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Wettbewerbsvorteil Familienbande

Bilder: Dan Cermak
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90 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz sind familiengeführt. Was diese Betriebe ausmacht und weshalb familiäre Beziehungen sowohl Vorteil als auch Herausforderung darstellen können, zeigen drei Familienunternehmen.

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    Meine Firma

    Originaltext erschienen in «Meine Firma», dem KMU-Magazin der AXA Schweiz.

    ZUR AKTUELLEN AUSGABE

Dienstagnachmittag, 14 Uhr, ein modernes Gewerbehaus mitten im Zürcher Industriequartier Binz, sechster Stock. Es herrscht emsiges Treiben im grossen Loftbüro von Felfel. In der Showroom-Küche tüfteln Food-Scouts an den neusten Kreationen, vor einem der typischen Felfel-Kühlschränke bespricht Co-Gründerin Daniela Steiner mit zwei Kolleginnen einige Anpassungen im Produktesortiment, in der brandneuen Barista-Ecke bereiten sich zwei Marketingmitarbeiterinnen auf ihren nächsten Kunden-Pitch vor. Aus den Musikboxen schallt Popmusik, das Stimmengewirr wird immer wieder durch Gelächter unterbrochen. Trotz der beinahe greifbaren kreativen Energie, die den Raum erfüllt, herrscht keine Hektik, sondern eine entspannte, ja familiäre Atmosphäre. Der Schein trügt nicht, versichert Geschäftsführerin Anna Grassler: «All unsere Felfelians bringen Tag für Tag ihr ganzes Herzblut und all ihre Energie in diese Firma ein. Felfel ist nicht nur unser Arbeitgeber, sondern unser aller Business-Baby.»

Intelligenter Kühlschrank, innovative Esskultur

Ein «Baby» ist Felfel strenggenommen schon länger nicht mehr. 2013 vom Ehepaar Daniela und Emanuel Steiner gegründet, gehört Felfel in der Start-up-Szene eigentlich schon zum alten Eisen. Die Idee kam Emanuel bei seinem vorherigen Job bei einem Beratungsunternehmen in der Zürcher Innenstadt: Frustriert über die mangelnden Möglichkeiten, sich in der Mittagspause gesund und qualitativ hochwertig zu ernähren, entschied er sich, selbst aktiv zu werden. Entstanden ist Felfel, der Essensautomat, der Mitarbeitende glücklich macht: Der intelligente Kühlschrank macht es möglich, dass jedes Unternehmen seinen Mitarbeitenden gesunde, frische und geschmackvolle Gerichte bieten kann – auch ohne Kantine. Die Mahlzeiten stammen von Partnerköchen aus kleinen Familienbetrieben, die sie im Auftrag von Felfel zubereiten und
täglich frisch liefern.

Das Start-up traf den Nerv der Zeit, innert wenigen Monaten hatten Daniela und Emanuel ihre ersten Kunden, das Geschäft und damit auch das Team wurde schnell grösser. Anna Grassler ist bereits seit 2015 mit an Bord, leitete zuerst das Team Corporate Partnerships, übernahm bald weitere Teams. Irgendwann erkannten Daniela und Emanuel: Sie waren zu gross geworden, um alle Bereiche selbst zu leiten und jede Entscheidung selbst zu treffen. Sie beschlossen, sich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen und sich fortan auf Strategie und Produkteausbau der Firma zu konzentrieren, Anna Grassler übernahm Anfang 2021 die Geschäftsleitung und ist seither für das Tagesgeschäft und insbesondere die Mitarbeiterführung und Unternehmenskultur verantwortlich.

Felfel-Gründerehepaar Daniela und Emanuel Steiner mit Geschäftsführerin Anna Grassler.

