Management und Finanzen

Liquiditätsplanung: Die grundlegende Finanzprognose für jedes Unternehmen

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Die Liquiditätsplanung ist ein essenzieller Bestandteil des Finanzmanagements für Unternehmen. Sie bildet das Fundament für eine solide finanzielle Lage und trägt dazu bei, finanzielle Stabilität und Wachstum zu gewährleisten.

Unternehmen in der Schweiz, gleich welcher Grösse oder Branche, sehen sich täglich einer Vielzahl von finanziellen Herausforderungen gegenüber. Von der Bezahlung der Löhne und Lieferantenrechnungen bis zur Bewältigung unvorhergesehener Ausgaben – die Führung eines erfolgreichen Unternehmens erfordert eine sorgfältige Finanzplanung. Hier kommt die Liquiditätsplanung als Teil des Businessplans ins Spiel. 

Der Liquiditätsplan – Navigieren durch die finanzielle Zukunft

Ein Liquiditätsplan, oft auch als Cashflow-Prognose oder Liquiditätsvorschau bezeichnet, ist ein strategisches Werkzeug im Finanzmanagement eines Unternehmens. Er ist eine strukturierte Vorhersage, bei der ermittelt wird, wie sich die Liquidität eines Unternehmens in der Zukunft entwickeln wird. Die Prognose verbindet einen Einnahmen- und Ausgabenplan und bietet eine Roadmap für das Unternehmen, um sicherzustellen, dass es zu jedem Zeitpunkt über ausreichend finanzielle Mittel verfügt.

Die Rolle der Liquiditätsplanung im Finanzmanagement eines Unternehmens

Die Liquiditätsplanung übernimmt nicht nur die Funktion einer Prognose, sie dient auch zur stetigen Überprüfung der aktuellen finanziellen Situation des Unternehmens. Konkret erfüllt sie folgende Aufgaben: 

  • Frühwarnsystem: Ein Liquiditätsplan dient als Frühwarnsystem für finanzielle Herausforderungen. Er ermöglicht es, Engpässe zu identifizieren, bevor sie auftreten, sodass Unternehmen rechtzeitig Massnahmen ergreifen können.
  • Finanzmanagement: Durch die Planung und Steuerung von Ein- und Ausgaben optimiert ein Unternehmen seine finanzielle Gesundheit. Dies ermöglicht eine effizientere Verwendung von Mitteln und minimiert die Gefahr von Liquiditätsengpässen.
  • Investitionsentscheidungen: Bei der Planung von Investitionen ist ein Liquiditätsplan unerlässlich. Er hilft bei der Beurteilung, wie viel Kapital für neue Projekte oder Expansionen zur Verfügung steht, ohne die laufenden Verpflichtungen zu gefährden.

Warum eine Liquiditätsplanung unverzichtbar ist

  • Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit: Liquidität ist die Fähigkeit eines Unternehmens, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten fristgerecht zu begleichen. Eine effektive Liquiditätsplanung gewährleistet, dass zu jedem Zeitpunkt ausreichend Mittel vorhanden sind, um Rechnungen zu bezahlen und finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen. Dies hilft, Zahlungsausfälle zu vermeiden und das Vertrauen von Lieferanten und Geschäftspartnerinnen aufrechtzuerhalten.
  • Krisenbewältigung: Unvorhergesehene Ereignisse wie wirtschaftliche Abschwünge oder unerwartete Ausgaben können Unternehmen stark belasten. Eine gut durchdachte Liquiditätsplanung ermöglicht es Unternehmen, Krisen zu bewältigen, ohne ihre langfristige finanzielle Gesundheit zu gefährden. Sie schafft einen Puffer, der in turbulenten Zeiten von unschätzbarem Wert ist.
  • Wachstumsfinanzierung: Unternehmen, die wachsen möchten, benötigen Kapital. Die Liquiditätsplanung hilft dabei, den Kapitalbedarf für zukünftige Investitionen und Expansionen zu ermitteln. Sie zeigt auf, wann und wie viel Kapital benötigt wird, um Wachstumschancen zu nutzen, sei es durch Expansion, Produktentwicklung oder Markteintritt.
  • Vertrauen von Investorinnen und Kreditgebern: Sowohl Investorinnen als auch Kreditgeber schauen genau auf die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens. Eine fundierte Liquiditätsplanung signalisiert ihnen, dass das Unternehmen seine Finanzen im Griff hat und in der Lage ist, ihre Investitionen oder Darlehen zurückzuzahlen. Dies erleichtert den Zugang zu Kapital und Partnerschaften.

