Ein älteres Ehepaar sitzt zu Hause vor dem Computer.
Vorsorge

Geld anlegen im Alter: So nutzen Sie Ihr Vermögen optimal

Mit der Pensionierung hören Sie selbst zwar auf zu arbeiten, Ihr Geld sollte es aber nicht. Denn wer auch im Alter Geld anlegt, profitiert von einem längeren Anlagezeitraum, kann Rentenlücken schliessen und die Kaufkraft langfristig sichern. In diesem Artikel erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie dabei vorgehen sollten.

Im Alter verändern sich die Bedürfnisse und damit auch die Anforderungen an Ihre Geldanlage. Die richtige Strategie hängt von Ihrer persönlichen Situation ab: den Einnahmen, Ausgaben und Zielen. Wir helfen Ihnen, diese zu analysieren und Ihr Vermögen gezielt einzusetzen.

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Ist es sinnvoll, im Alter Geld anzulegen?

Auch im Alter gibt es diverse Gründe, weshalb sich eine Geldanlage lohnt:

  • Hohe Lebenserwartung: Mit 65 Jahren haben Sie noch einen Anlagehorizont von 20 bis 30 Jahren vor sich. Wenn Sie Ihr Geld in dieser Zeit unverzinst auf Ihrem Konto liegen lassen, verlieren Sie an Kaufkraft.
  • Inflationsschutz: Selbst moderate Inflation frisst über 20 Jahre einen deutlichen Teil der Kaufkraft. Mit einer Rendite von drei bis vier Prozent pro Jahr können defensive Anlagen wie Kassenobligationen oder Anleihefonds den Wert Ihres Vermögens erhalten oder leicht steigern.
  • Flexibilität: Investiertes Kapital in Form von Fonds oder ETFs bleibt flexibel, kann entnommen und vererbt werden. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber der reinen Rente aus der Pensionskasse.
  • Sicherheit: Eine durchdachte Anlagestrategie gibt Ihnen die Gewissheit, auch bei unvorhergesehenen Ausgaben finanziell abgesichert zu sein.

Was sind defensive Anlagen?

Defensive Anlagen sind Investitionen mit tiefem Risiko und stabilen Erträgen. Sie schwanken weniger stark als Aktien und eignen sich besonders für Anlegerinnen und Anleger, die Sicherheit über Rendite stellen. Typische Beispiele sind Sparkonten, Kassenobligationen, Anleihefonds und konservative Mischfonds.

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Wie geht man bei der Geldanlage im Alter am besten vor?

Wenn Sie Ihr Geld fürs Alter anlegen wollen, sollten Sie nach den folgenden fünf Schritten vorgehen:

1. Ausgangslage prüfen

Bevor Sie investieren, brauchen Sie einen klaren Überblick.

  • Einnahmen erfassen: Zählen Sie AHV-Rente, Pensionskasse (Rente oder Kapital), Säule 3a sowie Miet- oder Nebeneinkommen zusammen.
  • Fixkosten berechnen: Planen Sie Miete, Krankenkasse, Steuern und weitere wiederkehrende Ausgaben realistisch.
  • Wunsch-Lebensstandard festlegen: Was möchten Sie sich im Alter für die Familie, Reisen und Hobbys leisten? Definieren Sie, wie viel Geld Sie monatlich dafür brauchen.
  • Rentenlücke berechnen: Ziehen Sie Ihre Einnahmen von den Ausgaben (Fixkosten und Kosten für Wunsch-Lebensstandard) ab. Die Differenz ist Ihre Rentenlücke. In der Schweiz beträgt sie oft rund 20 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Diese Lücke sollten Sie mit dem privaten Vermögen schliessen.
  • Anlagehorizont einschätzen: Im Alter von 65 Jahren planen Sie für weitere 20 bis 30 Jahre. Ein Teil des Vermögens kann somit langfristig investiert werden.

2. Sicherheit zuerst: Liquidität und Puffer aufbauen

Bevor Sie investieren, sollten Sie ein finanzielles Polster aufbauen. So bleiben Sie auch in turbulenten Phasen an der Börse handlungsfähig.

  • Cash-Puffer anlegen: Halten Sie zwei bis drei Jahresausgaben auf einem Konto oder Sparkonto. In Börsentiefs müssen Sie so keine Anlagen mit Verlust verkaufen.
  • Kurzfristigen Bedarf defensiv abdecken: Für die ersten fünf bis zehn Jahre wird eine defensive, zinsorientierte Anlagestrategie empfohlen. Dazu gehören Kassenobligationen, kurzlaufende Anleihen und konservative Fonds.

3. Anlagestrategie im Alter: Vermögen aufteilen

Teilen Sie Ihr Vermögen in zwei Teile auf und passen Sie den Aktienanteil Ihrem Alter an. Die folgende Tabelle zeigt, welche Anlageformen zu welchem Zeithorizont passen:

Empfohlene Anlagen nach Anlagehorizont

  Verzehrteil Wachstumsteil
Zeithorizont 0 bis 10 Jahre Über 10 Jahre
Strategie Defensiv Ausgewogen bis moderat
Aktienanteil Tief Höher («100 minus Lebensalter»)
Anlageformen Sparkonten, Kassenobligationen, Anleihefonds, konservative Mischfonds Mischfonds, ETF-Portfolios mit reduziertem Aktienanteil, defensive Dividenden-ETFs

Die Faustregel «100 minus Lebensalter» gibt den empfohlenen Aktienanteil am Vermögen an. Mit 70 Jahren sollten Sie Ihr Vermögen nur zu 30 Prozent in Aktien angelegt haben, den Rest in Obligationen und defensiven Anlagen.