Wachstum benötigt Professionalisierung

Ein absolut sinnvoller und effektiver Entscheid, attestiert Prof. Dr. Thomas Zellweger, Geschäftsführender Direktor des KMU-Instituts und Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre mit besonderer Berücksichtigung der Familienunternehmen an der Universität St. Gallen: «Ein grosser Vorteil familiengeführter Unternehmen sind die kurzen Entscheidungswege; dadurch sind diese KMU meist effizienter und schneller als andere Betriebe. Je grösser eine Firma jedoch wird, umso nötiger werden klare Strukturen, eine langfristige Strategie sowie institutionalisierte Prozesse und Kontrollorgane, um ihr Wachstum zu skalieren. Das erreicht man nur durch die Professionalisierung des Managements.» Dafür müsse man zuerst einmal eine gründliche Auslegeordnung machen und sich überlegen, welche Stärken aus der bisherigen Organisation mitgenommen werden können und wo nachjustiert werden muss, rät Thomas Zellweger.

Im Fall von Felfel ist dies gut gelungen: Daniela und Emanuel können heute ihre Kreativität und strategische Weitsicht für längerfristige und innovative Projekte nutzen, während Anna Grassler als Geschäftsführerin ihre Stärken wie Enthusiasmus, Empathie und Kundenorientierung voll entfalten kann. «Wir funktionieren als Team so gut, weil wir alle unsere individuellen Fähigkeiten ausleben und uns dadurch frei entfalten können», sagt Emanuel Steiner. Ehefrau Daniela ergänzt: «Wir sind zwar drei komplett unterschiedliche Charaktere, ergänzen uns aber perfekt und vertrauen uns blind.» Dass genau diese Vertrauensbasis familiengeführte Unternehmen so erfolgreich macht, bestätigt auch HSG-Professor Thomas Zellweger: «Familienbande sind enger als kollegiale Beziehungen. Man kennt sich in- und auswendig und weiss, dass man sich jederzeit auf den anderen verlassen kann, egal, was geschieht.»

Gasthof mit Tradition

Aufeinander verlassen kann sich auch die Familie Meier. Bereits in siebter Generation führt sie den Gasthof zum Schiff im idyllischen Mammern am Bodensee und ist weit herum bekannt für fangfrischen Fisch, Mistkratzerli und selbstgemachte Glace-Spezialitäten. Die Geschwister Erich, Liselotte und Edith haben einen Grossteil ihrer Kindheit im Betrieb verbracht, in der Küche gespielt, während die Eltern arbeiteten. «Sie haben uns nie gezwungen, im Restaurant mitzuhelfen, wir waren einfach schon immer einfach gerne hier», erinnert sich Erich Meier, der das «Schiff» 2012 von den Eltern übernommen hat und seither gemeinsam mit den beiden Schwestern führt. Auch wenn die Eltern sie nie dazu gedrängt hätten, sei es für ihn immer klar gewesen, dass er einmal die Nachfolge des Vaters antreten werde, so der 41-Jährige.

Früh die Liebe zur Fischerei und zur Jagd entdeckt, absolvierte Erich Meier nicht nur eine Lehre als Koch, sondern hängte auch noch die Hotelfachschule und eine Ausbildung als Obstbauer an – Voraussetzung für die Leitung des Birnbetriebs, den die Familie als zweites Standbein betreibt. Schwester Liselotte – ebenfalls ausgebildete Köchin – kehrte 2005 in den elterlichen Betrieb zurück und brachte mit ihrem Mann Andreas einen weiteren Koch zur Unterstützung mit. Sie selbst übernahm den Service und damit die Rolle als Gastgeberin, ihr Mann regiert heute als Chefkoch über die Küche. Bruder Erich verantwortet in der Gaststube nicht nur den Fang und die Zubereitung der Fischspezialitäten, sondern leitet «nebenher» den kompletten Landwirtschaftszweig der Familie – mit 20 Hektar Land der grösste Anbaubetrieb für Tafelbirnen in der Schweiz. Auch Erichs Frau Rahel arbeitet einen Tag in der Woche im Service, Schwester Edith ist die gute Seele des Hauses und Chefin über das Frühstücksangebot, und auch Mutter Doris hilft immer noch im Gasthof aus oder kümmert sich gemeinsam mit Vater Walter um die Enkelkinder, wenn Not am Mann ist.  

