Zwei Frauen besprechen einen Plan in der Fabrikhalle mit einem Industrieroboter

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Schweizer KMU: Vertrauen in Zukunft trotz steigender Kosten und anhaltendem Personalmangel

09.07.2026

Trotz handelspolitischer Turbulenzen, steigender Kosten und hartnäckigem Personalmangel zeigen sich Schweizer KMU erstaunlich zuversichtlich: 86 Prozent glauben, ihr Unternehmen wird in zehn Jahren noch existieren. Gleichzeitig offenbart die neuste KMU-Arbeitsmarktstudie der AXA einen bemerkenswerten Vertrauensverlust gegenüber den USA – sowohl als Wirtschaftsstandort als auch als Innovationsmotor.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Hohe Resilienz trotz Unsicherheit: 86 % der KMU glauben, ihr Unternehmen werde auch in zehn Jahren noch existieren – obwohl 43 % die wirtschaftliche Lage in ihrer Branche als unsicher beurteilen.
  • Kosten als zunehmender Stressfaktor: Für 65 % der KMU sind steigende Kosten der grösste wirtschaftliche Belastungsfaktor – weit vor Konkurrenzdruck (29 %) und abnehmender Kundenloyalität (26 %).
  • USA verlieren an Ansehen: Nur 31 % der KMU halten die USA noch für innovationsstark. China liegt mit 45 % deutlich höher, die Schweiz mit 63 % an der Spitze
  • Arbeitskräftemangel verschärft sich im Produktionssektor: Der Anteil der Produktionsbetriebe mit Rekrutierungsproblemen ist seit 2022 von 45 auf 65 % angestiegen – trotz gleichzeitig steigender Arbeitslosigkeit
  • Lehre statt Studium: 63 % der KMU empfehlen Schulabgängern eine Berufslehre. Ein Drittel der Betriebe will in den nächsten fünf Jahren weniger Akademikerinnen und Akademiker einstellen.
  • IT-Abhängigkeit erkannt, aber kaum gehandelt: 57 % der KMU machen sich Sorgen über ihre Abhängigkeit von (meist amerikanischen) IT-Lösungen – doch die grösste Gruppe hat trotz Bedenken noch nicht gehandelt.

 

Handelspolitische Verwerfungen, rasante Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz, ein angespannter Arbeitsmarkt und wachsende Abhängigkeiten von ausländischen Partnern – die Herausforderungen an Schweizer KMU sind vielfältig. Die Ergebnisse der diesjährigen KMU-Arbeitsmarktstudie zeigen denn auch, dass 43 Prozent der Unternehmen die wirtschaftliche Lage in ihrer Branche als unsicher beurteilen. Und dennoch: Beeindruckende 86 Prozent der KMU halten es für wahrscheinlich, dass ihr Unternehmen auch in zehn Jahren noch existieren wird. «Trotz der wachsenden Instabilität in der Weltwirtschaft, der internationalen Sicherheit und dem digitalen Wandel fühlen sich die KMU in ihrem Kern widerstandsfähig. Diese Resilienz deutet auch darauf hin, dass die Unternehmen grosses Vertrauen in die langfristige Stabilität des Schweizer Wirtschaftsstandortes haben, selbst wenn das unmittelbare Umfeld volatiler wird», sagt Reinhard Schmid, Leiter Unternehmenskunden bei der AXA Schweiz.

Steigende Kosten werden zum Belastungsfaktor

Zunehmende Sorgen bereiten den KMU mit Abstand am häufigsten die steigenden Kosten. 65 Prozent der befragten Unternehmen sehen diese als einen wachsenden wirtschaftlichen Belastungsfaktor. An zweiter Stelle nennen die Befragten den zunehmenden Konkurrenzdruck in der Schweiz (29 %), gefolgt von der abnehmenden Kundenloyalität (26 %). Unternehmen, die stark von Warenexporten oder -importen abhängen, stufen zudem einen zunehmenden Konkurrenzdruck aus dem Ausland (33 %), die Abhängigkeit von anderen Ländern (28 %) sowie Wechselkursrisiken (27 %) als besorgniserregend ein. 

Infografik, die zeigt, welche wirtschaftlichen Sorgen die KMU in den letzten zwei Jahren beschäftigt haben

Abbildung 1: Wirtschaftliche Sorgen der letzten zwei Jahre - nach Abhängigkeit vom Ausland

Mindestens drei Viertel der KMU haben in den letzten zwei Jahren proaktiv Massnahmen ergriffen, um gegen wirtschaftliche Schwankungen vorzusorgen: Besonders international vernetzte KMU setzen auf eine strategische Diversifizierung ihres Angebots (39 %), ihrer Absatzmärkte (26 %) und ihre Lieferketten (24 %), oder haben ihre Lagerhaltung (22 %) ausgebaut, um resilienter zu sein. Binnenorientierte Betriebe haben solche Massnahmen dagegen deutlich seltener ergriffen.  