Liquidität ersten, zweiten und dritten Grades

Die Liquidität eines Unternehmens ist keineswegs einheitlich. Sie kann in verschiedene Grade unterteilt werden, die unterschiedliche Aspekte der finanziellen Stabilität eines Unternehmens widerspiegeln. Letztlich sind diese Liquiditätsmittel zwar unterschiedlich schnell verfügbar, aber nicht dafür gedacht, einen Puffer für Unvorhergesehenes darzustellen. Sie sind fester Teil einer gut durchdachten Liquiditätsplanung.

  1. Liquidität ersten Grades – Bargeld und sofort verfügbare Mittel
    Die Liquidität ersten Grades ist die höchste Stufe der finanziellen Liquidität. Sie umfasst Bargeld und sofort verfügbare Mittel, die innerhalb von Sekunden oder Stunden in Bargeld umgewandelt werden können und damit die kurzfristige Liquiditätsplanung erleichtern. Dazu gehören beispielsweise Kassenbestände und Guthaben auf Geschäftsbankkonten. 
  2. Liquidität zweiten Grades – Forderungen
    Die Liquidität zweiten Grades umfasst auch die Vermögenswerte, die zwar nicht sofort verfügbar sind wie Bargeld, aber dennoch relativ leicht in Bargeld umgewandelt werden können. Dazu gehören beispielsweise Wertpapiere oder Forderungen aus Verkäufen. Gegebenenfalls können liquide Mittel ersten Grades damit aufgestockt werden, um kurzfristige Verbindlichkeiten abzudecken.
  3. Liquidität dritten Grades – Vorräte
    Die Liquidität dritten Grades bezieht sich auf Vermögenswerte, die vor allem Vorräte, noch nicht fertig produzierte Ware und andere Bestände umfassen.

Letztlich sind immer die Vermögenswerte zu den Verbindlichkeiten ins Verhältnis zu setzen. Hier unterscheidet man grob zwischen kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten.

  • Kurzfristige Verbindlichkeiten: Damit sind in der Regel Verbindlichkeiten gemeint, die innerhalb eines Jahres fällig werden. Dazu zählen also auch die regelmässigen Verbindlichkeiten im Sinne von Lohnzahlungen, Steuern etc.
  • Langfristige Verbindlichkeiten: Langfristige Verbindlichkeiten beschreiben demnach Verbindlichkeiten, die über mehr als ein Jahr zurückgezahlt werden. Ein klassisches Beispiel sind Hypotheken.

So ergibt sich eine Rechnung mit einem Liquiditätswert als Ergebnis. Ein Wert von 100 Prozent bedeutet, dass alle Verbindlichkeiten mit den zur Verfügung stehenden Mitteln beglichen werden können.

Tabelle oder Software: Was eignet sich für Unternehmen zur Liquiditätsplanung?

Die Liquiditätsplanung kann zum Beispiel in einer Tabelle stattfinden oder mithilfe spezialisierter Software noch schneller von der Hand gehen. Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile, und die Auswahl hängt oft von den individuellen Anforderungen und Ressourcen des Unternehmens ab.

