Sabbatical: Was Arbeitnehmende und Arbeitgebende wissen sollten
Druck im Job, familiäre Verpflichtungen oder das Bedürfnis nach Selbstfindung: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer spüren den Wunsch nach einer Pause vom Berufsalltag. Ein Sabbatical bietet die Möglichkeit, den Fokus neu auszurichten und Energie zu tanken.
Ein Sabbatical bringt neue Chancen, aber auch Fragen zu Vorsorge und Versicherung. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Pause vom Job sorgenfrei gestalten – und sich gemäss Ihren Bedürfnissen absichern.
Was ist ein Sabbatical?
Ein Sabbatical ist eine längere, geplante Auszeit vom Job. Sie machen diese Pause freiwillig und in Absprache mit Ihrer Arbeitgeberin bzw. Ihrem Arbeitgeber. Viele sprechen auch von einem Sabbatjahr oder einem Sabbatical-Jahr, selbst wenn sie sich nur für beispielsweise sechs Monate ins Sabbatical verabschieden. Auch eine kürzere Dauer, etwa ein Monat oder drei Monate, sind bei einem Sabbatical möglich. Ziele können Erholung, persönliche Weiterentwicklung oder neue Erfahrungen ausserhalb des Arbeitsalltags sein.
Welche Vorteile hat ein Sabbatical?
Ein Sabbatical bietet Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Auszeit vom Beruf und schafft Abstand zum Arbeitsalltag. Die Pause kann die Gesundheit stärken, neue Perspektiven fördern und die Motivation erhöhen. Dank erholter und engagierter Mitarbeitender profitieren also auch Unternehmen vom Sabbatical.
Welche Vorteile hat ein Sabbatical für Arbeitnehmende?
- Erholung und Gesundheit: Viele Arbeitnehmende kehren nach dem Sabbatical mental erholt und körperlich stabiler an den Arbeitsplatz zurück.
- Neue Perspektiven: Mit einem veränderten Blick auf Arbeit und persönliche Ziele erkennen Sie, was Ihnen im Berufsalltag wichtig ist oder sich ändern sollte.
- Persönliche Entwicklung: Ein Sabbatical bietet Zeit für Weiterbildung, die Entwicklung neuer Fähigkeiten oder für Projekte zur Selbstverwirklichung.
- Zeit für Familie und Alltag: Für viele bedeutet ein Sabbatical bewusste Entschleunigung im Alltag und mehr Raum für Familie, Beziehungen und persönliche Themen.
Welche Vorteile hat ein Sabbatical für Arbeitgebende?
- Höhere Motivation: Mitarbeitende kehren oft motivierter und mit neuer Energie in den Job zurück – ein Plus für Leistung, Produktivität und Engagement.
- Stärkere Mitarbeiterbindung: Die Möglichkeit zur Auszeit macht Kündigungen unwahrscheinlicher und erhöht die Loyalität gegenüber dem Unternehmen.
- Attraktivität des Unternehmens: Sabbatical-Modelle verbessern das Image eines Unternehmens und können besonders für Fachkräfte attraktiv sein.
- Prävention von Ausfällen: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber investieren aktiv in die Gesundheit ihrer Belegschaft und vermeiden langfristige Krankheitsausfälle.
Welche Nachteile hat ein Sabbatical?
Neben vielen Vorteilen bringt ein Sabbatical auch finanzielle und organisatorische Nachteile mit sich. Eine gute Vorabplanung ist daher sowohl für Arbeitnehmende als auch für Arbeitgebende wichtig.
Welche Nachteile hat ein Sabbatical für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer?
- Einkommensausfall: Während eines Sabbaticals fliesst oft kein oder nur ein reduzierter Lohn.
- Auswirkungen auf die Vorsorge: Durch fehlende Beiträge an die Pensionskasse und an die AHV wächst das Risiko einer Vorsorgelücke.
- Bremse für die Karriere: Eine längere Pause kann Ihre Sichtbarkeit im Unternehmen senken und die berufliche Weiterentwicklung verzögern.
- Veränderungen im Job: Während Ihrer Pause entwickeln sich Strukturen, Teams oder Aufgaben weiter. Dies kann Ihre Rückkehr in den Arbeitsalltag erschweren.
Welche Nachteile hat ein Sabbatical für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber?
- Personelle Engpässe: Teams müssen Aufgaben zusätzlich übernehmen oder externe Unterstützung organisieren.
- Zusätzliche Kosten: Vertretungen verursachen Kosten für Rekrutierung, Einarbeitung oder temporäre Einsätze.
- Organisatorischer Mehraufwand: Ein Sabbatical verlangt klare Regeln, Absprachen und Planung sowie Zeit für Koordination und Übergaben.
- Wissensverlust auf Zeit: Das Fachwissen pausierender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht während der Pause nicht zur Verfügung.
Was sind die rechtlichen Regelungen für Sabbaticals in der Schweiz?
In der Schweiz gibt es keine gesetzliche Regelung für Sabbaticals. Das bedeutet: Sabbaticals basieren immer auf freiwilligen Vereinbarungen zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden. Sie haben also keinen Anspruch auf ein Sabbatical wie auf Ferien oder Mutterschaftsurlaub.
