Management und Finanzen

Lebenswerk bewahrt

Bild: Daniel Winkler
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Jedes siebte KMU braucht innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Nachfolgelösung, denn die Babyboomer kommen ins Pensionsalter. Bei der Hatt Montagen AG ist die Übergabe an die nächste Generation gelungen – dank einer frühzeitigen und sorgfältigen Planung.

Das Gründerehepaar Jacqueline Meier, vormals Hatt, und Rolf Hatt war Mitte 50, als es sich mit Nachfolgeplanung für die Hatt Montagen AG zu beschäftigen begann. Nach der Gründung im Jahr 1990 hatten sie die Firma gemeinsam aufgebaut und sie nach und nach zu einem spezialisierten Anbieter im Rohrleitungs-, Anlage- und Kraftwerksbau entwickelt. «Wir haben über drei Jahrzehnte hinweg so viel für das Unternehmen geleistet, es ist wie unser Baby. Für uns war klar, dass es auch ohne uns weitergehen soll», sagt die Unternehmerin.

Gemäss aktueller Studie des Wirtschaftsinformationsdienstes Bisnode D&B stehen in der Schweiz mindestens 75’000 kleine und mittlere Unternehmen – in etwa jedes siebte KMU – vor der Übergabe an die nächste Generation, weil die Führungspersonen aus der Babyboomer-Generation über 60 Jahre alt sind. Volkswirtschaftlich kommt einem reibungslosen Übergang eine immens wichtige Rolle zu – denn misslingen Nachfolgeregelungen, drohen Verlust von Know-how, Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen. Für Inhaberinnen und Inhaber bedeutet die Liquidation des eigenen Unternehmens zudem meist einen herben emotionalen und finanziellen Verlust. Dennoch, viele kümmern sich gar nicht oder sehr spät um eine Nachfolgelösung.

Oft muss ein Plan B her

Bei der Hatt AG war das zum Glück nicht der Fall. Das Gründerpaar zog frühzeitig Stephan Illi von der Consulta AG Wirtschafts- und Unternehmensberatung bei. Das Unternehmen hat sich auf Nachfolgeplanungen bei KMU spezialisiert und begleitet jährlich 20 bis 30 Unternehmerinnen und Unternehmer in dem Prozess. Bei der Hatt Montagen AG fand Illi eine gute Ausgangslage vor. «Er machte uns von Anfang an Mut, dass wir eine gute Lösung finden würden», erzählt Jacqueline Meier. Dies, nachdem klar geworden war, dass keines der Kinder die Firma übernehmen wollte. Das ist kein Einzelfall: Nur bei vier von zehn KMU findet sich heutzutage ein Nachfolger innerhalb der Familie.

Also musste für die Hatt Montagen AG ein Plan B her – einen externen Käufer finden. Dafür organisierte die Consulta eine umfassende Standortbestimmung, die alle relevanten Themen umfasste: von Versicherung und Vorsorge über steuerliche und rechtliche Aspekte bis hin zur aktiven Suche nach geeigneten Käufern. Auch eine Anzeige in einem Branchenmagazin gehörte dazu – welche prompt Jan Wicki und Manuel Blatter zu Gesicht bekamen. Und die waren interessiert. 

«Wir konnten nicht einfach den Schlüssel übergeben, das wussten alle von Anfang an.»

Jacqueline Meier

Die beiden führen als Zweimannbetrieb seit zehn Jahren gemeinsam ein Unternehmen, das ebenfalls im Rohrleitungsbau tätig ist. «Mit einer Übernahme könnten wir neue Geschäftsfelder erschliessen», beschreibt Jan Wicki ihre Motivation. Manuel Blatter, sein ehemaliger «Oberstift», ergänzt: «Ich habe gemerkt, dass ich rein physisch nicht so weitermachen kann bis 65.» Denn in ihrer kleinen Firma erledigt er die körperlich anspruchsvollen Schweissarbeiten ganz allein.

