder und Jugendliche betroffen sind. Doch auch Erwachsene können online gemobbt werden. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich und Ihre Kinder vor Mobbing im Internet schützen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Was ist Cybermobbing? Es bezeichnet das absichtliche und wiederholte Beleidigen, Blossstellen oder Belästigen einer Person über digitale Medien.
- Was tun als Opfer? Sichern Sie sofort alle Beweise (Screenshots), blockieren Sie die Täter:innen und holen Sie sich Unterstützung. Reagieren Sie nicht auf die Provokationen.
- Ist es strafbar? Ja, viele Handlungen im Zusammenhang mit Cybermobbing wie Beschimpfung, Drohung oder Nötigung sind in der Schweiz strafbar.
- Wie Kinder schützen? Sprechen Sie offen über Gefahren, fördern Sie Medienkompetenz und schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre, damit sich Ihr Kind bei Problemen an Sie wendet.
Was ist Cybermobbing?
Von Cybermobbing (auch Internetmobbing) spricht man, wenn eine Person über einen längeren Zeitraum auf einer oder mehreren digitalen Plattformen – wie sozialen Netzwerken, Messengerdiensten oder Onlinespielen – mit Absicht beleidigt, blossgestellt oder belästigt wird. Durch die gefühlte Anonymität im Internet kommt Cybermobbing immer häufiger vor.
Welche Arten von Cybermobbing gibt es?
Nicht nur die Häufigkeit des Cybermobbings hat durch das Internet zugenommen, sondern auch die Arten, wie es betrieben wird. Hier einige Beispiele:
- Öffentliche Beschimpfung: Diese kann über Kommentare in den sozialen Netzwerken oder auch über Messengerdienste wie WhatsApp und Co. stattfinden. Auch Anrufe mit unterdrückter Nummer fallen unter diese Art des Cybermobbings.
- Drohung und Erpressung: Diese finden ebenfalls meistens auf den gängigen Plattformen statt. Dabei geht es entweder um Androhung von körperlicher Gewalt oder um emotionale Erpressung mit peinlichen und/oder intimen Fotos und Videos.
- Anonyme Kontaktaufnahme: Bei dieser Art des Cybermobbings nutzen Täterinnen und Täter häufig falsche Profile, um besonders Kinder und Jugendliche zu einem persönlichen Treffen zu überreden.
- Verbreitung von Gerüchten: Falsche Informationen über eine Person werden hier öffentlich auf unterschiedlichen Kanälen verbreitet.
- Veröffentlichung von Fotos oder Videos: Peinliche und/oder intime Fotos bzw. Gewaltvideos werden weitergeleitet, wodurch eine Kettenreaktion entsteht: Immer mehr Personen verfügen dann so über das Material.
- Exklusion: Cybermobbing-Opfer werden systematisch von bestimmten Gruppen oder Spielen ausgeschlossen.
- Identitätsdiebstahl: Persönliche Daten der Betroffenen werden hier gestohlen und missbraucht, zum Beispiel um Waren im Internet zu kaufen. Auch die Erstellung von Fake-Profilen unter dem Namen des Opfers ist möglich.
Was sind die Gründe für Cybermobbing?
Die Gründe für Cybermobbing sind vielfältig. Dazu gehören zum Beispiel Neid, Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus. Doch auch Langeweile, mangelnde Empathie oder die Unfähigkeit, Negativität zu verarbeiten, können dazu führen.
Häufig sind sich die Täterinnen und Täter nicht der Auswirkungen ihrer Handlungen bewusst – und so werden aus ihnen schnell Wiederholungstäter. Besonders Kinder und Jugendliche sehen das Mobbing oft als Scherz und verstehen nicht, dass es ernste Konsequenzen für die Opfer haben kann.
Welche Folgen kann Cybermobbing haben?