Wie lässt sich ein Sabbatical vertraglich regeln?
Individuelle vertragliche Regelungen für ein Sabbatical sind möglich, beispielsweise über Ihren Einzelarbeitsvertrag. In grösseren Unternehmen finden sich Regelungen ausserdem manchmal im Personalreglement bzw. in internen Betriebsvereinbarungen. Nur selten enthalten Gesamtarbeitsverträge (GAV) verbindliche Sabbatical-Regelungen.
Wichtig ist ein schriftlicher Vertrag oder Zusatz zum Arbeitsvertrag. Dieser sollte Punkte wie Beginn und Dauer der Auszeit, Lohnregelung, Weiterführung der Versicherungen (AHV, Pensionskasse, Unfallversicherung) und die Rückkehr in den Job genau definieren. Auch Regelungen zur Stellvertretung und zu allfälligen Kündigungsfristen vor oder nach dem Sabbatical gehören dazu.
Sabbatical beantragen: Was ist zu beachten?
Die Gewährung eines Sabbaticals liegt im Ermessen der Arbeitgeberin bzw. des Arbeitgebers. Wenn Sie Ihre Auszeit beantragen, sollten Sie daher Ihre Gründe, Vorschläge zur Aufgabenübergabe und einen klaren Zeitplan nennen.
Welche Möglichkeiten gibt es, ein Sabbatical zu nutzen?
Ob gesundheitliche Gründe, der Wunsch nach Selbstverwirklichung oder Fernweh, ob Ihr Sabbatical ein Jahr dauern soll oder «nur» zwei Monate: Ihre Beweggründe und die Dauer der Auszeit entscheiden, wie Sie Ihr Sabbatical gestalten. Sie können zum Beispiel ...
- ... ins Ausland reisen: Viele nutzen die Auszeit für einen ausgedehnten Urlaub oder längere Reisen – etwa durch Südamerika, Asien oder mit dem Camper durch Europa.
- ... studieren oder sich weiterbilden: Ein Sabbatical eignet sich gut für gezielte Weiterbildung. So erweitern Sie nicht nur Ihr Wissen, sondern stärken auch Ihre beruflichen Chancen.
- ... Freiwilligenarbeit übernehmen: Sich sozial zu engagieren – zum Beispiel in einem Hilfsprojekt oder bei einer Umweltorganisation –, bringt Sinn und neue Erfahrungen.
- ... etwas für die Gesundheit tun: Sie können das Sabbatical nutzen, um beispielsweise mit einer Kur oder Therapie Kraft zu tanken und Ihr Wohlbefinden zu verbessern.
- ... persönliche Ziele verfolgen: Die Pause vom Job schafft Raum für Kinder, pflegebedürftige Angehörige oder eigene Vorhaben wie das Schreiben eines Buchs, einen Umbau oder Digital Detox.
- .. sich beruflich neu orientieren: Wer über einen Stellenwechsel oder eine Selbstständigkeit nachdenkt, findet im Sabbatical Zeit für Reflexion und Planung.
Was sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beim Thema Sabbatical beachten?
Ein Sabbatical bringt viele Chancen, erfordert aber auch gute Vorbereitung. Mit den folgenden Tipps vermeiden Sie finanzielle und organisatorische Überraschungen.
- Planen Sie frühzeitig.
Sprechen Sie Ihr Vorhaben so bald wie möglich mit Ihrer Arbeitgeberin oder Ihrem Arbeitgeber ab. So bleibt genug Zeit für Absprachen, Vertretung und Vertrag. - Klären Sie den Versicherungsschutz.
Während eines unbezahlten Sabbaticals entfällt oft der Schutz durch Unfall-, Krankentaggeld- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Kümmern Sie sich rechtzeitig um eine freiwillige Weiterversicherung sowie den Abschluss einer Abredeversicherung. - Behalten Sie Ihre Altersvorsorge im Blick.
Ohne Gehalt fehlen Beiträge an die Pensionskasse und AHV. Lücken können Sie zum Beispiel durch einen Einkauf in die Pensionskasse oder private Vorsorge vorbeugen. - Sichern Sie Ihre Finanzen ab.
Berechnen Sie alle Fixkosten während der Auszeit und budgetieren Sie vorausschauend. Ausreichende Rücklagen geben Ihnen Sicherheit und Flexibilität. - Halten Sie alles schriftlich fest.
Regeln Sie Dauer, Lohn, Versicherungen und Rückkehr schriftlich mit Ihrer Arbeitgeberin bzw. Ihrem Arbeitgeber. Dadurch vermeiden Sie Missverständnisse und falsche Erwartungen.
Sabbatical: Tipps für Arbeitgebende
Auch für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gibt es verschiedene Punkte rund ums Sabbatical zu bedenken und zu berücksichtigen. Klare Planung schützt den Betrieb und stärkt gleichzeitig die Beziehung zu den Mitarbeitenden.
- Schaffen Sie klare interne Regelungen.
Einheitliche Vorgaben schaffen Transparenz. Ihre Mitarbeitenden sollten wissen, was in Sachen Sabbatical möglich ist und wie die Beantragung abläuft. - Planen Sie die Stellvertretung mit Vorlauf.
