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Die Schweizer Bevölkerung hinterlässt einen grossen ökologischen Fussabdruck: Eine Schweizerin oder ein Schweizer fliegt im Schnitt dreimal so viel wie eine EU-Bürgerin oder ein EU-Bürger, fährt die schwersten Autos in Europa und gehört zu den weltweit grössten Abfallproduzenten, wie der WWF Schweiz in einer Medienmitteilung vom Juli 2019 schreibt. Es erstaunt deshalb wenig: In diesem Jahr ist bereits am 8. Mai der Swiss Overshoot Day.

Der materielle Verbrauch von Herrn und Frau Schweizer vom 1. Januar bis zu diesem Tag übersteigt, was die Ökosysteme der Welt pro Kopf im ganzen Jahr erneuern können
 ­­­– sie leben auf Kosten zukünftiger Generationen. 
Berechnet wurde der Swiss Overshoot Day nach dem Konzept des ökologischen Fussabdrucks, das 1991 vom Schweizer Wissenschaftler Prof. Mathis Wackernagel und dessen Kollegen William Rees entwickelt wurde. 

Prof. Mathis Wackernagel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den ökologischen Fussabdruck in unserem Interview.

Professor Wackernagel, wie erklären Sie jemandem den ökologischen Fussabdruck in zwei, drei Sätzen, der noch nie davon gehört hat? 

Wir brauchen die Natur für Nahrung, Holzprodukte, zur Absorption der Treibhausgase und auch für unsere Städte und Strassen, denn die bauen wir auf die produktivsten Ökosysteme. All diese Flächen, die es braucht, können wir zusammenzählen – das ist unser ökologischer Fussabdruck. Diesen Fussabdruck können wir mit der Fläche vergleichen, die es pro Kopf in unserem Land oder auf der Welt gibt. 

Der ökologische Fussabdruck gilt weltweit als die bekannteste Grösse, um den Verbrauch von natürlichen Ressourcen von Menschen oder gar Ländern zu berechnen und zu vergleichen. 

Tatsächlich haben viele schon davon gehört, dass wir mehr als eine Erde brauchen – gar der Papst spricht über unsere Zahlen. In der Schweiz haben wir im Mai 2017 mit dem revidierten Energiegesetz sogar darüber abgestimmt, ob wir bis 2050 so leben wollen, dass wir auf einer Erde Platz haben, statt wie heute auf drei. Leider denken noch immer viele Menschen, das sei ein nobles Ziel – in Wirklichkeit ist es ein notwendiges Ziel. Genauso wie Zähneputzen notwendig ist, nicht nobel.

Die Schweiz verbraucht gegenwärtig rund 3 Erden pro Einwohner.

Anzahl Erden, die eine Schweizerin oder ein Schweizer im Durchschnitt verbraucht

Lässt sich auch der ökologische Fussabdruck von Unternehmen ermitteln? 

Natürlich können wir den Materialverbrauch von Unternehmen messen. Aber interessanter ist die Frage: Helfen die Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens der Menschheit, erfolgreich innerhalb der Kapazität unseres Planeten zu leben? Falls ja, ist die Firma für die Zukunft gerüstet und wird einen wachsenden Markt vorfinden, falls nein, wird sie mit Gegenwind für ihre Geschäftstätigkeit rechnen müssen. Dieses grundlegende Prinzip der Unternehmensstrategie haben wir mit der Firma Schneider Electric, einem Partner von uns, entwickelt.

Der ökologische Fussabdruck ist die Grundlage, um den jährlichen Overshoot Day der ganzen Welt zu berechnen. Letztes Jahr fand er weltweit am 29. Juli statt. Wagen Sie eine Prognose für 2020? 

Wir sind immer noch am Abschätzen der neuesten Daten. Bis 2016 haben wir verlässliche UNO-Daten, darüber hinaus sind es Schätzungen. Denn mit COVID-19 hat sich die Weltbevölkerung schnell ganz anders verhalten. Das Datum des Earth Overshoot Day 2020 wird am Weltumwelttag, dem 5. Juni, bekanntgegeben. Wir wissen bereits, dass COVID-19 den Konsum gedrosselt hat. Da dies jedoch nicht durch einen Strukturwandel verursacht wurde, wird dieser positive Einfluss auf den ökologischen Fussabdruck kaum andauern. Durch die Wirtschaftskrise und das billige Öl könnte die notwendige Dekarbonisierung gar verzögert werden.

  • Teaser Image
    Prof. Mathis Wackernagel

    Der Schweizer Wissenschaftler Prof. Mathis Wackernagel entwickelte 1991 zusammen mit seinem Kollegen William Rees das Konzept des ökologischen Fussabdrucks. 2003 gründete Wackernagel die internationale Forschungsorganisation Global Footprint Network in Oakland/Kalifornien, deren Präsident er heute ist und wo er noch immer forscht und lebt.

    Erfahren Sie mehr über das Global Footprint Network

Gibt es Länder, die ihren ökologischen Fussabdruck erfolgreich verkleinern und ihren Overshoot Day nach hinten verschieben konnten? Falls ja: Was können wir in der Schweiz davon lernen?

Schottland ist eine Region, die sehr aggressiv dekarbonisiert; sie sieht es als ökonomische Notwendigkeit. Auch in der Schweiz sehen wir eine schwache, langsame Abnahme des Fussabdrucks. Hier hilft die Idee der 2000-Watt-Gesellschaft, die zum Beispiel in der Stadt Zürich per Gesetz verankert ist. Nur harzt die Umsetzung.

Können wir es uns leisten, uns nicht auf die voraussehbare Zukunft vorzubereiten?

Prof. Mathis Wackernagel

Was kann jede und jeder Einzelne von uns, jedes Unternehmen tun, um den ökologischen Fussabdruck zu verringern? 

Sagen Sie nie mehr «wir sollten», denn damit unterstreichen Sie nur, dass es nicht stattfinden wird. Wenn Sie wirklich wollen, sagen Sie «ich will …», zum Beispiel «ich will in einer Stadt ohne Autos leben». Statt «wäre nett», signalisieren Sie «dafür stehe ich ein». Fragen Sie sich auch: Können wir es uns leisten, uns nicht auf die voraussehbare Zukunft vorzubereiten? 

Eine persönliche Frage zum Schluss: Sie sind eines von fünf Schweizer Mitgliedern des berühmten «Club of Rome» in Winterthur, dem 100 Wissenschaftler aus aller Welt angehören, die sich für die nachhaltige Entwicklung unseres Planeten einsetzen. Was sind dort Ihre Ziele?

Mein Leben ist von der Idee bestimmt, Wege zu finden, wie wir alle prächtig leben können, innerhalb der Möglichkeiten unseres einen Planeten. Eigentlich nicht radikal. Und machbar, falls unsere Entscheidungen konsistent werden mit der Zukunft, die wir wollen.

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