Die Folgen von Cybermobbing können schwerwiegend sein und das Leben eines Menschen nachhaltig beeinflussen – besonders, wenn es sich bei den Mobbing-Opfern um Kinder, Jugendliche oder Personen mit geringer psychischer Widerstandsfähigkeit handelt. Inhalte können nämlich nicht so einfach aus dem Netz gelöscht werden, wodurch sie ihnen auch nach Jahren nachgetragen werden können. Dies löst einen enormen Druck auf die Betroffenen aus und kann psychische und physische Auswirkungen mit sich bringen, zum Beispiel:
- Gefühle wie Scham, Hilflosigkeit und Einsamkeit
- Verlust von Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und Selbstachtung
- Schlafstörungen und Albträume
- Angstzustände und Depressionen
- Soziale Ausgrenzung und Isolation
- Selbstverletzendes Verhalten
- Suizidgedanken oder -versuche
Sofortmassnahmen: Was tun, wenn Sie selbst Opfer von Cybermobbing sind?
Wenn Sie online gemobbt werden, ist es entscheidend, schnell und systematisch zu handeln:
- Ruhe bewahren und nicht reagieren: Antworten Sie nicht auf die Nachrichten oder Kommentare. Jede Reaktion gibt den Täterinnen oder Tätern eine neue Angriffsfläche und motiviert sie weiterzumachen.
- Beweise sichern: Machen Sie sofort Screenshots oder Bildschirmaufnahmen von allen beleidigenden Inhalten (Chats, Kommentare, Bilder, Profile). Achten Sie darauf, dass Datum, Uhrzeit und Plattform sowie – falls vorhanden – die URL sichtbar sind. Diese Beweise sind für eine Anzeige entscheidend.
- Täter:innen blockieren und melden: Blockieren Sie die Profile der Täter:innen auf allen Plattformen. Melden Sie die Profile und die Inhalte direkt beim Betreiber des Netzwerks (z. B. Instagram, TikTok, WhatsApp). Die Plattformen bieten dafür Meldefunktionen an und haben Löschpflichten.
- Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit einer Person, der Sie vertrauen, etwa aus Ihrem Freundes- oder Familienkreis, oder wenden Sie sich an eine professionelle Beratungsstelle.
- Anzeige bei der Polizei erstatten: Handelt es sich um Drohungen, Erpressung, sexuelle Belästigung oder üble Nachrede, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Nehmen Sie dazu alle gesicherten Beweise mit.
Prävention: Wie schütze ich mich und mein Kind vor Cybermobbing?
- Der beste Schutz vor Cybermobbing ist ein bewusster und vorsichtiger Umgang mit dem Internet. Diese Tipps helfen Ihnen und Ihrem Kind dabei:
- Privatsphäre-Einstellungen nutzen: Überprüfen und optimieren Sie die Privatsphäre-Einstellungen auf allen sozialen Netzwerken. Sorgen Sie dafür, dass nur von Ihnen bestätigte Kontakte die Inhalte sehen können.
- Sparsam mit Daten umgehen: Veröffentlichen Sie keine sensiblen persönlichen Daten wie Ihre vollständige Adresse, Telefonnummer oder sehr private Informationen.
- Über Inhalte nachdenken: Das Internet vergisst nie. Einmal hochgeladene Bilder oder Texte können kaum mehr vollständig kontrolliert werden.
- Medienkompetenz fördern: Sprechen Sie in der Familie offen über die Gefahren im Internet. Erklären Sie, was Cybermobbing ist und welche Folgen es hat. Ein starkes Bewusstsein ist die beste Prävention.
Was tun, wenn mein Kind im Internet gemobbt wird?
Wenn Sie erfahren oder vermuten, dass Ihr Kind gemobbt wird, ist Ihr Handeln entscheidend:
1. Unterstützung signalisieren: Nehmen Sie Ihr Kind ernst und machen Sie ihm keinerlei Vorwürfe. Betonen Sie, dass es keine Schuld trägt und Sie da sind, um zu helfen. Schaffen Sie eine Atmosphäre des Vertrauens.
2. Beweise sichern: Sichern Sie gemeinsam mit Ihrem Kind alle Beweise wie im Sofortmassnahmen-Plan beschrieben (Screenshots etc.).