Tabellen: Die altbewährte Methode

Vorteile:

  • Weit verbreitet: Tabellen sind weit verbreitet und gut bekannt. Die meisten Mitarbeitenden können damit umgehen, was die Einführung erleichtert.
  • Flexibilität: Tabellen ermöglichen es, massgeschneiderte Modelle und Formeln zu erstellen, die den spezifischen Anforderungen eines Unternehmens entsprechen.
  • Kosten: In vielen Fällen ist ein Tabellentool kostengünstiger, da es bereits auf den meisten Computern vorhanden ist.

Nachteile:

  • Manueller Aufwand: Die Pflege und Aktualisierung von Tabellen erfordern oft viel manuellen Aufwand, was eine gewisse Fehleranfälligkeit und Ineffizienz mit sich bringt.

Spezialisierte Software: Die moderne Lösung

Vorteile:

  • Automatisierung: Spezialisierte Software automatisiert viele Aufgaben und reduziert den manuellen Aufwand erheblich.
  • Zusammenarbeit: Die Software ermöglicht eine nahtlose Zusammenarbeit und den Datenaustausch zwischen verschiedenen Abteilungen und Teammitgliedern.
  • Fortgeschrittene Funktionen: Die Software bietet oft fortgeschrittene Funktionen für Datenanalyse und Prognosen.

Nachteile:

  • Kosten: Spezialisierte Software ist oftmals kostenintensiv, sowohl in Bezug auf Lizenzgebühren als auch beim Schulungsbedarf.
  • Einarbeitung: Die Einführung erfordert möglicherweise Schulungen und Zeit, um sich mit der Software vertraut zu machen.
  • Abhängigkeit von Anbietern: Unternehmen sind von einem Softwareanbieter abhängig, was Risiken in Bezug auf Wartung und Support mit sich bringt.

Eine Liquiditätsplanung erstellen, ohne die Umsätze der nächsten Monate zu kennen – geht das?

Die Erstellung einer präzisen Liquiditätsplanung kann eine Herausforderung darstellen, insbesondere wenn die Umsätze der nächsten Monate noch unbekannt sind. Dennoch gibt es bewährte Strategien und Methoden, die Unternehmen helfen, sich auf unvorhersehbare Ereignisse vorzubereiten und ihre finanzielle Stabilität zu wahren.

  1. Konservative Schätzungen nutzen: In Zeiten der Unsicherheit ist es ratsam, konservative Schätzungen für Einnahmen und Ausgaben zu verwenden. Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Einnahmen eher niedriger und Ihre Ausgaben eher höher schätzen, um einen Puffer für unerwartete Schwierigkeiten zu schaffen.
  2. Szenarioanalysen durchführen: Erstellen Sie verschiedene Szenarien basierend auf unterschiedlichen Umsatzprognosen und externen Einflüssen. So sind Sie vorbereitet, egal in welche Richtung sich die Dinge entwickeln. 
  3. Kostenkontrolle: Überprüfen Sie Ihre laufenden Ausgaben kritisch und identifizieren Sie Bereiche, in denen Einsparungen möglich sind. Die Reduzierung unnötiger Kosten trägt dazu bei, Liquidität freizusetzen.
  4. Liquiditätsreserven aufbauen: Es ist immer ratsam, eine gewisse Menge an Liquiditätsreserven zu halten, die zur Bewältigung unvorhergesehener Situationen genutzt werden können. Liquiditätsreserven können beispielsweise durch kurzfristige Investitionen oder nicht genutzte Kreditlinien aufgebaut werden.
  5. Enges Forderungsmanagement: Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre offenen Forderungen aktiv verfolgen und schnelle Zahlungen einfordern. Dies erhöht Ihre Liquidität und reduziert das Risiko von Zahlungsverzögerungen.
  6. Kommunikation und Planung: Eine offene Kommunikation mit relevanten Partnern wie Lieferanten und Finanzinstituten ist entscheidend. Planen Sie im Voraus, wie Sie auf finanzielle Herausforderungen reagieren.
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Was gehört in die Liquiditätsplanung?

