Gründung und Innovation

Den eigenen Traum verwirklicht

Bild: Jolanda Flubacher
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In der Schweiz wurden allein letztes Jahr fast 120 Unternehmen neu gegründet – pro Tag. Damit der Schritt in die Selbständigkeit nachhaltig gelingt, braucht es mehr als eine gute Idee. Vier Firmengründer erzählen.

Den Schritt in die Selbständigkeit hatten Elisabeth Hirtl und Maria Bassi im Frühling 2018 gewagt. Rund zwei Jahre hatten sie ihre Firmengründung vorbereitet, und das sei auch gut gewesen, sagt Co-Gründerin Maria Bassi: «Wir wollten uns bei der Realisierung des ‹Wunderraums› die nötige Zeit lassen und das Konzept nachhaltig gestalten.» Die Idee hinter Wunderraum: einen Office-, Coworking- und Meeting-Space für Unternehmen zu schaffen, der über flexible Arbeitsplätze und eine Büroinfrastruktur für Selbständige hinausgeht. «Wir wollten mit unserem Dienstleistungsangebot ein einzigartiges Rundum-Gesamtpaket bieten. Unsere Gäste sollen sich bei uns um nichts kümmern müssen und sich so voll und ganz auf ihre Arbeit und ihre Kunden konzentrieren können», erklärt Elisabeth Hirtl das Konzept. Neben einer inspirierenden Büroumgebung können Unternehmen, Freelancer und Selbständige deshalb im Wunderraum auch auf verschiedene Beratungsdienstleistungen wie Unterstützung bei Notariatsangelegenheiten oder Treuhandleistungen zurückgreifen. Darüber hinaus bietet der Wunderraum eine Community, in der man sein Netzwerk erweitern kann. «Mittlerweile läuft es ganz gut, wir haben regen Zulauf an Interessenten und sehen, wie unsere Vision langsam reift und grösser wird», sagt Hirtl. Trotzdem sei der Anfang nicht immer ganz einfach gewesen, blickt die Jungunternehmerin zurück: «Man muss ein Bedürfnis wecken, seine Idee überzeugend verkaufen. Idee und Leidenschaft allein reichen nicht, um eine Bank zu überzeugen.»

Es braucht ein wirklich gutes Geschäftsmodell

Berät und unterstützt Jungunternehmer bei der Firmengründung: Max Meister von der Swiss Startup Factory.

Dass es mehr als eine innovative Idee braucht, um im Markt Fuss zu fassen, sieht auch Max Meister, Co-Gründer der «Swiss Startup Factory» (SSUF) in Zürich, in seinem Alltag oft. Der Accelerator berät und unterstützt Jungunternehmer bei der Firmengründung. «Heutzutage gründen viele vorschnell, ohne einen konkreten Plan zu haben. Dabei ist eine Firmengründung etwas Systematisches, mit einer Idee allein ist es nicht getan. Es braucht ein wirklich gutes Geschäftsmodell, um die nötigen Investoren zu finden. Man muss sich im Vorfeld absolut sicher sein, dass die Idee Marktpotenzial hat, sollte also zuerst eine umfassende Markt- und Konkurrenzanalyse durchführen.» Ebenso wichtig sei es, ein Team-Assessment zu absolvieren: «Die Gründungsphase macht zwar grossen Spass, ist aber auch sehr kurz. Danach kommt meistens eine sehr anspruchsvolle Phase – Investoren nennen diese auch das Tal des Todes –, und das braucht viel Zeit, Kraft und Schweiss. Da muss man sich schon sehr sicher sein, dass man auch in schwierigen Zeiten als Team funktioniert und die Hürden gemeinsam meistern kann.»

Erfolgsrezept Crowdfunding

Auf ein Team musste Alex Baechler keine Rücksicht nehmen, die Idee zu «Prezit» kam ihm ganz allein. «Ich bin in einer Familie mit fünf Kindern gross geworden, und unser Abfalleimer war einfach immer voll. Darüber habe ich mich jeden Tag geärgert – und nach meinem Maschinenbaustudium einfach selbst eine Lösung gegen das Problem entwickelt.» Monatelang tüftelte der Romand in der Garage an seinem Abfalleimer mit Komprimierfunktion, schweisste in Eigenregie einen Prototyp zusammen und verbesserte diesen über zwei Jahre hinweg kontinuierlich – und das neben einer Vollzeitstelle. Erst mit dem dritten Prototyp kam der Mut, 2017 den Job aufzugeben und die eigene Firma zu gründen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er die Kosten für Material und Produktion aus der eigenen Tasche finanziert – nun galt es, einen geeigneten Geldgeber zu finden. Er entschloss sich, sein Projekt bei «Wemakeit», der grössten Crowdfunding-Plattform Europas, einzureichen – und war erfolgreich. Innerhalb weniger Wochen kam genug Geld zusammen, um die Serienproduktion zu starten. «Geholfen hat mir dabei vor allem auch mein persönliches Netzwerk an Familie und Freunden, die anfänglich in das Produkt investiert haben. Dadurch gewinnen auch andere Investoren Vertrauen», sagt Baechler.