Organisieren Sie rechtzeitig, wer welche Aufgaben während der Auszeit übernimmt. So sichern Sie die Kontinuität im Team und vermeiden Engpässe. - Klären Sie die Finanzierung.
Je nach Modell entstehen Kosten für Lohnfortzahlung, Sozialabgaben oder externe Vertretung. Prüfen Sie diese Punkte sorgfältig und budgetieren Sie realistisch. - Legen Sie die Erreichbarkeit fest.
Bestimmen Sie gemeinsam, ob und in welchem Umfang Sie Mitarbeitende während des Sabbaticals kontaktieren dürfen – zum Beispiel bei Notfällen oder dringenden Entscheidungen. - Bereiten Sie die Rückkehr gut vor.
Planen Sie früh, wie und wann Ihre Mitarbeitenden in den Job zurückkehren. Ein Wiedereinstiegsgespräch und klare Aufgaben helfen beim erfolgreichen Übergang zurück in den Arbeitsalltag.
Welche Sabbatical-Modelle gibt es?
Für ein Sabbatical gibt es verschiedene Modelle, je nach Branche, Unternehmensgrösse und persönlicher Situation. Jedes Modell hat eigene Vor- und Nachteile – vor allem in Bezug auf Lohn, Versicherung und Rückkehr in den Job.
| Modell | Kurzbeschreibung | Lohn während der Auszeit | Rückkehr in den Job möglich | Besonderheiten | Versicherung |
| Unbezahlter Urlaub | Die bzw. der Arbeitgebende bewilligt eine Auszeit, zahlt aber keinen Lohn. | Nein. | Ja, wenn schriftlich geregelt. | Sozialversicherungen müssen in der Regel selbst weitergeführt werden. | AHV, IV, ALV und Pensionskasse sind nicht gedeckt; freiwillige Weiterversicherung nötig. |
| Lohnverzicht / Zeitwertkonto | Sie arbeiten vorher mehr oder verzichten auf Lohnanteile, um später bezahlt freizunehmen. | Ja, gestaffelt angespart. | Ja. | Oft nur in grösseren Unternehmen mit entsprechenden Regelungen umsetzbar. | Sozialversicherungen bleiben aktiv, da das Arbeitsverhältnis weiterläuft. |
| Überstunden-/ Ferienabbau | Angesparte Überstunden oder Ferien werden am Stück bezogen. | Ja, gemäss geleisteter Arbeit. | Ja. | Für kürzere Auszeiten geeignet, bei guter Planung einfach umsetzbar. | Versicherungen bleiben in Kraft, da das Arbeitsverhältnis nicht unterbrochen wird. |
| Kündigung / Freistellung | Sie kündigen selbst oder erhalten eine Freistellung für die Dauer der Auszeit. | Je nach Vereinbarung. | Nein, kein Anspruch auf Rückkehr. | Hohe Eigenverantwortung und Risiko, aber volle Freiheit in der Auszeitgestaltung. | Kein Versicherungsschutz über die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber; private Absicherung nötig. |
| Teilzeitmodell | Sie reduzieren Ihre Arbeitszeit über längere Zeiträume oder blockweise. | Ja, anteilig. | Ja. | Flexibel und langfristig planbar, aber mit reduziertem Einkommen verbunden. | Sozialversicherungen laufen weiter, aber Leistungen richten sich nach dem Lohn. |
Fazit: Sabbatical vorausschauend planen und bestmöglich nutzen
Eine längere Auszeit vom Job kann neue Perspektiven eröffnen und zu mehr Lebensqualität führen. Entscheidend sind eine frühzeitige Planung, klare Absprachen und ein realistischer Blick auf finanzielle sowie rechtliche Rahmenbedingungen. Von Erholung über Weiterbildung bis hin zu persönlichen Projekten: Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie die Bedürfnisse. Verschiedene Sabbatical-Ideen sowie flexible Arbeitszeitmodelle unterstützen dabei, Berufs- und Privatleben in Einklang zu bringen. So können Sie Ihre Auszeit geniessen und langfristig davon profitieren.
Häufige Fragen zum Thema Sabbatical
Wie früh sollte ich mit der Planung eines Sabbaticals beginnen?
Starten Sie idealerweise 6 bis 12 Monate im Voraus mit der Planung. So bleibt genügend Zeit für Gespräche, Organisation und finanzielle Vorbereitung.
Wie wird ein Sabbatical im Arbeitsvertrag festgehalten?
Die Vereinbarung erfolgt meist in Form eines Vertragszusatzes. Darin stehen Dauer, Lohnregelung, Infos zu Sozialversicherungen und Rückkehrbedingungen.
Bin ich während eines Sabbaticals weiterhin sozialversichert?
Ihr Versicherungsstatus hängt vom gewählten Modell und der allfälligen Lohnfortzahlung ab. Im Fall von unbezahltem Urlaub ruht der Versicherungsschutz beispielsweise oft. Bei weiterlaufendem Arbeitsverhältnis bleiben AHV, Pensionskasse und Unfallversicherung hingegen meist aktiv.