Zahlungseingänge:

  1. Umsatzerlöse: Dies sind die Einnahmen aus dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen. Sie bilden normalerweise den Hauptteil der Zahlungseingänge.
  2. Zinseinnahmen: Wenn das Unternehmen Zinseinnahmen aus kurzfristigen Anlagen oder Darlehen erhält, werden diese hier erfasst.
  3. Dividendeneinnahmen: Wenn das Unternehmen Dividendeneinnahmen aus Investitionen in andere Unternehmen erhält, werden diese in dieser Kategorie erfasst.
  4. Kapitalerhöhungen: Wenn das Unternehmen zusätzliches Kapital von Investoren oder Eigentümerinnen erhält, fliessen diese Mittel ebenfalls in die Liquidität.

Zahlungsausgänge:

  1. Betriebsausgaben: Hierzu gehören Löhne, Mieten, Versorgungsleistungen, Rohstoffkosten, Marketing- und Vertriebskosten sowie andere laufende Geschäftsausgaben.
  2. Steuern: Dies umfasst die geschätzten Steuerzahlungen, einschliesslich Einkommenssteuern, Mehrwertsteuer und anderer Steuern.
  3. Sozialversicherungsbeiträge: Die Beiträge zur Sozialversicherung werden hier aufgeführt.
  4. Kreditrückzahlungen: Wenn das Unternehmen Kredite aufgenommen hat, werden hier die Rückzahlungen aufgeführt.
  5. Investitionsausgaben: Die Ausgaben für neue Anlagen, Ausrüstungen oder Projekte, die nicht dem laufenden Betrieb dienen, werden hier erfasst.
  6. Dividendenzahlungen: Wenn das Unternehmen Dividenden an seine Eigentümer oder Aktionärinnen zahlt, werden diese Ausgaben ebenfalls berücksichtigt.

Was passiert, wenn Finanz- und Liquiditätsplanung fehlen?

Zwischen Kapitalbedarf, Privateinlagen, Fremdkapital, Bilanzregeln und Zahlungsströmen ist es umso wichtiger, die eigene Liquidität zu jeder Zeit im Blick zu haben. Ohne eine solide Finanz- und Liquiditätsplanung geraten Unternehmen leicht in Zahlungsschwierigkeiten bei Löhnen, Lieferantenrechnungen und Kreditverpflichtungen. Ausserdem führen Versäumnisse bei der Zahlung von Verbindlichkeiten zum Vertrauensverlust bei Lieferanten, Kundinnen und Kunden sowie Investorinnen, was langfristige Beziehungen gefährdet. 

Im schlimmsten Fall führen diese Zahlungsschwierigkeiten und Vertrauensverluste zum Konkurs. Und damit sind nochmals eine ganze Reihe an Konsequenzen verbunden. 

  • Eingezahlte Vermögenswerte (Stammanteile oder Aktien) werden zur Konkursmasse und gehen damit verloren. Wer ein Einzelunternehmen führt, muss sogar mit dem privaten Vermögen haften.
  • Gläubiger – also andere Unternehmen, Lieferanten etc. – sind von Ihrem Konkurs betroffen, wenn Sie Rechnungen nicht mehr bezahlen können und können ihrerseits in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
  • Die private Reputation leidet. Schliesslich lässt sich bei einer GmbH und bei einem Einzelunternehmen die Inhaberin oder der Inhaber öffentlich einsehen. Wer später einen neuerlichen unternehmerischen Anlauf nimmt, hat unter Umständen Schwierigkeiten, die nötigen finanziellen Mittel aufzutreiben, weil die Kreditwürdigkeit gelitten hat. 

Damit Sie wirtschaftlich stabil aufgestellt sind und das Risiko eines Konkurses minimieren, hilft Ihnen die AXA. So können Sie Liquiditätsworkshops besuchen, Teil von Start-up-Netzwerken werden oder Versicherungen abschliessen, die Sie vor unerwarteten Schadenersatzansprüchen bewahren.

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