Unterwegs

Nicolas Hojac, Bergsteiger: «Wer Angst hat, ist einen Schritt zu weit gegangen»

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Nicolas Hojac lebt seit über zehn Jahren seine Leidenschaft: Bergsteigen. Mit 18 Jahren stieg er zum ersten Mal durch die Eigernordwand, wo er fünf Jahre später zusammen mit Ueli Steck einen neuen Speedrekord aufstellte. Eiger, Mönch und Jungfrau sind seine Hausberge, entlegene Gebirge in Pakistan, China oder Patagonien reizen den Berner aber genauso. Für 2020 hat er bereits wieder Pläne.

Das versuchen, woran andere gescheitert sind: Solche Abenteuer reizen Nicolas Hojac am meisten. Und der 28-jährige Bergsteiger hat sich selbst schon einigen Herausforderungen gestellt. «Die letzten zehn Jahre waren sehr intensiv», sagt Hojac und zählt Abenteuer auf wie die Expedition mit dem SAC nach China und auf den Nordgrat des K7 in Pakistan, seine jüngste Reise nach Patagonien, aber auch eigene Projekte in den Schweizer Alpen. Eiger, Mönch und Jungfrau hat er in Spiez vor der Haustür – so entstand die Idee, alle drei Gipfel an einem Tag zu besteigen. Um Zeit zu sparen, flog er jeweils mit dem Gleitschirm hinunter ins Tal. 11 Stunden und 43 Minuten brauchte er dafür. 

Im Rekordtempo durch die Eigernordwand

Angefangen hat alles mit einem Sprachaufenthalt im Unterwallis. «Anstatt mein Französisch aufzupolieren, habe ich dort die Liebe zu den Bergen entdeckt», sagt Hojac. Es folgten erste kleinere Touren, später Viertausender und dann mit 18 Jahren als erstes Highlight die Eigernordwand. Elfmal hat er die «mythische Wand» bisher durchstiegen, einmal davon mit Ueli Steck im Rekordtempo von 3 Stunden und 46 Minuten. Auch für 2020 hat Hojac erste Ideen und plant bereits eine Expedition mit Kollegen. «Wir sind uns nur noch nicht einig, wohin es gehen soll», lacht er.

Nicolas Hojac beim Eisklettern in der Route «Bachero» im Kiental.

Lawine hautnah: Nicolas Hojac beim Eisklettern in der Route «Bachero» im Kiental. (Foto: D. Bleuer)


Umkehren braucht Mut

Hojac geht es nicht nur darum, Grenzen auszuloten und neue Speedrekorde aufzustellen. «Mein Ziel ist es, glücklich zu sein. Eine einfache Tour kann mir genauso viel Glück schenken wie etwas Krasses.» Klar sei auch er immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Aber nicht um jeden Preis. Er gehe in die Berge mit dem Ziel, sicher wieder zurückzukehren, sagt Hojac. «Wahrscheinlich bin ich schon öfters umgekehrt, als ich tatsächlich oben auf dem Gipfel war.» Umzukehren brauche Mut, «aber wenn eine Situation kritisch wird, fällt es mir relativ leicht, die Reissleine zu ziehen». 

Mein Ziel ist es, glücklich zu sein. Eine einfache Tour kann mir genauso viel Glück schenken wie etwas Krasses.

Nicolas Hojac, Bergsteiger
Nicolas Hojac und Lukas Hinterberger laufen am am Berg Xuelian Feng West in China durch den Tiefschnee..

Auf Expedition in China: Nicolas Hojac und Lukas Hinterberger am Xuelian Feng West. (Foto: Thomas Senf)


Ein zweischneidiges Schwert

Angst hat Hojac selten. Auch wenn seine Touren für Aussenstehende oft gefährlich scheinen. «Wenn man Angst hat, ist man schon einen Schritt zu weit gegangen.» Klar, Bergsteigen sei ein zweischneidiges Schwert. «Es ist sehr intensiv und aufregend, aber man geht auch mehr Risiken ein als bei einem Bürojob.» Wer in der Natur unterwegs sei, müsse mit den Gefahren leben können, sagt Hojac und erinnert sich an ein Erlebnis in Pakistan: «Wir waren auf 5000 Metern auf einem Gletscher unterwegs, als sich eine Lawine in der Wand löste und auf uns zudonnerte. Ein Kollege schrie. Wir fingen an zu rennen. Ich dachte, jetzt ist es vorbei. Klar hatte ich in diesem Moment Angst! Zum Glück kam die Lawine nicht bis zu uns. Aber wären wir zu diesem Zeitpunkt näher an der Wand gewesen, hätten wir ein Problem gehabt.» 

Ueli Steck war für mich ein guter Freund, auch ein Mentor. Ich konnte viel von ihm lernen.

Nicolas Hojac, Bergsteiger
Profi-Alpinist Nicolas Hojac unterwegs auf dem Eiger. Rechts von ihm geht es fast senkrecht 1000 Meter über die Eigernordwand hinunter ins Tal.

Unterwegs am Abgrund: Nicolas Hojac am Mittellegigrat. Rechts von ihm geht es fast senkrecht 1000 Meter über die Eigernordwand hinunter ins Tal. (Foto: Michael Berger)


Die Frage nach dem Warum

In den letzten Jahren kamen einige Bergsteiger ums Leben, darunter auch der bekannte Schweizer Alpinist Ueli Steck. Das lässt auch Hojac nicht kalt. «Ueli war für mich ein guter Freund, auch ein Mentor. Ich konnte viel von ihm lernen.» Nach seinem Tod habe er sich oft die Sinnfrage gestellt. «Einmal war ich beim Eisklettern, es war minus zehn Grad kalt. Ich habe geschlottert und gedacht: Was mache ich eigentlich hier? Aber kaum war ich zurück, kamen die Glücksgefühle und ich war unglaublich stolz, dass ich eine so ästhetische Linie klettern konnte. Dann weiss ich wieder, wofür ich seit dem 14. Lebensjahr brenne.»

Profialpinist werden: der grosse Traum

In Zukunft ganz vom Bergsteigen leben zu können, ist Hojacs grosser Traum. Mit Sponsoren, Vorträgen und eigenen Projekten hat er die Grundlage dafür geschaffen und begleitet auch als Fotograf Bergtouren und Expeditionen. Nebenbei studiert er Maschinenbau und schreibt aktuell an seiner Bachelorarbeit. «Als Maschinenbau-Ingenieur könnte ich ein gutes, geregeltes Einkommen erzielen», weiss Hojac. Aber darum geht es ihm nicht. «Ich versuche, meinen Traum zu leben. Mein Ziel ist nicht, möglichst viel Geld zu verdienen, sondern mit meinem Leben möglichst viel anzufangen und die Zeit, die ich habe, intensiv zu nutzen.»

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