Mitarbeiter und Vorsorge

Tradition verpflichtet

Bild: Daniel Winkler
Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf LinkedIn teilen Auf Xing teilen Per Email teilen

Die Dörrer AG ist ein Pionier in der Metallveredelung. Nicht nur im Kerngeschäft zeigt sich das 85-jährige Unternehmen innovativ. Auch bei der Versicherung ihrer Mitarbeitenden übernimmt die Stadtzürcher Firma eine Vorreiterrolle.

Ein beissender Duft steigt in die Nase. In kleinen, akkurat aufgereihten Bädern blubbert es vor sich hin. Chemikalien färben das Wasser blau, rot oder gelb. Darin, an Haken und Klammern befestigt, baumeln metallene Teile; Spiralen, medizinische Dichtungen oder Kaffeeausflüsse. Der Ort, in Zürichs Südwesten gelegen, oberhalb des Bahnhofs Giesshübel und neben dem Brunaupark, atmet nicht nur Stadtzürcher Industriegeschichte, er ist aktiver Zeuge davon. Seit nun 85 Jahren veredelt die Dörrer AG in Zürich-Wiedikon Metalle, erst an der ehemaligen Kohlengasse, seit Anfang der 1940er-Jahre an der Giesshübelstrasse. In einer Metallsalzlösung galvanisiert, verchromt oder versilbert der Familienbetrieb in dritter Generation elektrochemisch Metalle vor allem für die Elektro- und Maschinenbauindustrie.

Noch heute riecht es fast wie damals, als Lorenz Dörrer mit zwei Partnern mitten in den Krisenjahren der 1930er-Jahre die Firma Senn & Cie, Galvanische Anstalt & Spritzmetallgiesserei, gründete. Und auch optisch scheint die Zeit etwas stehen geblieben. Doch das Unternehmen expandierte damals rasch, vergrösserte sich und machte sich in der Branche bald einen Namen als Pionier für neue Veredelungsverfahren.

Doppelt fortschrittlich

Pionier war das Unternehmen Dörrer nicht nur in geschäftlichen Belangen. Auch in der beruflichen Vorsorge (BVG) wählte das Familienunternehmen einen im Rückblick fortschrittlichen und mutigen Weg. Die Dörrer AG zählte zu den ersten Kunden der damaligen Winterthur Versicherung, die ihre Mitarbeitenden in einer teilautonomen Lösung versicherten. Anfang 1985, als das Gesetz über die berufliche Vorsorge in Kraft trat, in einer Welt, in der die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen noch bei gut 5 Prozent lagen – heute ist die Performance negativ –, wählte der damalige Unternehmenschef Anton Dörrer eine teilautonome Lösung, die in ihrem Anlageverhalten zwar freier war als eine Vollversicherung, bei der er im Gegensatz zur Vollversicherung aber das Anlagerisiko trug.

«Die Vorsorgeguthaben wurden in der Teilautonomie im Durchschnitt höher verzinst als in der Vollversicherung.»

Anton Dörrer, Seniorchef

Hat sich der Entscheid angesichts der heutigen Tiefzinssituation als vorausschauend entpuppt, so traf ihn Anton Dörrer damals weniger aus strategischen Gründen, wie er zugibt. «Ein Treuhänder hat uns damals beraten. Uns schien die Empfehlung sinnvoll, und wir haben den Vertrag mit der Winterthur unterzeichnet», sagt Dörrer senior. Bis heute ist die Dörrer AG in einer teilautonomen Lösung der AXA angeschlossen, die seit Anfang 2019 ihrerseits keine Vollversicherungen mehr anbietet und nur noch teilautonome Lösungen vertreibt.

Man habe den Entscheid nie bereut, sagt Martin Dörrer, der den Familienbetrieb seit 2012 zusammen mit seinem Cousin Felix Dörrer führt. «Auch nicht während der Finanzkrise 2008, als die Aktienkurse ins Bodenlose fielen. Die Vorsorgeguthaben unserer Angestellten wurden in der Teilautonomie im Durchschnitt höher verzinst. Das ist es, was zählt», resümiert Vater Anton Dörrer.

Starker Franken, teure Produktion

Die Wahl seines Vorsorgemodells hat den Familienbetrieb in den vergangenen Jahren allerdings nur am Rande beschäftigt. Wichtiger für das Unternehmen waren die Erhaltung der Arbeitsplätze und der Standort auf Zürcher Stadtboden. Starker Franken, teure Produktion, Konsolidierung in der Branche: Die Dörrer AG musste sich über die Jahre immer wieder den veränderten Rahmenbedingungen stellen. «Wir sind Lohnveredler für Grosskonzerne, die unter Kostendruck stehen», sagt Martin Dörrer. «Wenn die Teile anderswo auf der Welt günstiger gefertigt werden können, dann wandert das Geschäft ins Ausland ab.» Das führt des Öfteren zu harten Preisverhandlungen und Planungsunsicherheit.

Das sei Ende der 1960er-Jahre noch ganz anders gewesen, erzählt der Vater Anton Dörrer. «Damals gab es keine Preisverhandlungen. Wir konnten die Preise jährlich problemlos um 10 Prozent erhöhen», schmunzelt er. Die paradiesischen Zustände haben mit dem Eskalieren der Ölkrise von 1973 dann aber ein jähes Ende gefunden. Die Dörrer AG musste den Mitarbeiterbestand von damals 70 auf gut 30 reduzieren. Die Zahl der Angestellten ist bis heute zwar stabil geblieben. Doch das Umfeld bleibt herausfordernd.

Trotz garstigem Umfeld, starkem Franken und hohen Produktionskosten: Die Firma Dörrer AG behauptet sich dank innovativer Produkte und hoher Wertschöpfung, und das auf Stadtzürcher Boden. Es ist leider eine Rarität geworden.

 

Originaltext erschienen in «Meine Firma», dem KMU-Kundenmagazin der AXA. 

Meine Firma

Seit 85 Jahren galvanisiert, verchromt oder versilbert die Dörrer AG in Zürich-Wiedikon Metalle. Der Familienbetrieb produziert in dritter Generation vor allem für die Elektro-und Maschinenbauindustrie. Seit 2020 führen Martin Dörrer und sein Cousin Felix das Unternehmen mit 33 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 8 Millionen Franken. Das Unternehmen machte sich bald einen Namen als Pionier. Bereits 1946 nahm Dörrer das erste Glanznickelbad in Betrieb, ab 1968 konnte die Firma als eine der Ersten in der Schweiz die chemische Vernicklung anbieten.   

https://doerrer.ch 

  • Teaser Image
    Meine Firma - das KMU-Kundenmagazin der AXA

    Das Servicemagazin der AXA informiert Sie dreimal jährlich zu Themen, die Sie als Kleinunternehmer interessieren.

    ZUR AKTUELLEN AUSGABE

Verwandte Artikel

AXA & Sie

Kontakt Schaden melden Stellenangebote Medien Broker myAXA Garagen-Portal Kundenbewertungen Newsletter abonnieren

AXA weltweit

AXA weltweit

In Kontakt bleiben

DE FR IT EN Nutzungshinweise Datenschutz © {YEAR} AXA Versicherungen AG

Wir verwenden Cookies und Analyse Tools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internet-Seite zu verbessern und die Werbung von AXA und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutz