Sicherheit und Recht

Zu viel Strom auf der Gitarre

Bild: Herbert Zimmermann
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Gitarren verstehen sich nicht mit Wasser, auch nicht diejenigen der Relish Brothers AG in Sempach Station. Nachdem ihr Lagerbestand durch eine Überschwemmung restlos zerstört worden war, stand nicht nur ihr Ruf als Qualitätsmarke, sondern gar ihre Zukunft auf dem Spiel.

Der Blick auf die Berge zur Linken und nahende Silos und Bauernhöfe zur Rechten lassen bei der Einfahrt in Sempach Station nicht erahnen, dass in diesem kleinen Dorf einer der innovativsten Gitarrenbauer der Schweiz beheimatet ist. Trügerisch ist auch die Idylle, die dieser Ort versprüht. Denn Anfang Juli letzten Jahres hingen noch dunkle Wolken über seinem Himmel.

Der verhängnisvolle Anruf

«Meine Frau hat mir schon lange gesagt, ich solle mir endlich mal ein privates Handy zulegen», beginnt Silvan Küng, Geschäftsführer und Co-Gründer der Firma Relish Brothers AG, den vergangenen 2. Juli 2020 zu rekapitulieren. Seit der Firmengründung 2013 sei sein Mobiltelefon immer mehr zu einem Geschäftshandy mutiert, und ein zusätzliches hatte er sich – entgegen der dringlichen Bitte seiner Ehefrau – nie zugelegt. «Wir hatten einen Abend zu zweit geplant und assen in einem Restaurant in Luzern zu Abend», erzählt er weiter und auch davon, dass sie nach dem Essen weiter ins Kino gingen und dabei die ganze Zeit etwas klingeln und surren hörten. «Mein Handy konnte es aber gar nicht sein, ich hatte es zu Hause liegen gelassen.»

Der Blick auf das Gerät seiner Frau offenbarte schliesslich unzählige verpasste Anrufe und Nachrichten – jedoch an seine eigene Adresse. «Ich ging aus dem Kino und telefonierte mit meinen Eltern. Diese hatten von einem Bekannten bei der Feuerwehr erfahren, dass das ganze Gebiet rund um unseren Firmensitz unter Wasser stand», führt Küng weiter aus. In der Region regnete es den ganzen Tag über heftig, besorgte Gedanken über seine Firma machte er sich deshalb aber keine. Kurz überlegte er, sich gleich selbst und unmittelbar ein Bild der Lage zu machen. Man könne aber sowieso nicht herein, viel zu gefährlich mit all dem Wasser und den überschwemmten Stromleitungen im Gebäude, hiess es vom anderen Ende der Leitung. Am nächsten Morgen fuhr er zu seinem Unternehmen und begutachtete die Auswirkungen des vergangenen Unwetters.

Der Morgen danach

Schon bei der Anfahrt ahnte der Unternehmer nichts Gutes. Von den Fluten weggetragene Autos und Hochwasser überall. «Das Ausmass war grösser als zuerst angenommen. Ich fuhr in der Region von Ort zu Ort und begutachtete einen Schadenfall nach dem anderen», bestätigt auch Daniel Wipfli, Schadeninspektor bei der AXA und an besagtem Tag ebenfalls vor Ort anwesend, die Umstände. An ein Weiterarbeiten konnte vorerst nicht gedacht werden. Wasser und Schlamm hatten sich die Einfahrt herruntergeschlichen und sammelten sich im untergeschossigen Lagerraum über einen Meter hoch an. Zudem bestand das Risiko, dass die ganze Masse unter Strom stehen könnte. Die Dimension des Schadens konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden. «Eine erste Erleichterung war, zu wissen, dass keine fertiggebauten Gitarren vom Unwetter betroffen waren», sagt Silvan Küng und führt weiter aus: «Im Lager befanden sich vor allem Halbfabrikate. Zwar hatten wir auch in diese Teile bereits einiges an Arbeitszeit investiert, wären es aber fertige Instrumente gewesen, hätte das Gitarrenherz sicherlich noch stärker geblutet.» Das Eindringen des Wasser-Sand-Gemischs hatte jedoch zur Folge, dass die Regale im Lager umgestürzt waren und die überwiegend aus Holz bestehenden Komponenten restlos nass wurden. Der ganze Lagerbestand musste entsorgt werden – so viel stand bereits fest. Zu gross wäre das Risiko von Garantiefällen gewesen, hätte man mit diesen Teilen weiterhin Gitarren gebaut.

