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Mitarbeiter und Vorsorge

Steigende Absenzen in KMU: Das zeigt die Arbeitsmarktstudie 2026

Absenzen stellen für Schweizer KMU eine wachsende Belastung dar – insbesondere aufgrund psychisch bedingter Personalausfälle. Das zeigen die Ergebnisse der AXA KMU-Arbeitsmarktstudie 2026. Wir erklären, was hinter dieser Entwicklung steckt und mit welchen Massnahmen Sie in Ihrem Betrieb gegensteuern können.

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Das Wichtigste in Kürze zu steigenden Absenzen in KMU

  • Im Fokus dieses Beitrags stehen insbesondere ungeplante Absenzen durch Krankheit, Unfall oder psychische Belastung. Sie sind für KMU schwer planbar und können erhebliche direkte und indirekte Kosten verursachen.
  • Besonders psychisch bedingte Absenzen haben zugenommen: Gut ein Drittel der KMU ist mittelmässig oder stark betroffen – ein Anstieg von rund 10 Prozentpunkten gegenüber 2023. Trotzdem gehen die Gegenmassnahmen zurück: Nur 14 Prozent der KMU bieten gezielte Programme zur Förderung der psychischen Gesundheit an (AXA KMU-Arbeitsmarktstudie 2026).
  • Wer die Ursachen von Absenzen systematisch analysiert und gezielt vorbeugt, kann Fehlzeiten reduzieren und die Gesundheit der Mitarbeitenden langfristig stärken.

Wie stark belasten steigende Absenzen Schweizer KMU? 

Steigende Absenzen machen KMU zu schaffen. 42 Prozent der befragten Unternehmen geben in der KMU-Arbeitsmarktstudie der AXA an, dass die Kosten für Personalausfälle in den letzten fünf Jahren gestiegen sind. Je grösser das Unternehmen, desto stärker ist dieser Effekt: Während 38 Prozent der kleinen KMU von gestiegenen Kosten aufgrund von Personalausfällen berichten, sind es bei den grossen KMU mit 62 Prozent fast zwei Drittel.

Psychisch bedingte Personalausfälle nehmen deutlich zu

Die häufigsten Ausfallgründe sind nach wie vor körperliche Erkrankungen und Unfälle. Auffällig ist jedoch, dass psychisch bedingte Absenzen zunehmen. Gut ein Drittel der KMU (35 Prozent) gibt an, mittelmässig oder stark von Ausfällen betroffen zu sein, die auf die mentale Verfassung der Mitarbeitenden zurückgehen. Gegenüber 2023 entspricht das einer Zunahme von rund 10 Prozentpunkten.

Der Trend zeigt klar: Steigende Absenzen sind kein Problem einzelner Betriebe, sondern eine strukturelle Herausforderung für den Schweizer KMU-Sektor.

Welche Kosten verursachen steigende Absenzen für Unternehmen?

Eine Absenz kostet ein Unternehmen weit mehr als den ausgefallenen Arbeitstag. Vier Kostendimensionen sind entscheidend:

  • Lohnfortzahlung: Unternehmen zahlen den Lohn weiterhin aus, während die Arbeitsleistung ausfällt. Je nach Dauer der Absenz und Versicherungslösung trägt der Betrieb einen Teil der Kosten selbst.
  • Ersatz- und Temporärkräfte: Kurzfristig eingesetzte Aushilfen sind oft teurer und benötigen Zeit für die Einarbeitung.
  • Produktivitätsverluste: Je nach Rolle der ausfallenden Person können sich Aufträge verzögern, Prozesse geraten ins Stocken und wichtiges Wissen fehlt. 
  • Zusätzliche Belastung des Teams: Die verbleibenden Mitarbeitenden übernehmen zusätzliche Aufgaben. Das erhöht das Risiko weiterer Ausfälle.

Mit der Zahl der Absenzen steigen sowohl die direkten als auch die indirekten Kosten. Um gezielt gegensteuern zu können, lohnt es sich, die Ursachen der Ausfälle genauer zu betrachten.

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Welche Ursachen stecken hinter psychischen Belastungen am Arbeitsplatz?

Als häufigste Ursache psychischer Belastungen am Arbeitsplatz nennen 46 Prozent der KMU private Belastungen der Mitarbeitenden. Das zeigt, wie eng persönliche Lebensumstände und die Situation am Arbeitsplatz miteinander verbunden sind.

Gleichzeitig entsteht ein nicht zu unterschätzender Teil der Belastung direkt im Betrieb. 36 Prozent der KMU nennen eine zu hohe Arbeitslast als wichtigen Faktor. Weitere Ursachen sind Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten, fehlende Wertschätzung und Unsicherheit in Bezug auf den eigenen Arbeitsplatz. Damit liegen vier der fünf meistgenannten Ursachen im direkten Einflussbereich der Arbeitgebenden– ein Hinweis darauf, dass Unternehmen mehr Einfluss auf psychisch bedingte Absenzen haben, als oft angenommen wird.

