Geld anlegen für Anfänger: Wie gelingt der Einstieg?
Sie möchten Ihr Geld anlegen, haben aber kaum Erfahrung? Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Anfängerinnen und Anfänger das Thema Geldanlage in der Schweiz angehen können.
Der Einstieg in die Welt der Finanzmärkte wirkt auf den ersten Blick überwältigend. Doch Geld anlegen ist nicht nur Profis vorbehalten. Dieser Ratgeber zeigt, wie auch Anfängerinnen und Anfänger ohne Expertenwissen ihr Geld erfolgreich anlegen.
Wünschen Sie dennoch eine Beratung auf Ihrer Reise als Anlegerin oder Anleger? Wir begleiten Sie gerne – unkompliziert und unverbindlich.
Warum überhaupt Geld anlegen?
Es gibt drei Hauptgründe, um Geld zu investieren:
1. Sie möchten Vermögen aufbauen.
Die Geldanlage eröffnet Gewinnchancen. Anhaltend tiefe Zinsen machen Sparkonten bei der Bank unattraktiv – wer sein Geld vermehren möchte, muss es arbeiten lassen. Je früher Sie damit anfangen, desto besser: Ein langer Anlagehorizont ist einer der wichtigsten Faktoren für erfolgreiches Investieren.
2. Sie verfolgen konkrete finanzielle Ziele.
Sie liebäugeln mit einer Zweitausbildung, einer Weltreise oder einem Eigenheim? Vielleicht sparen Sie auch im Hinblick auf eine Familiengründung oder wünschen sich finanzielle Unabhängigkeit im Alter. Solche Träume können wahr werden: dank einer durchdachten Anlagestrategie, die Sie konsequent umsetzen.
3. Sie wollen der Inflation entgegenwirken.
Wohnraum, Energie, Lebensmittel – alles wird teurer, auch in der Schweiz. Dadurch schrumpft die Kaufkraft Ihres Ersparten. Passives Abwarten bedeutet, schleichenden Wertverlust in Kauf zu nehmen. Doch durch systematische und regelmässige Anlage wirken Sie dem Teuerungseffekt entgegen.
Welche Anlageform ist die richtige für mich?
Das kommt auf Ihre Vorlieben und Bedürfnisse an. Ob Aktien, Immobilien oder Rohstoffe, jede Anlageklasse hat Stärken und Schwächen. Wer sich nicht für eine bestimmte Anlageklasse entscheiden will, investiert am besten in Fonds oder ETFs. Dabei handelt es sich um einen Mix aus verschiedenen Anlageklassen – eine interessante Option, besonders für Einsteigerinnen und Einsteiger.
Was sind die Eigenschaften der wichtigsten Anlageklassen?
Die Tabelle zeigt zentrale Stärken und Schwächen der Anlageklassen im Überblick.
Anlageklassen im Überblick
| Anlage in | Hauptmerkmale | Stärken (Chancen) | Schwächen (Risiken) |
| Aktien | Eigentumsanteile an Unternehmen | Hohe Renditechancen, Inflationsschutz, Dividenden | Hohe Volatilität (Kursschwankungen), Verlustrisiken |
| Anleihen | Fremdkapital/Kredite (Rentenpapiere) | Regelmässige Zinseinkünfte (Coupon), geringeres Risiko als Aktien | Zinsänderungsrisiko, Bonitätsrisiko des Schuldners, geringere Rendite |
| Immobilien | Sachwert, direkt (Wohneigentum) oder indirekt (Immobilienfonds) | Inflationsschutz, laufende Mieteinnahmen, Wertsteigerungspotenzial | Geringe Liquidität, hohe Transaktionskosten, Klumpenrisiko |
| Rohstoffe | Physisch (z. B. Goldbarren) oder indirekt via Derivate (z. B. ETF auf Gold oder Öl) | Guter Inflationsschutz, Diversifikation (oft geringe Korrelation zu Aktien) | Keine laufenden Erträge (Zinsen/Dividenden), hohe Preisschwankungen |
| Geldmarkt | Sparkonto, Festgeldanlage, Barmittel | Höchste Sicherheit in der Schweiz (Einlagensicherung für Konten bis CHF 100'000), sehr hohe Liquidität | Kaum Rendite, Risiko des Kaufkraftverlusts durch Inflation |
Worum gehts beim magischen Dreieck?