Qualität als höchstes Gut

Die Relish Brothers AG baut die etwas anderen Gitarren. Zum Einsatz kommt neben klassisch verbautem Holz auch Aluminium, welches sich am besten als Skelett der Gitarre beschreiben lässt. Noch spezieller wird es aber bei der Elektronik: Normalerweise werden die Tonabnehmer, welche die Schwingungen der angeschlagenen Saiten erfassen und in akustische Signale umwandeln, fest in eine Gitarre verbaut. Küng und seinem Co-Gründer war dieser Umstand ein Dorn im Auge. Jeder Tonabnehmer, auch Pickup genannt, verfügt über ganz individuelle Eigenschaften und entsprechend auch über ein spezifisches Klangbild. Will man dieses verändern, muss man in der Regel entweder mühsam die Pickups abhängen, ausschrauben und die neuen wieder einbauen sowie an die Kabel anlöten oder sich gleich eine zusätzliche Gitarre anschaffen. Dieses Problem sowie das Bedürfnis nach mehr Individualität haben die beiden Firmengründer erkannt und ein Patent entwickelt, welches das einfache Austauschen der Tonabnehmer – sogar während des Musizierens – ermöglicht. Am besten kann dieses System mit einem Smartphone verglichen werden, welches durch verschiedene Apps personalisiert werden kann. Ihre Kundschaft stellt sich denn auch mehrheitlich aus Technikaffinen sowie Berufsmusikerinnen und Berufsmusikern zusammen, nicht zuletzt auch, da sich die Instrumente der Relish Brothers in einer eher höheren Preisklasse bewegen. Auch aufgrund dieses Umstandes war bei der Begutachtung der Schäden nach der Überschwemmung schnell klar, dass hier kein Reputationsrisiko eingegangen werden durfte, indem angeschlagene Ware weiterverarbeitet würde.

Gemeinsam durch die Krise

Ein möglicher Reputationsschaden blieb jedoch auch weiterhin Küngs grösste Sorge. Nordamerika ist sein grösster Absatzmarkt, daneben bietet er seine Gitarren Kundinnen und Kunden rund um den Globus an – und diese warteten auf ihre Bestellungen. Gerade als Anbieter eines Nischenprodukts ist der Ruf in der Branche sehr wichtig. Und Lieferausfälle mithin etwas vom Schlimmsten, was Küng und der Reputation seiner Firma hätte widerfahren können. Doch fehlte es an unbeschädigten Gitarrenkoffern, welche normalerweise per Seefracht angeliefert werden, was mehrere Wochen Lieferzeit in Anspruch nimmt. Obwohl mit einem finanziellen Mehraufwand verbunden, bestellte Küng die «Cases» per Luftfracht. Glücklicherweise konnte dieser schnellere, aber auch teurere Transport über die Versicherung abgebucht werden. «Wir haben die Kosten eines Betriebsausfalls den nötigen Kosten für eine Wiederaufnahme des Betriebs gegenübergestellt und uns darum dafür entschieden, alles zu tun, damit so schnell wie möglich weitergearbeitet werden kann», begründet Schadeninspektor Wipfli das mit Küng vereinbarte Vorgehen. «Ich war heilfroh, dass ich in dieser Zeit nicht allein dastand. Wir arbeiteten Hand in Hand, was für mich eine enorme finanzielle, aber auch mentale Entlastung bedeutete», beschreibt Silvan Küng seine Erfahrung. So wurde der Lagerraum innert kurzer Zeit von den Wasser- und Schlammmassen befreit, und auch ein Provisorium für anstehende Lackierarbeiten fand sich in gemeinsamer Zusammenarbeit. «Silvan kennt seine Firma ganz genau und konnte mir die benötigten Angaben für die Schadenbearbeitung umgehend elektronisch zustellen, das war in der Situation matchentscheidend», beschreibt Daniel Wipfli seinen Kunden erfreut. Doch trotz der guten Zusammenarbeit und dem Fakt, mit einem blauen Auge davongekommen zu sein, lassen die nächsten Rekordniederschläge hoffentlich noch etwas auf sich warten. In der Zwischenzeit hat Küng seinen neuen Lagerbestand vorsichtshalber schon mal neben sich ins Büro umdisponiert.

Originaltext erschienen in Meine Firma, dem KMU-Kundenmagazin der AXA.

Meine Firma

Seit 2013 entwickelt und baut die Firma Relish Brothers AG in Sempach Station Gitarren, die etwas aus der Reihe tanzen. Ihre innovativen Instrumente bauen sie unter anderem aus Aluminium und mit austauschbaren Tonabnehmern, bevor sie sie in die ganze Welt verschicken.    

→ relish.swiss 

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