Unsere KMU

Auf der Digitalisierungswelle mitreiten

Bild: Dan Cermak
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Nach wie vor haben viele Schweizer KMU keine klare Strategie, wie sie die Digitalisierung für ihr Geschäft nutzen können. Doch dranbleiben lohnt sich. 

Die Welt wird überrollt von einer digitalen Innovationslawine. Google, Amazon, Alibaba, Apple und Co. heissen die Protagonisten, welche die Industrie 4.0 prägen und den Fortschritt mit immer neuen Technologien vor sich herpeitschen. Multinationale Konzerne stocken ihre Personalbestände mit ganzen Teams von ICT-Cracks auf, um im «digital race» die Tuchfühlung zur Spitze nicht zu verlieren. Millionenbudgets werden dafür aufgewendet. Und was machen die KMU? Gerade die unzähligen Klein- und Kleinstunternehmen in der Schweiz, die von diesem digitalen Highspeed-Sturm überrumpelt zu werden drohen.

Eine clevere Lösung kann sein, sich die digitale Transformation proaktiv zunutze zu machen und gleich als eigenes Geschäftsmodell einzuverleiben. Das funktioniert zwar nicht für traditionelle Firmen, die teils über Jahrzehnte mit bewährten Prozessen agiert haben. Umso mehr aber für Jungunternehmen wie etwa die IMSD GmbH in Zürich, 2012 gegründet vom Westschweizer Rodolphe Dewarrat. Sie hat sich auf Datenanalysen, die Erhebung von Smart Data sowie Statistiken spezialisiert und setzt diese Kompetenzen bedarfsorientiert für ein inzwischen internationales Kundenportfolio etwa aus dem Banken-, Airline- oder E-Health-Sektor ein.

Interdisziplinarität gekonnt verbinden

Rodolphe Dewarrat ist promovierter Mathematiker und Chemiker und hat sich schon im Studium sehr für praktische Anwendungsbeispiele in der Wirtschaft interessiert. Er mischte sich früh unter die Start-up-Szene und saugte dort viel Wissen auf. «Informatikwissen und Know-how für interdisziplinäre Einsatzmöglichkeiten konnte ich mir so über die Jahre aneignen», so der Freiburger. Er stellt heute fest, dass viele Unternehmen über digitale Massnahmen sprechen, oft aber keinen Plan haben, wie die Lösung aussehen soll. «Es fehlt meistens nicht am Budget, sondern an der Entscheidungskraft.» 

«Es fehlt meistens nicht am Budget, sondern an der Entscheidungskraft.»

Rodolphe Dewarrat, IMSD GmbH

Mit seinem inzwischen vierköpfigen IMSD-Team kann er Abhilfe schaffen. «Wir bedienen neben Grosskunden auch kleinere KMU.» Deren Fragestellung lautet oft: Was verpasse ich, wenn ich nicht digitaler werde? Dewarrat sichert zu, solchen KMU mittels detaillierter Bedürfnisabklärung innert zehn Tagen Lösungsansätze aufzuzeigen. Oft geht es um sanfte Prozesse wie die interne Buchhaltung, Steuererklärung und vieles mehr, die dank digitaler Hilfe erheblich zeit- und kostensparender gestaltet werden können. Dies für einen eher geringen Kostenaufwand.

Oft resultieren verblüffte Aha-Erlebnisse aus solchen Konstellationen. «Firmen sind erstaunt, wie intensiv auch vergleichsweise kleine Eingriffe ihren operativen Alltag erleichtern können», sagt Dewarrat. Und nicht nur das: Durch die digitale Erhebung von mehr Daten sowie deren geschickte Verknüpfung gewinnen die Unternehmen viele neue Erkenntnisse, die sie auch strategisch oft entscheidend weiterbringen. Die Digitalisierung also nicht als Bedrohung, sondern als Chance. «Diesen Mentalitätswechsel wollen wir den Kunden vermitteln.» 

Den Rücken frei halten für analoge Kernkompetenzen

Längst erkannt und voll im Gange ist diese Transformation in weiten Teilen des Gesundheitswesens. So agiert heute eine zunehmende Zahl von Ärzten, Spitälern, Pharmaunternehmen und weiteren Dienstleistern der Branche digital vollständig vernetzt. Einen wesentlichen Anteil daran trägt die Zürcher Visionary AG. Sie führte bereits nach der Jahrtausendwende die Internetplattform docbox ein, ein Netzwerk, dem heute in der gesamten Deutsch- und Westschweiz tausende Ärzte, dazu diverse Spitäler, Life-Science-Firmen, Notfalldienstkreise sowie medizinische Call Center angeschlossen sind. Mit docbox kann etwa ein Hausarzt direkt aus seiner Praxissoftware einen Patienten im Spital anmelden und die nötigen Daten hochsicher übermitteln. Er erhält den Bericht nach dem Spitalaufenthalt des Patienten direkt wieder elektronisch zurück.