Das magische Dreieck der Geldanlage beschreibt das Spannungsverhältnis zwischen den drei Zielen Rendite, Sicherheit und Liquidität – die sich gegenseitig beeinflussen und nie alle drei gleichzeitig optimal erfüllt werden können.
Welche Anlageform zu Ihnen passt, hängt also davon ab,
- wie viel Liquidität (Verfügbarkeit) Sie brauchen/wollen,
- wie viel Sicherheit (geringes Verlustrisiko) die Anlage bieten soll und
- wie viel Rendite (Gewinn) Sie von ihr erwarten.
Mit anderen Worten: Die perfekte Geldanlage gibt es nicht. Jede Anlage ist ein Kompromiss zwischen Liquidität, Sicherheit und Rendite, wobei Sie bei einem der drei Faktoren Abstriche machen müssen.
Beispiel 1: Sparkonto
Sie wollen ein geringes Risiko und eine hohe Verfügbarkeit. Dafür verzichten Sie auf eine hohe Rendite.
Beispiel 2: Immobilie
Sie entscheiden sich für eine höhere Rendite bei tieferem Risiko. Dafür verzichten Sie darauf, schnell über Ihre Investition verfügen zu können.
Beispiel 3: Kryptowährung
Ihnen sind eine hohe Rendite und gute Verfügbarkeit wichtig. Dafür nehmen Sie auch ein höheres Risiko in Kauf.
Soll ich lieber klassisch sparen oder investieren?
Das hängt von Ihrer finanziellen Gesamtsituation und von Ihren Bedürfnissen punkto Sicherheit, Rendite und Verfügbarkeit ab. Die folgende Tabelle beleuchtet die wichtigsten Vor- und Nachteile.
Sparkonto vs. Geldanlage
| Aspekt | Sparkonto auf einer Bank in der Schweiz | Geldanlage an den Finanzmärkten |
| Sicherheit / Risiko | Sehr sicher, keine Schwankungen, Einlagensicherung bis CHF 100’000 | Schwankungen möglich, höheres Risiko, keine Einlagensicherung |
| Rendite | Zins | Anlageerträge aufgrund von Aktienentwicklung und Dividendenzahlungen, abhängig von Märkten und Strategie |
| Inflation / Teuerung | Zins deckt Inflation oft nicht, Kaufkraft kann sinken | Bessere Chance, Teuerung langfristig auszugleichen |
| Zeithorizont | Kurzfristig, Notgroschen | Mittel- bis langfristig, Zeit gleicht Schwankungen eher aus |
| Verfügbarkeit | Hohe Verfügbarkeit | Eingeschränkte Verfügbarkeit, eignet sich eher für Vermögen ohne kurzfristigen Bedarf |
| Flexibilität / Streuung | Kaum Individualisierung | Anpassbar an Ziele und Risikoprofil, Diversifikation reduziert Risiko |
Wie gehe ich beim Geld anlegen vor?
Anfängerinnen und Anfänger können sich an diesem 5-Schritte-Plan orientieren.
1. Schritt: Grundlagen verstehen
Machen Sie sich mit den wichtigsten Begriffen und Mechanismen vertraut – insbesondere mit dem magischen Dreieck (siehe oben). Bauen Sie Ihr Wissen weiter aus.
2. Schritt: Ziele festlegen
Beantworten Sie für sich folgende Fragen:
- Wozu wollen Sie Ihr Kapital vermehren?
- Welchen Zielbetrag streben Sie an?
- Wann möchten Sie Ihr Ziel erreicht haben?
3. Schritt: Rahmen klären
Überlegen Sie sorgfältig, was in Ihrer Situation möglich und sinnvoll ist:
- Wie gross ist Ihre Risikobereitschaft?
- Welche Anlagedauer planen Sie und wie wichtig ist für Sie Verfügbarkeit?
- Was ist die Höhe der Investition, sprich, wie viel Geld können Sie regelmässig einzahlen?
4. Schritt: Anlageformen wählen
Wer bei der Wahl von Anlageformen noch unsicher ist, erleichtert sich den Einstieg mit Fonds oder einer Vermögensverwaltung.