Dreijährige Übergangsphase geplant

Aus ihrer Liste möglicher Käufer wählten Jacqueline Meier und Rolf Hatt die beiden schliesslich als die geeignetsten aus. «Sie brachten die nötige Erfahrung mit, und wir hatten ein gutes Gefühl mit ihnen», so Rolf Hatt. Und so kam nach reiflicher Überlegung – «schliesslich ist das nicht wie ein Paar Schuhe kaufen», wie Manuel Blatter es ausdrückt – der Verkauf im Frühling 2020 zustande. Manuel Blatter und Jan Wicki sind seither die Eigentümer der Hatt Montagen AG, Rolf Hatt und Jacqueline Meier ihre Angestellten. Doch zu Ende ist die Übergabephase damit noch nicht.

«Wir konnten nicht einfach den Schlüssel übergeben, das wussten alle von Anfang an», sagt Jacqueline Meier. Sie und ihr Ex-Mann bringen 30 Jahre Erfahrung mit, verfügen über Know-how in sehr komplexen und spezifischen Bereichen und kennen viele Kunden persönlich. Etwa drei Jahre wollen sie sich deshalb Zeit nehmen für eine schrittweise Übergabe an ihre Nachfolger. Ab nächstem Jahr wollen beide ihr Pensum schrittweise reduzieren. 

«Es war ein rechtes Stück Arbeit», sagt Rolf Hatt rückblickend, wenn er an die Nachfolgeplanung denkt. Der Prozess hat ihn und Jacqueline Meier Zeit, Energie und Geld gekostet. Doch die beiden sind erleichtert, für ihr Unternehmen nun eine gute Lösung gefunden – und damit das Fortbestehen ihres Lebenswerks fürs Erste gesichert – zu haben.

Originaltext erschienen in Meine Firma, dem KMU-Kundenmagazin der AXA.

 

Meine Firma

Die Hatt Montagen AG mit Sitz in Brugg AG wurde 1990 gegründet und ist international im Rohrleitungs-, Anlage- und Kraftwerksbau tätig. Besonders stolz ist sie auf ihr grosses Know-how, auf die Kundenorientierung, die schnellen Reaktionszeiten und die Schweisstechnik auf hohem Niveau. Mit den neuen Inhabern sind total 12 Mitarbeitende für die Kunden da.     

hatt-montagen.ch

 

Drei Fragen an …

… Stephan Illi, CEO und Präsident des Verwaltungsrats der Wirtschafts- und Unternehmensberatung Consulta AG. www.consulta.swiss

Stephan Illi, wie regeln KMU in der Schweiz aktuell ihre Nachfolge?

Pro Jahr wechseln heute etwa 10’000 KMU den Besitzer. 30 Prozent regeln ihre Nachfolge gar nicht, die meisten davon werden nach dem Weggang der Eigentümerinnen und Eigentümer liquidiert. Von den verbleibenden KMU bleiben rund 40 Prozent innerhalb der Familie, und je etwa 30 Prozent werden an einen Geschäftsführer und an Dritte verkauft.

Was muss ich beachten, wenn ich eine Nachfolge suche?

Am wichtigsten ist: Fangen Sie früh genug an, idealerweise etwa fünf Jahre vor Ihrer geplanten Pensionierung. So können Sie noch wichtige strategische Entscheidungen treffen und haben genügend Zeit, geeignete Nachfolger zu suchen. Wenn Sie zu spät anfangen, geht das je nachdem zu Lasten des Preises oder anderer Dinge, die Ihnen wichtig sind.

Kann ich alles selber machen?

In manchen Fällen stehen Nachfolger bereits frühzeitig fest, beispielsweise, wenn eine Übergabe innerhalb der Familie geplant ist. Dann fällt die Suche schon mal weg. Dennoch bleibt die Nachfolgeplanung ein grosses Projekt, Sie sollten den Aufwand nicht unterschätzen. Eine Übersicht ganz zu Beginn über alle Themen, die Sie angehen sollten, gibt Ihnen die nötige Ruhe, um in das komplexe Projekt einzusteigen. Für gewisse Themen ist professionelle Hilfe sehr empfehlenswert, beispielsweise bei der Trennung von Geschäfts- und Privatvermögen, steuerlichen oder rechtlichen Aspekten. Bei der Consulta bieten wir das alles aus einer Hand.

 

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