Streuen Sie das Risiko über verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilienfonds und Rohstoffe sowie über verschiedene Regionen.

Ergänzend können Immobilien sinnvoll sein. Sie schützen vor Inflation und bieten stabile Erträge. Das Kapital ist jedoch nicht schnell verfügbar und es sind langfristige Unterhaltskosten fällig.

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4. Die drei Säulen gezielt nutzen

Die erste und die zweite Säule bilden die Grundlage für Ihre Vorsorge, reichen oft aber nicht für den gewohnten Lebensstandard aus. Die in Schritt eins berechnete Rentenlücke schliessen Sie mit der dritten Säule oder mit freiem Vermögen.

Die Säule 3a ist steuerlich begünstigt. Einzahlungen können während der Erwerbstätigkeit auch nach Erreichen des ordentlichen Rentenalters vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Vorzeitige Auszahlungen sind im Rahmen einer Eigenheimfinanzierung, bei einem Wegzug ins Ausland oder beim Start in die Selbstständigkeit möglich. Ordentlich kann das Guthaben frühestens fünf Jahre vor Erreichen des Referenzalters bezogen werden. Die Auszahlungen werden zu einem tieferen Tarif versteuert.

Die Säule 3b bietet mehr Flexibilität als die Säule 3a. Dazu zählen beispielsweise Bankkonten, Wertschriften, Anlagefonds oder Lebensversicherungen. Im Gegensatz zur Säule 3a sind die Einzahlungen steuerlich nicht abzugsfähig. Dafür können Sie frei entscheiden, wann und wofür Sie Ihr Vermögen verwenden. Übrigens: Im Gegensatz zu Banklösungen der Säule 3b müssen bei Vorsorgelösungen der Säule 3b die Erträge wie Zinsen oder Dividenden nicht als Einkommen versteuert werden.

Im Alter spielt vor allem die Bezugs- und Steuerplanung eine entscheidende Rolle. Wann und wie Sie Ihr Vorsorgevermögen beziehen, kann einen grossen Unterschied für Ihre Steuerbelastung machen.

5. Risiko, Steuern und Inflation im Blick behalten

Mit dem Alter verändern sich die Bedürfnisse und damit auch die Anforderungen an Ihre Anlagestrategie. Beachten Sie Folgendes:

  • Risikoprofil anpassen: Die Risikofähigkeit und -bereitschaft sinkt. Wechseln Sie von einer dynamischen zu einer defensiven Anlagestrategie.
  • Steuern planen: Kapitalbezüge aus der Pensionskasse und der Säule 3a werden separat, aber progressiv besteuert. Staffeln Sie Bezüge über mehrere Jahre. Dadurch sinkt die Steuerlast.
  • Inflation nicht vergessen: Wer sein Vermögen auf dem Sparkonto parkt, verliert durch die Inflation langfristig an Kaufkraft. Bereits ein kleiner Aktien- und Fondsanteil im Portfolio kann die reale Kaufkraft sichern.

Häufige Fragen zum Geldanlegen im Alter

Was ist die beste Geldanlage im Alter?

Die beste Geldanlage für für Rentnerinnen und Rentner gibt es nicht pauschal. Sie hängt von Ihrem Anlagehorizont, Ihrer Risikobereitschaft und Ihrer persönlichen Situation ab. Grundsätzlich empfiehlt sich eine Kombination aus defensiven Anlagen für den kurzfristigen Bedarf und einem moderaten Aktienanteil für den langfristigen Werterhalt. In einer persönlichen Vorsorgeberatung helfen wir Ihnen, die richtige Strategie zu finden.

Kann man mit 60 Jahren noch Vermögen aufbauen?

Mit 60 haben Sie statistisch noch 20 bis 25 Jahre Anlagehorizont. Das ist genug Zeit, um von Zinseszinseffekten zu profitieren, auch mit einer defensiveren Strategie. Wer jetzt anfängt, kann Rentenlücken schliessen und die Kaufkraft langfristig erhalten.

Wie viel Vermögen brauche ich im Alter?

Als Faustregel gilt: Sie benötigen rund 80 Prozent Ihres letzten Bruttoeinkommens, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. AHV und Pensionskasse decken in der Regel rund 60 Prozent ab. Die verbleibende Lücke von rund 20 Prozent füllen Sie mit privatem Vermögen, beispielsweise über die Säule 3a oder 3b. Wie sich Ihre Ausgaben mit der Pensionierung verändern, erfahren Sie im Artikel «Vermögen im Alter: So viel Geld benötigen Sie in der Rente».

Wie spare ich beim Bezug von Vorsorgegeldern?

Staffeln Sie Bezüge aus Pensionskasse und Säule 3a über mehrere Jahre. So vermeiden Sie eine hohe Steuerprogression und senken Ihre Steuerlast deutlich. Ob Rente oder Kapitalbezug für Sie sinnvoller ist, erfahren Sie im Artikel «Rente oder Kapitalbezug: Was ist besser?».