Eigenverantwortung als möglicher Puffer gegen psychisch bedingte Ausfälle

Die Zahlen legen es nahe: Eigenverantwortung wirkt. Unter den Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Handlungsspielraum geben, sind nur 27 Prozent mittelmässig oder stark von psychisch bedingten Ausfällen betroffen – gegenüber 43 Prozent dort, wo dieses Prinzip fehlt (AXA KMU-Arbeitsmarktstudie 2026).

Wie reagieren KMU auf Personalausfälle aufgrund psychischer Belastung?

Die folgende Tabelle zeigt, welcher Anteil der KMU in den Jahren 2023 und 2026 konkrete Massnahmen gegen psychisch bedingte Fehlzeiten eingesetzt hat.

Massnahme gegen psychisch bedingte Fehlzeiten 2023 2026

Schaffung einer angenehmen Arbeitsatmosphäre

41 % 36 %
Förderung einer offenen Kommunikations- und Feedbackkultur 35 % 28 %
Förderung einer ausgewogenen Work-Life-Balance 27 % 26 %
Mitarbeiterbefragungen 16 % 21 %
Förderung der physischen Gesundheit (Ernährung, Bewegung etc.) 13 % 14 %
Schulung der Vorgesetzten 12 % 11 %
Erhöhung des Versicherungsschutzes 8 % 7 %
Keine 23 % 25 %

Quelle: AXA KMU-Arbeitsmarktstudie 2026

Auffällig ist die Entwicklung: KMU setzen fünf der sieben Massnahmen gegen psychisch bedingte Ausfälle heute seltener ein als noch 2023. Gleichzeitig ist der Anteil der Betriebe gestiegen, die gar keine entsprechenden Massnahmen ergreifen. Für KMU, die jetzt aktiv werden, bietet sich deshalb eine Chance: Investitionen in die psychische Gesundheit können Ausfälle und Kosten reduzieren. Gleichzeitig stärken sie die Attraktivität als Arbeitgebende und schaffen einen Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte.

Welche Handlungsfelder zeigt die Arbeitsmarktstudie für KMU?

Aus den Studienergebnissen lassen sich vier zentrale Handlungsfelder für KMU ableiten. Sie setzen dort an, wo die befragten Unternehmen Ursachen für psychische Belastungen sehen und heute noch vergleichsweise wenig Gegenmassnahmen ergreifen.

1. Körperliche und psychische Gesundheit fördern

Bewegungsangebote, ergonomische Arbeitsplätze und gesunde Verpflegung unterstützen die körperliche Gesundheit der Mitarbeitenden. Ebenso wichtig sind leicht zugängliche Angebote für die psychische Gesundheit. Dazu gehören beispielsweise externe oder interne Beratungsstellen, Anlaufstellen bei hoher Belastung oder Beiträge zu den Kosten psychologischer Unterstützung.

2. Eine offene Kommunikations- und Feedbackkultur schaffen

Wer frühzeitig erkennt, dass einzelne Mitarbeitende oder ein ganzes Team überlastet sind, kann gegensteuern, bevor es zu längeren Ausfällen kommt. Regelmässige Einzelgespräche, kurze Team-Check-ins oder anonyme Mitarbeiterbefragungen lassen sich mit wenig Aufwand umsetzen und können wertvolle Erkenntnisse für Gegenmassnahmen liefern.

3. Führungskräfte sensibilisieren und schulen

Vorgesetzte nehmen Veränderungen im Verhalten oder in der Leistung ihrer Mitarbeitenden häufig als Erste wahr. Voraussetzung ist jedoch, dass sie Warnsignale erkennen und angemessen darauf reagieren können. Schulungen können ihnen vermitteln, wie sie belastende Situationen ansprechen, unterstützende Gespräche führen und Mitarbeitende nach einer längeren Absenz begleiten.

4. Arbeitsbedingungen und Work-Life-Balance verbessern

Wertschätzung, eine faire Arbeitsverteilung, planbare Arbeitszeiten und ausreichend Handlungsspielraum können Belastungen reduzieren. Auch flexible Arbeitsmodelle helfen Mitarbeitenden dabei, Beruf und Privatleben besser zu vereinbaren. 

Gut zu wissen: Einzelne Massnahmen können bereits etwas bewirken. Nachhaltiger ist ihre Wirkung jedoch, wenn Unternehmen sie nicht nur punktuell einsetzen, sondern langfristig planen, regelmässig überprüfen und bei Bedarf anpassen.

