Unsere KMU

Aus alt mach neu

Bild: Daniel Ammann
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Beides sind Unternehmen mit einer langen Tradition. Doch Leomat und Schoch Werkhaus ruhen sich nicht auf vergangenen Lorbeeren aus — im Gegenteil. Neue Ideen prägen bei beiden das Tagesgeschäft. 

Daniel Büchel und Jan Schoch könnten unterschiedlicher kaum sein und haben trotzdem viel gemeinsam. Der eine ist ein eher klein gewachsener, hemdsärmeliger Typ, dunkelbraunes Haar, klassischer Schnurrbart. Der andere blond, schlaksig, grossgewachsen. Beide führen ein KMU, beide sind innovativ, rastlos im positiven Sinn, von Ideen getrieben und begnadete Erzähler. Und beide sind mit einem grossen Selbstvertrauen gesegnet. Im engen Ausstellungsraum eines in die Jahre gekommenen Baus im st.-gallischen Tübach sagt Büchel: «Wir gelten als kreativ, geniessen einen innovativen Ruf. Wenn wir etwas Neues lancieren, dann ziehen die grossen Konkurrenten oft nach.» Büchel ist seit zehn Jahren Chef von Leomat und beschäftigt 50 Mitarbeitende; alle mit Barista-Ausbildung. Das St. Galler Unternehmen, dessen Name laut Büchel «König der Automaten» bedeutet, stellt seit 47 Jahren Verpflegungsautomaten her.

In Winterthur, in einer ehemaligen Fabrikhalle des Industriekonzerns Sulzer, sagt Schoch: «Die Industriehalle hat uns ein Gesicht gegeben. Dadurch konnten wir uns am Markt positionieren.» Schoch ist Chef von 42 Angestellten und Besitzer von Schoch Werkhaus. Seit 22 Jahren füllt das Unternehmen die ehemalige Halle 39 auf dem Sulzer-Areal mit seinen Büro- und Arbeitswelten.

«Für die Region, aus der Region»

Leomat und Schoch Werkhaus: Das sind zwei Schweizer KMU, die sich den wandelnden Rahmenbedingungen erfolgreich gestellt haben, Neues wagen, künftige Entwicklungen antizipieren, kreative Wege gehen und dabei stets lokal und regional verankert geblieben sind.

Schweizer Produkte, Schweizer Zulieferer und Schweizer Handwerk werden bei Leomat grossgeschrieben. «‹Für die Region, aus der Region› gilt bei uns seit 1972 und ist in den Gründungsunterlagen festgehalten», sagt Büchel, lange bevor die Migros Jahre später den Slogan leicht abgewandelt landesweit bekannt machte. Leomat benötigt keine Marketingagentur. Der Grossteil der Ideen und Innovationen entsteht in Eigenregie. 

Mit Automatenkaffee allein gibt sich Daniel Büchel schon lange nicht mehr zufrieden.

Und neue Ideen braucht das Unternehmen ständig. Denn gesellschaftliche Tendenzen können direkt zu Veränderungen im Produktportfolio von Leomat führen. Waren die Automaten zu Beginn nur mit süssen Snacks und Kaffee gefüllt, erweiterte Leomat das Sortiment später mit margenträchtigeren Zigaretten und Alkohol. Letztere sind im Verlauf der Zeit aus Gesellschafts- und Jugendschutzgründen wieder aus dem Sortiment gefallen. Stattdessen finden sich nun auch lokale Fruchtsäfte in den Automaten (Büchel: «Espresso, Red Bull und Coca-Cola verkaufen sich aber weiterhin am besten»), schockgefrorene Suppen oder gar eine Fonduefertigmischung, die im neuen Tiefkühlautomaten Alaska ausliegen. Es sei ein Experiment, sagt Büchel, nie um eine Idee verlegen. Credit Suisse, Volvo und die Hirslanden-Klinik würden den Kühlautomaten testen. «Daneben kreieren und produzieren wir zusammen mit Partnern Eigenprodukte.» Zum Beispiel Vanille- und Erdbeerpulver oder einen Zucker mit einem niedrigeren Kohlenhydratanteil. Aber auch kompostierbare Kaffeebecher oder mit Holz verarbeitete Becher hat Leomat entwickelt. Die Kunststoffbecher wurden ausgemustert.

Eigene Ideen bis zur Marktreife entwickeln: Das liegt auch Jan Schoch im Blut. «Ich habe mich schon immer gefragt, weshalb es keine schönen, eleganten und zweckmässigen LED-Leuchten gibt auf dem Markt», sagt der Winterthurer. Also hat er eine eigene LED-Bürostehleuchte entwickelt unter dem sympathisch unbescheidenen Eigenlabel JSL, der Jan-Schoch-Leuchte. 8000 Stück seien bereits verkauft worden, sagt der Firmenchef. Vor kurzem lancierte er die neuste Generation der JSL.