Zölle treffen international vernetzte KMU am stärksten

Fragt man die KMU nach den bedeutendsten Umbrüchen, nennen die meisten die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (34 %), sowie die digitale Vernetzung und Infrastruktur (34 %). Für KMU, die stark von Warenexporten oder -importen abhängen, stehen jedoch die internationalen Umbrüche an erster Stelle: Vier von zehn der stark vom Ausland abhängigen Betriebe sehen in den US-Zöllen einen bedeutsamen Umbruch für ihre Geschäfte – ein Wert, der fast doppelt so hoch liegt wie bei Unternehmen mit geringer Auslandabhängigkeit (23 %). Auch die internationale Sicherheitslage bereitet einem guten Drittel der international vernetzten Unternehmen Sorge (35 %), während es bei den binnenorientierten KMU nur gut ein Viertel ist (27 %).

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten: KMU stufen ihr Geschäftsmodell als sicher ein

Trotz der tiefgreifenden Umbrüche stufen knapp zwei Drittel (65 %) der KMU ihr aktuelles Geschäftsmodell als sicher ein, 29 Prozent sind unsicher. Dabei spielt die Branche eine grosse Rolle. Während unter den Dienstleistern 30 Prozent der Unternehmen ihr Geschäftsmodell als gefährdet sehen, fällt die Einschätzung im produzierenden Gewerbe mit 23 Prozent optimistischer aus. Noch prägnanter ist der Unterschied hinsichtlich der internationalen Verflechtung. Vier von zehn KMU mit starker Auslandsbindung (38 %) sorgen sich derzeit um ihr Geschäftsmodell – bei den lokal verankerten Unternehmen teilen lediglich 26 Prozent diese Verunsicherung. «Die Sorge um das eigene Geschäftsmodell ist also dort am grössten, wo die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten oder Entscheidungsträgern am spürbarsten wird. Dass dennoch eine deutliche Mehrheit der Unternehmen ihr Modell als sicher einstuft, spricht für das Vertrauen der KMU in die eigene Anpassungsfähigkeit», erklärt Reinhard Schmid von der AXA.

Standorte Schweiz und China gewinnen, die USA verlieren

Verändern werden sich in den Augen der befragten KMU die globalen Kräfteverhältnisse. 44 Prozent erwarten, dass der Standort Schweiz in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung gewinnt, ebenso viele prognostizieren dies für China. Bei den USA gehen hingegen nur 19 Prozent von mehr Einfluss aus, während fast ein Drittel der KMU glaubt, dass sie an wirtschaftlicher Bedeutung verlieren werden. Noch deutlicher fällt das Urteil bei der Innovationskraft aus: Die Schweiz wird von 63 Prozent der befragten KMU als innovationsstark für die eigene Branche bewertet, China von 45 Prozent. Die USA fallen dagegen mit nur 31 Prozent stark ab. Die einstige Vorreiterrolle der USA scheint aus Schweizer KMU-Sicht ins Wanken geraten zu sein. «Ein Grund könnte darin liegen, dass hiesige KMU in Nischen tätig sind, in denen die USA grundsätzlich weniger innovationstreibend sind. Möglicherweise hat aber auch das Vertrauen in die Innovationskraft der USA unter den Turbulenzen der US-Politik der letzten Jahre gelitten», erklärt Michael Hermann, Geschäftsführer von Sotomo.

Infografik, die zeigt, welche Entwicklung für welchen Standort die KMU in den nächsten fünf Jahren erwarten

Abbildung 2: Wirtschaftliche Standortentwicklung

Internationale Abhängigkeiten bereiten vor allem in Bezug auf IT-Lösungen Sorgen

Eine Mehrheit der Betriebe (57 %) macht sich zudem Sorgen über die Abhängigkeit von IT-Lösungen, die in Schweizer KMU zum Einsatz kommen. Denn diese stammen zumeist aus den USA. Das Loslösen fällt jedoch schwer: Während 15 Prozent bereits auf europäische Alternativen umgestiegen sind und weitere 13 Prozent eine solche Umstellung planen, hat die grösste Gruppe (29 %) trotz bestehender Bedenken bisher noch keine Massnahmen ergriffen.

Arbeitskräftemangel weiterhin auf hohem Niveau

Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen treiben auch Personalsorgen die KMU weiterhin um. 41 Prozent der Betriebe nennen den Arbeitskräftemangel nach wie vor als die grösste Herausforderung. Jedoch öffnet sich zwischen den Sektoren eine Schere: Im produzierenden Gewerbe ist der Anteil der KMU mit Rekrutierungsproblemen seit 2022 von 45 auf 65 Prozent gestiegen, während er im Dienstleistungssektor stabil geblieben ist. Der Grund: In der Produktion fehlt es schlicht an Bewerbenden – die Hälfte der Betriebe erhält zu wenige oder gar keine Bewerbungen. Im Dienstleistungssektor mangelt es dagegen vor allem an den passenden Qualifikationen. «Offenbar leidet die Produktionsbranche nicht nur unter einem Fachkräfteproblem, sondern unter einen allgemeinen Arbeitskräftemangel», fasst Reinhard Schmid, Leiter Unternehmenskunden der AXA Schweiz, zusammen.