Sitzend von links nach rechts: Die Geschwister Edith und Erich Meier mit seiner Frau Rahel sowie Vater Walter Meier mit Frau Doris. Stehend ihre Tochter Liselotte Schmid mit ihrem Mann Andreas.

Persönliche Note

Das «Schiff» ist ein richtiger Wohlfühlort, ein familiärer Traditionsbetrieb, in dem man sich sofort heimisch und willkommen fühlt. Die Speisekarte ist noch immer dieselbe wie vor 50 Jahren, viele Stammgäste kommen fast ebenso lange hierher, weil sie nicht nur die berühmten Mistkratzerli, sondern vor allem die herzliche Atmosphäre schätzen. «Langjährige Familienbetriebe haben den Vorteil, dass sie sich über die Jahre hinweg ein grosses Netzwerk aufbauen können – man kennt sich, man schätzt und respektiert sich. Das verleiht einem Unternehmen eine persönliche Note, ein Gesicht nach aussen», erklärt Professor Thomas Zellweger. Das kann Familie Meier bestätigen: «Viele unserer Gäste haben uns aufwachsen sehen, kennen uns, seit wir Kinder sind, und sind entsprechend mit uns verbunden», sagt Liselotte Schmid.

Konflikte untereinander gebe es eigentlich kaum, so die Geschwister unisono. Und wenn, dann höchstens einmal ein kurzer Zwist in Stresssituationen. Das sei aber stets schnell aus der Welt geschafft. «Wir ziehen alle an einem Strang und haben dasselbe Ziel: dass unsere Gäste sich bei uns wohl fühlen und gerne wieder kommen. Das ist es, was wir mit Leidenschaft tun, und dafür stehen wir jeden Morgen gerne auf», sagt Erich Meier.

Mission: Arbeitsplätze retten

Das Kundenwohl im Fokus hat auch die Familie Wegelin. Ihre Boutique EMANIS Trend & Mass in der schönen Altstadt von Winterthur hat sie aber ursprünglich aus einem ganz anderen Grund übernommen: Emanuel Wegelinwar langjähriger Kunde beim ehemaligen Herrenausstatter und war bestürzt, als ihn die damalige Geschäftsführerin 2014 darüber informierte, dass man das Geschäft aus finanziellen Gründen aufgeben müsse. «Ich wollte nicht, dass ein weiteres lokales Unternehmen sterben musste und damit Arbeitsplätze verloren gingen», erinnert er sich. Gemeinsam mit seiner Frau Regula entschloss sich der heute selbständige Personaldienstleister, das Geschäft zu übernehmen.

Ursprünglich war geplant, nur als stiller Partner im Hintergrund zu bleiben. Aufgrund personeller Veränderungen übernahm Ehefrau Regula aber schnell ein 50-Prozent-Pensum und kümmerte sich um die gesamte Administration und Buchhaltung; 2015 übernahm dann Sohn Dan Wegelin die Leitung des Ladens, später unterstützt von seiner Frau Nathalie und seiner Schwester Naemi. Vater Emanuel hat zwar weiterhin seine eigene Personalberatung, steht aber am Samstag ebenfalls im Geschäft, wenn der Laden brummt: «Es ist schön zu sehen, wie sich die Boutique in den letzten Jahren entwickelt hat und wie erfolgreich das Geschäft heute läuft», so der vierfache Familienvater.

Regula und Emanuel Wegelin mit ihren Kindern Dan und Naemi sowie Schwiegertochter Nathalie (2.v.r.).