Alex Baechler hat «Prezit» monatelang in der eigenen Garage entwickelt.

Dem stimmen auch Elisabeth Hirtl und Maria Bassi zu. «Man sollte als Jungunternehmer das eigene Netzwerk unbedingt nutzen. Wir hatten das Glück, durch unsere verschiedenen Berufsstationen über ein sehr breites Netzwerk zu verfügen, das uns bei der Realisierung von Wunderraum sehr zur Seite gestanden hat. Sei es durch finanzielle Unterstützung, vor allem aber auch mit wertvollen Inputs zu unserem Konzept.» Ein Vorgehen, das auch Max Meister von der Swiss Startup Factory unterstützt: «Für Neugründer ist es enorm wichtig, dass sie sich Rat von aussen holen, Kunden befragen und auf Experten zurückgreifen.» Die SSUF stelle den Jungunternehmern deshalb erfahrene Mentoren zur Seite, die sie beispielsweise im Marketing, in der Produktion oder Distribution beraten, denn: «Selten verfügt ein einzelner Gründer über sämtliche Fähigkeiten, die es für einen erfolgreichen Unternehmensstart braucht – die eierlegende Wollmilchsau gibt es nun mal nicht.»

Businessplan konsequent einhalten

Unterstützung in Sachen Akquise benötigt Manuel Vazquez nicht. Der gelernte Fotofachmann war nach seiner Ausbildung jahrelang im Verkauf und in der Beratung tätig. Seiner wirklichen Leidenschaft, dem Film und der Fotografie, konnte er damals nur in seiner Freizeit nachgehen. Erst 2017 fällte er den Entscheid, sich endgültig selbständig zu machen. «Ich wollte noch vor meinem 40. Geburtstag meinen Kindheitstraum verwirklichen.» Aber auch er gründete nicht einfach ins Blaue hinein: «Ich habe über ein halbes Jahr hinweg eine Markt- und Konkurrenzanalyse der Region erstellt, mir genau überlegt, auf welches Kundensegment ich mich fokussieren soll, und einen konkreten Businessplan erarbeitet.» Seit Januar 2018 ist er jetzt mit «Manu’s Foto Video Art» am Markt und spezialisiert auf Bild- und Videoangebote für Firmenkunden. Er lebt heute seinen Traum, denn die Firma läuft gut. Aber auch er sagt: «Man muss sich schon konsequent an seinen Businessplan halten und besonnen investieren, sonst geht einem schnell das Geld aus.» So habe er sich sein Equipment Schritt für Schritt zugelegt, anstatt gleich zu Beginn grosse Summen auszugeben.

Löblich, meint auch Max Meister: «Finanzmanagement ist das A und O einer erfolgreichen Firma. Wer die Kalkulation nicht im Griff hat, scheitert.» Gerade zu Beginn sollte man sich gut überlegen, wie man sich über Wasser halten kann, wenn das Kapital knapp wird, so der Experte: «Die meisten Gründer veranschlagen im Businessplan viel zu wenig Kapital. Der eingangs kalkulierte Aufwand verdoppelt oder vervierfacht sich schnell, wenn man sein Produkt nicht innerhalb der geplanten Zeit an den Markt bringt oder etwas bei der Produktion schiefgeht.»

Man muss sich konsequent an seinen Businessplan halten und besonnen investieren, sonst geht einem das Geld aus.

