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Mitarbeiter und Vorsorge

Sammelstiftung einfach erklärt

Jedes Unternehmen braucht eine berufliche Vorsorge für seine Mitarbeitenden. Unternehmerinnen und Unternehmer können dazu eine eigene Pensionskasse gründen – oder sich einer Sammelstiftung anschliessen.  Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.

Was ist eine Sammelstiftung? 

Eine Sammelstiftung ist eine rechtlich eigenständige Einrichtung der beruflichen Vorsorge (2. Säule). Firmen können sich einer Sammelstiftung anschliessen, um die berufliche Vorsorge gemäss Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) für ihre Mitarbeitenden durchzuführen. Durch diesen Zusammenschluss ergeben sich für alle angeschlossenen Unternehmen Synergien. Zum Beispiel dadurch, dass das Vorsorgevermögen der Versicherten aller Unternehmen gemeinsam angelegt wird. Auch werden die Fixkosten für die Verwaltung einer Pensionskasse auf mehrere Schultern verteilt.

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Warum gibt es überhaupt Sammelstiftungen?

Die Anfänge der beruflichen Vorsorge

Eine firmeneigene Pensionskasse war lange Zeit der Stolz vieler Betriebe. Denn wer die Pensionskasse selbstständig führt, kann auf alles direkt Einfluss nehmen. Daher dominierten bei der Einführung der beruflichen Vorsorge in der Schweiz zunächst firmeneigene Pensionskassen die Vorsorgelandschaft.

Die Pensionskassenlandschaft verändert sich

Die berufliche Vorsorge wurde mit der Zeit immer komplexer und es kamen laufend neue regulatorische Pflichten hinzu. Daher wurde es vor allem für kleinere und mittelgrosse Unternehmen schwieriger, mit internen Ressourcen zeitgemässe Vorsorgelösungen selbst durchzuführen. Zudem haben sich die Ansprüche der Versicherten an ihre Pensionskasse verändert.

Alternativen sind gefragt

Immer mehr Firmen entschieden sich deshalb dafür, sich einer Sammelstiftung anzuschliessen. Eine Sammelstiftung bietet Unternehmen die Möglichkeit, eine Pensionskasse zu führen, ohne diese selbst betreiben zu müssen.  Dabei gibt es auch bei Sammelstiftungen ein breites Spektrum an Lösungen, die ein unterschiedliches Mass an Eigenständigkeit und Mitbestimmung bieten.

Schon gewusst?

In der Schweiz gibt es heute mehr als 1000 firmeneigene Pensionskassen und rund 230 Sammelstiftungen. Für eine Sammelstiftungslösung entscheiden sich aktuell rund 98 Prozent der Schweizer Unternehmen – vor allem KMU, da das Führen einer firmeneigenen Pensionskasse für sie zu aufwändig und teuer wäre.

Welche Vorteile hat eine Sammelstiftung?

Durch die Grösse einer Sammelstiftungslösung können einerseits die Risiken Tod und Invalidität, andererseits die Verwaltungskosten breiter verteilt werden. Zudem bietet eine Sammelstiftung den angeschlossenen Unternehmen

  • grosse Flexibilität bei der der Ausgestaltung der Vorsorgepläne,
  • eine professionelle Vermögensverwaltung mit breitem Marktzugang zu attraktiven Anlageklassen,
  • Beratungsdienstleistungen für Arbeitgebende und Versicherte,
  • zeitgemässe Onlinetools zur Verwaltung der beruflichen Vorsorge für Arbeitgebende und Versicherte und
  • attraktive Zusatzservices wie Lohnnebenleistungen.

Auch bei einem Sammelstiftungsanschluss behalten die Firmen viel Autonomie: Sie definieren beispielsweise die für sie geltenden Vorsorgepläne selbst – und profitieren gleichzeitig von tieferen Gesamtkosten, einem ganzheitlichen Case-Management-Ansatz sowie digitalen Zusatzservices.

Welche Vorsorgemodelle gibt es bei Sammelstiftungen?

Bei den Sammelstiftungen gibt es grundsätzlich zwei Vorsorgemodelle: das Vollversicherungsmodell und die teilautonome Sammelstiftungslösung.

Eine Infografik zeigt drei Varianten von Pensionskassenlösungen für Unternehmen, darunter Vollversicherungsmodell, teilautonome Sammelstiftungslösung und firmeneigene Pensionskasse.

Am Schweizer Pensionskassenmarkt gibt es nur noch eine Handvoll Anbieterinnen und Anbieter von Vollversicherungslösungen – der Trend geht zur Teilautonomie. Deshalb konzentrieren wir uns hier auf die teilautonomen Sammelstiftungen. In unserem Blogartikel zum Vergleich von teilautonomer Pensionskasse und Vollversicherung erfahren Sie mehr zu den beiden Vorsorgemodellen und erhalten einen Überblick über deren Vor- und Nachteile.

Wie funktioniert eine Sammelstiftung?