«Digitalisierung bedeutet immer, Althergebrachtes zu hinterfragen und Dinge ganz neu und besser zu machen.»

Olivier Willi, CEO Visionary

«Digitalisierung bedeutet immer, Althergebrachtes zu hinterfragen und Dinge ganz neu und besser zu machen», erklärt Olivier Willi, Gründer, Mehrheitsaktionär und CEO der heute grössten E-Health-Plattform der Schweiz. So müssen Ärzte nicht mehr herrumtelefonieren, wenn sie einen Notfalldienst abgeben möchten, sondern können ihre Wünsche per Klick auf der docbox-App an die Kollegen übermitteln. Profiteur sei letztlich auch immer der Patient. Denn die Vereinfachung der Administration erlaube es dem Arzt, mehr Zeit für ihn einzusetzen. «Dank unserem System passieren auch weniger Fehler bei der Anmeldung von Operationen, weil alle Daten elektronisch strukturiert sind. Zudem ist in Notfällen eine viel raschere Vermittlung des richtigen Arztes möglich, was gerade Eltern von kranken Kindern besonders zu schätzen wissen», erklärt Olivier Willi.

Ob IMSD oder Visionary: Die zwei Beispiele zeigen, dass die Digitalisierung Unternehmen in erster Linie den Rücken frei halten soll, um ihre in der analogen Welt angesiedelten Kernkompetenzen noch gezielter und effizienter ausspielen zu können. Sie ist ein smarter Helfer, um Prozesse zu vereinfachen und die Transparenz zu erhöhen. Und sie wird früher oder später jedes Gewerbe erfassen und verändern.

 

Originaltext erschienen in «Meine Firma», dem KMU-Kundenmagazin der AXA. 

«Handy als Sackbefehl»

Remo Daguati ist Unternehmensberater und Inhaber der LOC AG. Die Beratungsfirma spezialisiert sich auf Lösungen rund um Standortfragen und Positionierungen und dabei speziell auf die digitale Promotion.

Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch. Können es sich KMU heute noch leisten, nicht intensiv in diese Richtung zu investieren?

Jedes Unternehmen muss sich entscheiden. Entweder ist man dabei und macht es richtig, oder man lässt es bleiben mit der Konsequenz, dass man in der digitalen Welt nicht existiert. Auch für KMU gilt: Die Reputation einer Firma im Netz ist die Summe der digitalen Spuren des Unternehmens und seiner Mitarbeitenden. Viele Führungskräfte in KMU tun sich heute noch schwer damit, als Vorbild Präsenz zu markieren.

Zu wenig Zeit oder fehlende Kenntnisse?

Vielleicht beides. Gerade Social Media lassen sich nur begrenzt an die externe Werbeagentur oder das Marketingteam auslagern. Erst wenn sich Chefs und Mitarbeitende in den wichtigsten sozialen Netzwerken aktiv engagieren, ihre Profile mit dem Unternehmen verknüpfen und packende Inhalte teilen, entsteht digitale Reputation. Dies kann man dann in Kundenkontakte ummünzen.

Und wie können KMU die Digitalisierung nutzen, auch wenn sie keine entsprechende Strategie entwickelt haben?

Für mich ist eine Firma inexistent, wenn sie nicht in irgendeiner Form auf digitalen Kanälen präsent ist. Dies ist für mich ein Qualitätsmerkmal. Digitale Kanäle sind zwar nicht gratis und brauchen vor allem auch Zeit. Wer sich gar nicht auf Social Media engagieren mag, kann auch die simpelste Variante wählen, nämlich eine attraktive E-Mail-Signatur mit Links zu eigenen Produkten, Veranstaltungen oder Seminaren im Web.

Was können KMU sonst noch tun, um sich gut im Markt zu positionieren? Stichwort digitale Promotion.

Digitale Promotion ist das eine, aber die Verknüpfung der virtuellen mit der realen Welt darf in der Tat nicht vernachlässigt werden. Ich besuche beispielsweise viele Netzwerkveranstaltungen von Verbänden, Fachkongresse und Messen und teile diese Aktivitäten über die sozialen Medien. Das Handy als Sackbefehl, und schon ist man eine kleine Sendestation. Zudem gilt es, die eigenen Dienstleistungen regel-
mässig im persönlichen Gespräch vorzustellen. Man lernt vom Gegenüber und erhält neue Einblicke zu Trends und Geschäftsmodellen.

Und wie betreibt man als KMU wirksame Standortförderung?

Ganz einfach: Unternehmer können sich vornehmen, beim nächsten Treffen als Einstieg zum Gespräch eine Stärke und Besonderheit ihres Firmenstandorts vorzustellen. Und schon werden sie zum Ambassador respektive zur Ambassadorin ihres Standorts.

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    Meine Firma - das KMU-Kundenmagazin der AXA

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