Ein Einbruch mit positiven Folgen

Nicht nur im Produktedesign geht Schoch Werkhaus neue Wege. Mut hat Schoch auch bei der Wahl des neuen Firmensitzes in den alten Sulzer-Hallen bewiesen. Denn früher befand sich das Büro in den Räumlichkeiten der von Schochs Schwester geführten Papeterie; die Ausstellung befand sich in einem Luftschutzkeller. «Wir haben Mitte der 1990er-Jahre zwei Ansätze verfolgt: entweder ein klassisches Möbelhaus auf der grünen Wiese ausser-
halb Winterthurs zu errichten oder einen neuen Weg gehen und in der Stadt bleiben.» Bloss wo? Eine Chance tat sich auf, als sich abzeichnete, dass das Grossprojekt Megalou von Stararchitekt Jean Nouvel auf dem Sulzer-Areal mangels Investoren zu scheitern drohte. «Wir fanden das Areal spannend und sind während mehrerer Tage für einen Augenschein in die leerstehenden Hallen eingebrochen», erinnert sich Schoch. «Was wir sahen, gefiel uns.»

Das Mietangebot, das Sulzer darauf Schoch Werk-    haus unterbreitete, stiess allerdings auf ein resolutes Nein. Auf zähe Verhandlungen folgte schliesslich eine Einigung. Die Stadtverwaltung würdigte Schochs Initiative mit den Worten, dass das Schoch Werkhaus das erste Unternehmen sei, welches dasLicht im Sulzer-Areal wieder angemacht habe. «Wir haben eine Million Franken in die Halle investiert und entwickelten uns quasi zu einem Wallfahrtsort für Menschen, die sich ein Bild machen wollten, wie man eine Industriehalle umnutzen kann», so Schoch. Die Anekdote um den Umzug in das Sulzer-Areal steht sinnbildlich für die Geschichte der Familie Schoch. Denn die Wurzeln des Werkhauses gehen auf die 1882 gekaufte Buchbinderei und Schreibmaterialhandlung durch die Familie Schoch am Untertor 7 in Winterthur zurück. Erst wurden Firmen mit Schreibwaren beliefert, dann waren durch die Industrialisierung Büromöbel gefragt, welche damals mit dem Leiterwagen ausgeliefert wurden. Über die Jahre hat sich das Familienunternehmen immer wieder gewandelt und an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst. Aber noch heute ist die Papeterie am Stammsitz beheimatet, geführt in vierter Generation von Jan Schochs Schwester Karin. Bruder Thomas führt den Bürobedarf-Online-Händler Schoch Vögtli. Die Firmen sind seit 2005 in drei eigenständige Aktiengesellschaften aufgeteilt.

Ob Leomat oder Werkhaus Schoch: Basis ihres Erfolgs ist, dass sie beide keine Massenware produzieren. Praktisch jeder Leomat-Automat sowie fast sämtliche Bürolösungen von Schoch Werkhaus sind kundenorientiert und massgeschneidert. Das schafft Raum für kreative, innovative Ideen und viel Flexibilität. 

 

Originaltext erschienen in «Meine Firma», dem KMU-Kundennmagazin der AXA.

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    Meine Firma - das KMU-Kundenmagazin der AXA

    Das Servicemagazin der AXA informiert Sie dreimal jährlich zu Themen, die Sie als Kleinunternehmer interessieren.

    AKTUELLE AUSGABE

Die Firmen

Schoch Werkhaus ist ein Spezialist für Bürokonzepte und -einrichtungen. Jan Schoch ist Geschäftsführer und Inhaber des Winterthurer Unternehmens. Die 42 Mitarbeitenden erwirtschaften einen Umsatz von 21 Millionen Franken. Die Wurzeln des Werkhauses gehen auf die 1882 durch die Familie Schoch gekaufte Buchbinderei und Schreibmaterialhandlung in Winterthur zurück. Jan Schochs Schwester Karin führt die Papeterie, Bruder Thomas den Bürobedarf-Online-Händler Schoch Vögtli. Die Firmen sind drei eigenständige Aktiengesellschaften.   

www.werkhaus.ch


Im st.-gallischen Tübach befindet sich der Firmensitz von Leomat. Das Unternehmen stellt Verpflegungsautomaten her und betreibt, verkauft oder vermietet diese. Jährlich werden rund 300 Stück ausgeliefert. Das Unternehmen beschäftigt 52 Mitarbeitende und ist zu 100 Prozent im Besitz der Familie von Firmengründer Roman Lenherr. Ab 1972 begann dieser, US-Getränkeautomaten zu importieren, und baute diese für den Schweizer Markt entsprechend um.   

www.leomat.ch

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