- Fonds sind Anlageprodukte, bei denen das Geld vieler Anlegerinnen und Anleger zusammengefasst und professionell investiert wird. Dabei wird unterschieden zwischen passiv gemanagten ETFs oder Indexfonds (günstig) und aktiv gemanagten Anlagefonds (höhere Gebühren).
- Vermögensverwaltung bedeutet die individuelle Betreuung und Steuerung Ihres gesamten Vermögens durch eine professionelle Verwaltung.
Ob Fonds oder Vermögensverwaltung: Das Ziel ist immer eine breite Diversifikation. Das heisst, viele verschiedene Anlagen werden gebündelt, um ein Klumpenrisiko zu verhindern (siehe Infobox).
5. Schritt: Dranbleiben
Erfolgreiches Anlegen erfordert vor allem Geduld. Langfristiges und kontinuierliches Investieren hilft dabei, Marktschwankungen auszugleichen und das Vermögen stetig aufzubauen.
- Prüfen Sie bei Bedarf Ihre Strategie: Besonders dann, wenn sich Ihre Lebensumstände oder Ihre Ziele ändern, stellt sich die Frage: Passt die gewählte Anlagestrategie noch?
- Profitieren Sie vom Zinseszinseffekt: Die erzielten Zinsen werden laufend wieder investiert und erzielen ihrerseits Zinsen – auf Dauer wächst Ihr Vermögen exponentiell.
- Nutzen Sie den Durchschnittspreiseffekt: Regelmässiges Investieren bei unterschiedlichen Kursen senkt langfristig die durchschnittlichen Anschaffungskosten.
Was bedeutet Diversifikation?
Diversifikation (oder Diversifizierung) ist Risikostreuung: Man investiert in verschiedene Anlagen innerhalb einer Anlageklasse und zwischen verschiedenen Klassen. Ziel ist, das Risiko zu minimieren und trotzdem Gewinne zu erzielen. Weil die Diversifikation einer Geldanlage so wichtig ist, widmen wir diesem Thema einen eigenen Blogartikel.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich auch mit wenig Geld investieren?
Ja, auf jeden Fall. Über einen ausreichenden Zeithorizont lohnen sich auch betraglich bescheidene Investitionen – wenn sie regelmässig getätigt werden. Mehr zu diesem Thema lesen Sie in unserem Blogbeitrag zum Thema «Investieren mit wenig Geld».
Welche Geldanlage ist für Anfänger am besten?
Berücksichtigen Sie am besten einen Fonds oder ETF. Diese Art der Anlage ist einfach, kostengünstig und risikoarm, da die Diversifikation sichergestellt ist.
Welche Fehler sollte ich beim Geld anlegen vermeiden?
Die häufigsten Fehler, die beim Anlegen gemacht werden, sind:
- Keine klare Strategie. Ermitteln Sie im Rahmen einer Beratung oder mittels Fragebogen, welche Anlagestrategie zu Ihnen und Ihrer Situation passt – und bleiben Sie dabei. Zumindest so lange, wie Ihre Bedürfnisse sich nicht massgeblich ändern.
- Zu viel Aktivismus. «Hin und Her macht die Taschen leer.» Sitzen Sie kurzfristige Schwankungen gelassen aus, anstatt überstürzt zu verkaufen. Geduld zahlt sich auf lange Sicht fast immer aus.
- Zu wenig Diversifikation. Damit gehen Sie unnötig hohe Risiken ein. Achten Sie von Anfang an auf ein ausgeglichenes Portfolio. Bei Fonds und ETFs ist eine angemessene Risikostreuung bereits gegeben.
Fazit: Der Einstieg ist einfacher als gedacht
Geldanlage muss kein kompliziertes Thema sein. Wer sich frühzeitig informiert und schrittweise startet, schafft gute Voraussetzungen für den langfristigen Vermögensaufbau. Wichtig ist, Chancen und Risiken realistisch abzuwägen und eine Lösung zu wählen, die zur eigenen Situation passt. Wenn dieser Beitrag etwas Orientierung gegeben hat, ist ein erster Schritt bereits getan.