Steigende Absenzen systematisch angehen

Wer steigende Fehlzeiten früh erkennen und gezielt gegensteuern möchte, braucht einen systematischen Umgang mit Absenzen. Absenzenmanagement hilft Unternehmen dabei, Entwicklungen sichtbar zu machen, Ursachen besser zu verstehen und geeignete Massnahmen abzuleiten.

Wie Absenzenmanagement konkret funktioniert und wie Sie Fehlzeiten systematisch reduzieren können, erfahren Sie in unserem Blog zum Absenzenmanagement.

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Sind steigende Absenzen wirklich steuerbar?

Schweizer KMU können Fehlzeiten zu einem erheblichen Teil steuern. Zwar nehmen Absenzen und die damit verbundenen Kosten zu, während die Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeitenden stagnieren oder zurückgehen. Viele Ursachen psychisch bedingter Ausfälle liegen jedoch im direkten Einflussbereich des Arbeitgebers. 

Wer eine offene Feedbackkultur pflegt, Führungskräfte befähigt und Absenzen systematisch entgegenwirkt, senkt Ausfälle und Kosten – und stärkt gleichzeitig die eigene Arbeitgeberattraktivität.

Häufig gestellte Fragen rund um steigende Absenzen

Wie viele Tage fehlen Erwerbstätige in der Schweiz durchschnittlich?

Im Jahr 2025 fehlte eine vollzeitbeschäftigte Person in der Schweiz wegen Krankheit oder Unfall durchschnittlich 8,2 Tage. Vor der Corona-Pandemie waren es 2019 noch 7,2 Tage. Seither liegen die Absenzen auf einem höheren Niveau.

Wie viele Fehltage tatsächlich anfallen, unterscheidet sich je nach Branche deutlich. In der Informations- und Kommunikationsbranche waren es 2025 durchschnittlich rund sechs Tage pro Jahr, im Baugewerbe hingegen etwa zehn Tage (Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE), 2025).

Warum steigen die Krankheitstage in der Schweiz?

Eine Studie des Zürcher Amts für Wirtschaft nennt drei mögliche Erklärungen für die steigenden Krankheitstage:

  • Psychische Erkrankungen nehmen zu: Die Auswertungen zweier Krankentaggeldversicherer zeigen, dass es innerhalb von zehn Jahren rund 60 Prozent mehr Fälle mit psychischer Diagnose gab. Ein ähnliches Bild zeigt die KMU-Arbeitsmarktstudie der AXA: Gut ein Drittel der Schweizer KMU ist mittelmässig oder stark von psychisch bedingten Ausfällen betroffen – mehr als noch 2023.
  • Das Verhalten bei Krankheit hat sich verändert: Seit der Corona-Pandemie bleiben Erwerbstätige bei Beschwerden eher zu Hause, statt angeschlagen zur Arbeit zu gehen.
  • Die Erwerbsbevölkerung wird älter: Der Anteil der über 50-jährigen Erwerbstätigen ist seit 2000 von 25 auf 29 Prozent gestiegen. Gleichzeitig treten chronische Erkrankungen mit zunehmendem Alter häufiger auf. Ältere Erwerbstätige fehlen zwar seltener als jüngere, ihre Absenzen dauern jedoch im Durchschnitt länger.
Wie lange müssen Unternehmen im Krankheitsfall den Lohn fortzahlen?

Im ersten Dienstjahr besteht ein gesetzlicher Anspruch auf mindestens drei Wochen Lohnfortzahlung (Art. 324a OR). Danach verlängert sich diese Mindestdauer je nach Anzahl der Dienstjahre.

In der Praxis richtet sich die Lohnfortzahlung meist nach der Berner, Basler oder Zürcher Skala. Welche Skala gilt, hängt von der Gerichtspraxis des zuständigen Kantons ab. Nach der Berner Skala besteht im zweiten Dienstjahr beispielsweise ein Anspruch auf einen Monat Lohnfortzahlung, nach der Zürcher Skala sind es acht Wochen.

Wann lohnt sich eine Krankentaggeldversicherung für ein KMU?

Eine Krankentaggeldversicherung lohnt sich besonders dann, wenn Schlüsselpersonen länger ausfallen und die gesetzliche Lohnfortzahlung nicht ausreicht. Sie schützt Unternehmen vor den finanziellen Folgen längerer krankheitsbedingter Ausfälle und übernimmt in der Regel rund 80 Prozent des Lohns während bis zu zwei Jahren.

Gerade für kleine Unternehmen kann diese Absicherung wichtig sein. Fällt eine Schlüsselperson über längere Zeit aus, ist der gesetzliche Anspruch auf Lohnfortzahlung oft rasch ausgeschöpft. Die Krankentaggeldversicherung sichert den Lohn darüber hinaus ab und entlastet damit sowohl das Unternehmen als auch die betroffene Person.