Um zu verstehen, wie eine Sammelstiftung funktioniert, muss man wissen, welche Organe es gibt und welche Aufgaben diese haben. Das oberste Organ einer Sammelstiftung ist der Stiftungsrat. Er setzt sich aus Mitarbeitenden und Arbeitgebenden der angeschlossenen Firmen zusammen und wird regelmässig neu gewählt. Der Stiftungsrat entscheidet, welche Risiken die Stiftung selbst trägt und welche von einer Versicherung rückversichert werden. Er wählt die Geschäftsführung, die Vermögensverwaltung und weitere Organe. Er bestimmt auch die Anlagestrategie, nach der das Vorsorgevermögen angelegt wird. Die Stiftung ist der kantonalen Stiftungsaufsicht unterstellt.

Eine Sammelstiftung führt für jedes angeschlossene Unternehmen ein eigenes Vorsorgewerk. Jedes Vorsorgewerk ist verpflichtet, eine Personalvorsorgekommission (PVK) zu wählen. Diese setzt sich aus gleich vielen Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitnehmenden und der Arbeitgebenden des Unternehmens zusammen. Die PVK erlässt den für die im Vorsorgewerk versicherten Personen massgebenden Vorsorgeplan. Dieser definiert die Beiträge und die Vorsorgeleistungen für das Alter, im Todesfall und bei Invalidität. Die Firma zieht die fälligen Beiträge der Arbeitnehmenden jeweils vom Lohn ab und überweist sie zusammen mit den eigenen Arbeitgeberbeiträgen an die Sammelstiftung.

Diagramm der Organisation einer teilautonomen Sammelstiftung mit den Rollen von Stiftung, Vorsorgewerken, Firmen und Versicherungsgesellschaft.

Die Organe einer Sammelstiftung im Überblick

Der Stiftungsrat

  • ist oberstes Entscheidungsgremium,
  • bestimmt die Anlagestrategie, die strategischen Ziele und die Grundsätze der Stiftung,
  • legt die Organisation der Stiftung fest,
  • wird von den Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden aller angeschlossenen Unternehmen gewählt und
  • setzt sich zu gleichen Teilen aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretenden zusammen.

Die Geschäftsführung liegt häufig bei einem spezialisierten Dienstleistungsunternehmen oder einer Versicherungsgesellschaft und haftet gegenüber der Stiftung.

Die Vermögensverwalterin bzw. der Vermögensverwalter wird vom Stiftungsrat gewählt und ist zuständig für die Umsetzung der Anlagestrategie.

Die Personalvorsorgekommission erlässt und ändert den Vorsorgeplan des Vorsorgewerks und entscheidet über die Finanzierung des Vorsorgewerks.

Die Versicherung ist zuständig für die Rückversicherung von Invalidität und Tod.

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Wie finde ich die richtige Sammelstiftung?

Bei der Wahl einer Sammelstiftung zählt nicht nur, ob die Rahmenbedingungen zu Ihrem Unternehmen passen, sondern auch die finanzielle Stabilität der Pensionskasse. Unternehmerinnen und Unternehmer können verschiedene Sammelstiftungslösungen anhand der wichtigsten Kennzahlen vergleichen und daraus ableiten,

  • wie die jeweilige Sammelstiftung mit den Beiträgen der Versicherten wirtschaftet und
  • ob sie ihren Verpflichtungen nachkommen kann.

Welche Kennzahlen sind bei einer Sammelstiftung relevant?

Ein Blick auf die wichtigsten Kennzahlen zeigt, wie eine Sammelstiftung mit den Beiträgen der Versicherten wirtschaftet und wie solide sie finanziell aufgestellt ist.

Deckungsgrad: Gibt Auskunft über das Verhältnis von Vermögen und Verpflichtungen der Stiftung. Er stellt allerdings nur eine vereinfachte Momentaufnahme dar und ermöglicht keine umfassende Einschätzung der strukturellen Leistungs- und Risikofähigkeit einer Sammelstiftung.

Performance: Informiert über die erwirtschafteten Gewinne. Ein gutes Börsenjahr allein sagt allerdings wenig aus. Daher gibt ein mehrjähriger Betrachtungszeitraum bessere Auskunft über die nachhaltige Entwicklung der mit der gewählten Anlagestrategie erzielten Performance.

Verzinsung: Hat einen massgeblichen Einfluss auf die Höhe der zu erwartenden Altersleistungen. Eine im Marktvergleich langfristig nachhaltige Durchschnittsverzinsung ist einer der wichtigsten Bausteine einer guten Vorsorgelösung.

Grösse und Struktur:  Entscheidend sind vor allem das Verhältnis von aktiv Versicherten zu Pensionierten sowie das Durchschnittsalter der Versicherten. Hier gilt grundsätzlich: Je mehr aktiv Versicherte auf Rentenbezügerinnen und Rentenbezüger kommen und je tiefer das Durchschnittsalter der Versicherten, desto besser.

Tipp: Alle wichtigen Kennzahlen finden Sie im Jahresbericht (auf der Website der jeweiligen Pensionskasse publiziert oder auf Anfrage erhältlich). Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag zu den Kriterien einer guten Pensionskasse.