Manuel Vazquez, Manu's Foto Video Art

Selbständigkeit braucht Zeit

Diese Erfahrung hat auch Alex Baechler gemacht. Die Suche nach einem geeigneten Produzenten für das Grundmaterial seines Abfalleimers Prezit dauerte viel länger, als er ursprünglich eingeplant hatte; plötzlich wurde das Geld knapp. Aufwind gab ihm dann ausgerechnet eine TV-Show: Die deutsche Gründersendung «Höhle der Löwen» war auf sein Produkt aufmerksam geworden, im November 2018 flimmerte er mit Prezit über die Bildschirme in der Schweiz und in Deutschland. «Unmittelbar nach der Ausstrahlung war die Nachfrage riesig, ich kam mit der Produktion kaum noch hinterher», erinnert sich der Jungunternehmer. Ein paar Monate später wurde es aber wieder ruhiger um sein Projekt. Das liegt unter anderem auch daran, dass er mittlerweile ein Entwicklungsmandat als selbständiger Maschinenbauingenieur angenommen hat und seit einigen Monaten wieder 80 Prozent arbeitet. «Dadurch leidet natürlich die Weiterentwicklung und Vermarktung von Prezit stark», gibt er zu. Trotzdem will er nach wie vor selbständig bleiben und seinen Traum weiter vorantreiben: «Die letzten beiden Jahre waren die spannendsten in meinem Leben, ich würde es jedem weiterempfehlen. Die Erfahrung, deine eigene Idee umzusetzen und an den Markt zu bringen, nimmt dir keiner mehr.»

Niemals aufgeben

Auch die beiden Wunderraum-Gründerinnen Elisabeth Hirtl und Maria Bassi bereuen ihren Entscheid keine Sekunde: «Man wächst über sich selbst hinaus. Eigentlich merkt man erst dann, wenn man den Schritt in die Selbständigkeit gewagt hat, was man alles bewegen kann. Das motiviert ungemein.» Sie raten anderen Start-ups deshalb: «Wenn jemand wirklich eine Idee hat und daran glaubt, dann sollte er auf seinen Bauch hören und es tun. Auf keinen Fall entmutigen lassen oder zu schnell aufgeben.» Der Meinung ist auch Manuel Vazquez: «Ja, die Welt hat nicht auf einen gewartet. Aber wer an sich glaubt und sein Ziel immer vor Augen hat, kann es schaffen. Es gibt nichts Schöneres als das, was man gerne tut, zu seinem Beruf zu machen und damit tagtäglich seine Leidenschaft zu leben.»

 

Originaltext erschienen in MEINE FIRMA, dem KMU-Kundenmagazin der AXA.

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Die Firmen

Wunderraum versteht sich als Zuhause für Unternehmen und Gastgeber fur Mobile Worker aller Branchen. Der Office-, Coworking- und Meeting-Space in Pfäffikon SZ bietet Räume, Netzwerke und Dienstleistungen, die Unternehmen und Selbständige im beruflichen Alltag vorwärtsbringen. Flexible Arbeitsplatze, repräsentative Meetingraume und Begegnungsorte sowie eine Netzwerk-Community bieten ein qualitativ hochstehendes Gesamtpaket in einem stilvollen und inspirierenden Ambiente. Gegründet wurde Wunderraum 2018 von den beiden Inhaberinnen Elisabeth Hirtl und Maria Bassi.

www.wunder-raum.ch

Prezit ist ein Abfalleimer mit Komprimierfunktion aus Plaffeien FR. Erfunden hat ihn der gelernte Maschinenbauingenieur Alex Baechler, der sich schon immer über überquellende Abfalleimer ärgerte. Durch ein einfach zu bedienendes Press- und Arretiersystem bleibt der Abfall komprimiert, und dadurch kann bis zu dreimal mehr Abfall in einen herkömmlichen 35-l-Sack gefüllt werden. Gegründet wurde die Firma 2018, mit seiner Idee schaffte es Alex Baechler gar in die deutsche TV-Show ≪Höhle der Löwen≫.

www.prezit.ch

Manu’s Foto Video Art ist seit Januar 2018 der Partner rund ums Bild in Freienbach SZ und Umgebung. Inhaber Manuel Vazquez hat sich insbesondere auf Firmenkunden spezialisiert und bietet von der Businessfotografie über Immobilienbilder bis hin zu Firmenvideos oder -reportagen ein breites Spektrum an Dienstleistungen an.

www.manusfotovideoart.ch

Die Swiss Startup Factory (SSUF) wurde 2015 von Mike Baur, Max Meister und Oliver Walzer gegründet. Zwei der drei Firmeninhaberhaben selbst Start-up-Erfahrung, und alle drei Gründer sind als Investoren an verschiedenen Unternehmen beteiligt. Mit der Swiss Startup Factory wollen sie ihr Know-how und ihre Expertise an Jungunternehmer weitergeben und diese bei der Firmengründung unterstützen; darüber hinaus beraten sie auch bestehende Start-ups in ihrem Portfolio sowie Unternehmen und Grossunternehmen im Bereich Corporate Venturing bei der Transformation in eine erfolgreiche Zukunft. Die SSUF ist im Zürcher Westhive ansässig und beschäftigt 11 Mitarbeitende.

www.swissstartupfactory.ch

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