Dass es so gut läuft, verdankt die Familie Wegelin neben ihrem Fachwissen und ihrer Kundenorientierung auch ihrem Familienzusammenhalt. Trotzdem habe es eine Zeit gebraucht, bis sich die Abläufe eingespielt hätten und die Rollenverteilung klar definiert gewesen sei, gibt Dan selbstkritisch zu. Gerade für ihn sei die Abgrenzung manchmal schwierig gewesen. «Als Leiter des Ladens trage ich zwar die Verantwortung und bin die Integrationsfigur des Ladens, gleichzeitig ist mein Vater der Inhaber und hat somit grundsätzlich das Sagen. Da war es manchmal schwierig abzuschätzen, wo ich selbständig entscheiden kann und wo ich mich mit ihm abstimmen muss», so der Textilfachmann.

Erfolgsrezept Kommunikation

Das kann auch Experte Thomas Zellweger bestätigen: «Bei Familienunternehmen vermischen sich Familiäres und Geschäftliches oft. Das kann schnell kompliziert werden und zu Missverständnissen und emotionalen Verletzungen führen, die oft langanhaltend sind. Eine professionelle Kommunikation ist deshalb das A und O jedes Familienunternehmens.» Auch wenn eine familiäre Beziehung bestehe, müsse man professionell und sachlich als Geschäftsleute miteinander diskutieren und Konflikte austragen können. «Manchmal empfiehlt es sich sogar, im Büro die Eltern mit dem Vornamen anzusprechen, um hier eine klare Trennung zwischen Beruflichem und Privatem zu schaffen», so Zellweger.

Die Wegelins haben diese Hürde genommen und funktionieren heute als eingespieltes Team, in dem jeder seine Stärken einbringen kann und eigenverantwortlich für sein Aufgabengebiet zuständig ist. Berufliches wird zudem nur noch im Shop geklärt und nicht zu Hause am Küchentisch. Denn neben einem Führungsteam bleibt eine Familie immer in erster
Linie eine Familie. Und das ist gut so.

Die Firmen

Felfel revolutioniert, wie die Schweiz am Arbeitsplatz isst. Das Zürcher Familienunternehmen versorgt mit seinen intelligenten Kühlschränken schweizweit über 500 Unternehmen mit frischen und gesunden Gerichten und ermöglicht so knapp 100’000 Arbeitnehmenden den Genuss von leckeren und abwechslungsreichen Mahlzeiten, die inhouse oder in Kooperation mit kleinen Familienbetrieben hergestellt werden. Felfel wurde 2013 gegründet und beschäftigt heute über 100 Mitarbeitende an den Standorten Zürich und Lausanne.      

Das «Schiff» ist nicht nur ein Gastronomiebetrieb, sondern auch das Zuhause der Familie Meier, welche mit drei Generationen im Betrieb vertreten ist. Die Gäste Tag für Tag mit frischen und regionalen Produkten zu verwöhnen, ist die Passion und der Ansporn der Gastgeberfamilie. Lebensmittel aus eigener Produktion, Jagd oder Fischerei, mit viel Verständnis und Liebe zubereitet, locken Gäste von weit her ins gemütliche «Schiff». Gegründet wurde die Gaststube 1788, seit 2012 leitet Erich Meier den Betrieb gemeinsam mit seinen beiden Schwestern Liselotte und Edith sowie Ehefrau Rahel und Schwager Andreas.      

Wer sich mit Stil und Klasse inszenieren möchte, ist bei EMANIS Trend & Mass an der richtigen Adresse. In ungezwungener Atmosphäre präsentiert das Familienunternehmen einerseits edle Trend- und Businessmode für Herren sowie Masskonfektion für alle, die auf der Suche nach individueller, einzigartiger Mode sind. In der Region Zürich bis zum Bodensee gehört EMANIS in der Zwischenzeit zu den führenden Ausstattern für den Bräutigam und seine Gäste. Übernommen haben die Boutique in der Altstadt Winterthurs 2014 Regula und Emanuel Wegelin; heute ist EMANIS ein richtiger Familienbetrieb, in dem neben zwei Schneiderinnen die ganze Familie ihre unterschiedlichen Fähigkeiten einbringt.    

 

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