Mehr Arbeitslose aber nicht weniger Personalsorgen

Die Rekrutierungsprobleme sind umso bemerkenswerter, als dass die Arbeitslosenquote seit dem Tiefstand 2023 von 1,9 auf 3,1 Prozent gestiegen ist. Doch ungeachtet der wachsenden Zahl an Stellensuchenden empfindet weiterhin ein Drittel der KMU den Rekrutierungsprozess als zunehmend schwierig, während vier von zehn Unternehmen gar keine Veränderung wahrnehmen. Der Schweizer Arbeitsmarkt zeichnet also – zumindest aus Sicht der befragten KMU – ein Bild der zunehmenden Diskrepanzen. Trotz steigender Arbeitslosenzahlen bleibt die Suche nach passenden Arbeitskräften für eine Mehrheit der KMU eine Herkulesaufgabe.

Studium gilt nicht mehr als Jobgarant

Es stellt sich deshalb die Frage, ob sich Angebot und Nachfrage im Schweizer Arbeitsmarkt auseinander bewegen: Befragt man die Unternehmen nach den Bedürfnissen für ihre Belegschaft von morgen, setzen die KMU eher auf eine Lehre als auf die Uni: Ein Drittel der Betriebe will in den nächsten fünf Jahren eher weniger Akademikerinnen und Akademiker einstellen – demgegenüber planen lediglich 15 Prozent der befragten Unternehmen, mehr Hochschulabsolventen zu rekrutieren, 42 Prozent der Betriebe rechnen mit einer stabilen Entwicklung. Insgesamt erwarten KMU also einen stagnierenden bis hin zu rückläufigem Bedarf an Hochschulabsolventen, was dem allgemeinen Trend der Akademisierung zuwiderläuft. 

Infografik die zeigt, ob KMU in den nächsten fünf Jahren mehr oder weniger Akademikerinnen und Akademiker einstellen wollen.

Abbildung 3: Zukünftige Einstellung von Akademikerinnen und Akademikern

Ein absolviertes Studium ist heute kein Berufsgarant mehr – 63 Prozent der befragten KMU würden Schulabgängerinnen und -abgängern eher zu einer Berufslehre raten, um sich optimale Berufschancen zu sichern. Für gut zwei Drittel der KMU ist ein akademischer Titel auch keine Voraussetzung für eine Führungsposition in ihrem Unternehmen. Besonders ausgeprägt ist diese pragmatische Sichtweise im Produktionssektor mit 79 Prozent. «Vor dem Hintergrund der steigenden Studienabschlüsse stellt sich somit die Frage, ob sich in der Schweiz eine Kluft zwischen den Qualifikationen der Arbeitssuchenden und der betrieblichen Nachfrage öffnet», sagt Michael Hermann, Geschäftsführer von Sotomo. 

 

Über die Studie

Die Studienreihe AXA-KMU Arbeitsmarktstudie erlaubt vertiefte Einblicke in die Situation und Perspektiven kleiner und mittlerer Unternehmen in der Schweiz. Sie zeigt, mit welchen Herausforderungen KMU auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert sind und wie sie damit umgehen. Wie bereits in den Vorjahren wurde die Studie vom Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag der AXA realisiert. Die Studie basiert auf einer Onlinebefragung von 336 Schweizer KMU mit fünf und mehr Beschäftigten aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. Die Datenerhebung erfolgte zwischen dem 11. und 18. März 2026 über das Unternehmenspanel von AmPuls.

Über die AXA

Rund zwei Millionen Kundinnen und Kunden in der Schweiz vertrauen auf die Expertise der AXA in der Personen-, Sach-, Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Lebensversicherung sowie in der Gesundheits- und beruflichen Vorsorge. Mit innovativen Produkten und Dienstleistungen rund um Mobilität, Gesundheit, Vorsorge und Unternehmertum sowie einfachen, digitalen Prozessen steht die AXA ihren Kundinnen und Kunden als Partnerin zur Seite und ermutigt sie mit ihrem Markenversprechen «Know You Can», auch in herausfordernden Situationen an sich selbst zu glauben. Dafür setzen sich rund 4700 Mitarbeitende sowie 3100 Kolleginnen und Kollegen im Vertrieb persönlich ein. Mit über 340 Geschäftsstellen verfügt die AXA über das schweizweit grösste Vertriebsnetz in der Versicherungsbranche. Die AXA Schweiz gehört zur AXA Gruppe und erzielte 2025 ein Geschäftsvolumen von CHF 6,6 Mia.