3. Täter:innen melden und blockieren: Melden und blockieren Sie die Täterprofile auf den entsprechenden Plattformen.
4. Schule informieren: Wenn die Täter:innen aus dem Schulumfeld stammen, informieren Sie umgehend die Klassenlehrperson, die Schulleitung oder die Schulsozialarbeit. Mobbing findet oft parallel online und offline statt.
5. Eltern der Täter:innen kontaktieren: In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Eltern der mobbenden Kinder zu informieren – idealerweise in einem moderierten Gespräch, z. B. durch die Schule.
6. Professionelle Hilfe holen: Wenn die Situation eskaliert oder Ihr Kind stark leidet, zögern Sie nicht, externe Hilfe in Anspruch zu nehmen. Beratungsstellen wie die Elternberatung Pro Juventute sind rund um die Uhr erreichbar.
Wie merke ich, ob mein Kind im Internet gemobbt wird?
Achten Sie auf Verhaltensänderungen. Folgende Warnsignale können auf Cybermobbing hindeuten:
- Ihr Kind zieht sich zurück, wirkt bedrückt, ängstlich oder unerwartet aggressiv.
- Es möchte nicht mehr zur Schule gehen oder an Hobbys teilnehmen.
- Es klagt häufig über körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen.
- Die schulischen Leistungen lassen plötzlich nach.
- Ihr Kind vermeidet die Nutzung von Handy oder Computer oder reagiert bei Nachrichten panisch.
- Freundinnen und Freunde melden sich nicht mehr wie gewohnt.
Ist Cybermobbing strafbar?
In der Schweiz gibt es kein eigenständiges Gesetz zu Cybermobbing. Dennoch haben Opfer die Möglichkeit, Täterinnen und Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Denn je nach Ausmass und Art des Mobbings liegt durchaus eine Straftat vor, die entsprechend geahndet wird. Beschimpfung, üble Nachrede und Drohungen – alles klassische Bestandteile des Cybermobbings – gelten im Sinne des Strafgesetzbuchs als Straftat und können mit bis zu 180 Tagessätzen bestraft werden.
Wurde im Zuge des Cybermobbings z. B. ein Account gehackt und ohne die Zustimmung des Inhabers genutzt, gilt dies als unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem und kann sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden.
Auch ohne explizite Strafartikel haben Cybermobbing-Opfer also durchaus die Chance, sich rechtlich zur Wehr zu setzen. Wichtig ist hier vor allem, dass genügend aussagekräftige Beweise vorliegen.
Hilfreiche Links und Anlaufstellen
- Pro Juventute: Beratung und Hilfe für Kinder und Elternberatung 24/7
- Schweizerische Kriminalprävention (SKP): Informationen und Kampagnen zu Cybermobbing
- Die Kantonspolizei Ihres Wohnkantons für eine Anzeige
Weitere Fragen rund um Cybermobbing
Was kann ich tun, wenn ich Mobbing bei anderen beobachte?
Schauen Sie nicht weg. Melden Sie die Inhalte bei der Plattform, unterstützen Sie das Opfer direkt und informieren Sie bei Minderjährigen eine erwachsene Vertrauensperson (Eltern, Lehrkräfte). Wer schweigt, schützt die Täterinnen und Täter.
Soll ich das Profil meines Kindes kontrollieren?
Eine offene Gesprächsbasis ist wirksamer als ständige Kontrolle. Vereinbaren Sie gemeinsame Regeln für die Internetnutzung. Eine gelegentliche, offene Nachfrage («Darf ich mal schauen, was du so machst?») ist besser als heimliches Ausspionieren, das das Vertrauen zerstört.
Löschen die Plattformen gemeldete Inhalte zuverlässig?
Plattformen wie Instagram, TikTok und Facebook sind gesetzlich verpflichtet, offensichtlich rechtswidrige Inhalte zu entfernen. Wie schnell und vollständig gemeldete Inhalte entfernt werden, kann jedoch variieren. Daher ist das Sichern von Beweisen vor der Meldung entscheidend.