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Ablenkung am Steuer: die rechtlichen Folgen eines Unfalls

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Ablenkung am Steuer gilt als häufigste Ursache für Verkehrsunfälle. Doch was gilt im Strassenverkehr als Ablenkung und mit welchen rechtlichen Folgen muss man rechnen? Diese und andere spannende Fragen beantwortet Cyril Senn, Jurist und Verkehrsexperte der AXA-ARAG, im Interview.

Darf ich am Steuer ungestraft einen Bissen Sandwich essen?

In der Praxis gilt alles als Ablenkung, was die Aufmerksamkeit auf der Strasse beeinträchtigt. Im juristischen Sinn bedeutet Ablenkung zum Beispiel das Tippen oder Lesen von Nachrichten oder die Suche nach dem richtigen Radiosender.

Essen während des Fahrens ist aber erlaubt. Solange eine Hand während dem Verzehr des Sandwiches am Lenkrad bleibt und die Aufmerksamkeit auf die Strasse gerichtet ist, dürfen Sie ein Sandwich beim Autofahren essen. Wer aber seine Haare kämmt oder den Lippenstift nachzieht und dabei länger in den Rückspiegel schaut, macht sich strafbar. 

Sie müssen Ihr Fahrzeug zu jeder Zeit beherrschen. Gemäss Gesetz dürfen Sie während des Fahrens nichts tun, das Ihnen das Bedienen Ihres Fahrzeugs erschwert. Oder anders gesagt: Sie müssen Ihre gesamte Aufmerksamkeit der Strasse widmen – und dürfen sich nicht von Ihrem Smartphone oder dem Infosystem Ihres Autos ablenken lassen. 

Gilt zu schnelles Fahren auch als Ablenkung?

Nein, das Überschreiten des Tempolimits hat zwar auch eine Strafe zur Folge, gehört aber nicht zur Ablenkung im Sinne des Verkehrsrechts. Wer aber zu schnell fährt und dazu noch abgelenkt ist, erhöht das Unfallrisiko massiv. Die Kombination von überhöhter Geschwindigkeit und der Nutzung elektronischer Geräte wie Smartphones ist sehr riskant. Damit gefährdet die Fahrerin oder der Fahrer nicht nur sich selbst, sondern auch die Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmender. 

Mit welchen Bussen muss ich bei Ablenkung am Steuer rechnen?

Bei der Höhe der Strafe kommt es darauf an, welche Folgen die Verkehrsregelverletzung hatte. Grundsätzlich wird mangelnde Aufmerksamkeit mit einer Busse bestraft. Bei besonders rücksichtslosem Verhalten am Steuer droht neben einer Geldstrafe ein Strafregistereintrag. Dazu können etwa die Handynutzung in der Nähe einer Schule oder eines Fussgängerstreifens gehören. Oder Situationen, in denen die Unaufmerksamkeit gravierende Folgen hat, wie einen Totalschaden oder Verletzte.

Steht dabei auch mein Fahrausweis auf dem Spiel?

Das hängt davon ab, wie gravierend der Fall ist. Grundsätzlich ist von einer Verwarnung bis zu einem mindestens dreimonatigen Ausweisentzug alles möglich. Ein Unfall durch mangelnde Aufmerksamkeit am Steuer kommt Sie also nicht nur teuer zu stehen, gemäss Verkehrsrecht kann Ablenkung beim Autofahren auch Ihren Fahrausweis kosten.

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    Cyril Senn

    Cyril Senn ist Jurist bei der AXA-ARAG und Experte für alle Themen rund um das Straf- und Verkehrsrecht.

Welche Bussen erwarten «Gaffer», die Rettungsfahrzeuge behindern oder die Unfallstelle fotografieren?

Es gibt keinen generellen Tatbestand des «Gaffens». Wer sich aber beim Vorbeifahren nicht auf die Strasse konzentriert, sondern sich vom Geschehen am Unfallort ablenken lässt, verstösst gegen die Verkehrsregeln. Denn als Verkehrsteilnehmerin oder -teilnehmer sind Sie verpflichtet, Ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Strasse zu richten. Daher ist es auch nicht erlaubt, die Unfallstelle zu fotografieren: Auch hierbei sind Sie vom Verkehr abgelenkt.

Für Fussgängerinnen und Fussgänger gilt: Sie dürfen die Einsatzkräfte nicht behindern und müssen den Anweisungen der Polizei Folge leisten.

Das Strafmass bei Nichtbeachten dieser Verkehrsregeln reicht von einer Busse bis hin zu Geldstrafen inklusive Strafregistereintrag.

Gibt es seit der Einführung von Kommunikations- und Informationstechnologien mehr Unfälle durch Ablenkung?

Gemäss Bundesamt für Statistik sind die Unfälle wegen Unaufmerksamkeit zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2015 eher zurückgegangen. Seit 2016 ist die Tendenz leicht steigend. Die Statistik lässt allerdings keine Rückschlüsse zu, inwiefern Handys oder andere moderne Technologien Grund für die Unaufmerksamkeit waren.

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