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Piste und Tiefschnee: Wie gross darf das Risiko sein?

Bild: KEYSTONE-SDA
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Wer beim Skifahren zu viel wagt, nimmt auch finanziell ein grosses Risiko in Kauf. Bei grobfahrlässigem Verhalten kann die Unfallversicherung Leistungen kürzen. Dazu gehört nicht nur zu waghalsiges Tiefschneefahren, sondern auch Raserei auf der Piste oder eine Spassabfahrt nach zu vielen Kafi Lutz.

Tiefschneefahren auf unberührten Hängen – das ist nicht nur für Freeriderinnen und Tourenskifahrer das Grösste, sondern auch für viele Gelegenheitsskifahrer. Diese Freude soll man sich auch nicht nehmen lassen. Doch wichtig ist, die Risiken zu kennen – vor allem wenn man zu jenen gehört, die es gerne etwas schneller oder abenteuerlicher mögen. Doch welches Risiko ist noch vertretbar, wann ist die Grenze überschritten? Und wann zahlt die Versicherung, wann muss man mit Leistungskürzungen rechnen?

Die gute Botschaft: Die Heilungskosten übernimmt die Unfallversicherung immer, auch wenn man abseits der Piste verunfallt ist. Das sind sämtliche Kosten für Rettung, Behandlung, Medikamente und Transporte. Normalerweise bezahlt die obligatorische Unfall-Versicherung zusätzliche Geldleistungen wie etwa Taggelder. Dies sind 80 Prozent des Lohns, wenn man nach einem Unfall nicht gleich wieder arbeiten kann. Ist man jedoch ein allzu grosses Risiko eingegangen, kann die Versicherung die Taggelder wegen Grobfahrlässigkeit während maximal zwei Jahren kürzen oder bei Eingehen eines sogenannten Wagnisses Geldleistungen wie beispielsweise Renten kürzen oder gar verweigern.

Jeder Skiunfall ist ein Einzelfall

Ob und wie hoch die Leistungskürzung ausfällt, kommt immer auf die genauen Umstände an. «Wenn eine routinierte Skifahrerin bei schönem Wetter ein paar Schwünge im Pulverschnee geniesst und unglücklich stürzt, wird es nicht zu einer Leistungskürzung kommen. Wenn aber eine unerfahrene Skifahrerin bei hoher Lawinengefahr die Piste verlässt und in ein Schneebrett gerät, muss sie tatsächlich mit einer Leistungskürzung rechnen», erklärt Martin Schmid, Leiter Leistungen Unfall und Krankentaggeld bei der AXA.

Das kommt zwar eher selten vor. Doch für Betroffene kann das eine erhebliche finanzielle Einbusse bedeuten, die weh tut. Umso mehr, wenn beim Skiunfall noch jemand Drittes verletzt worden ist. Denn auch die Haftpflichtversicherung, die grundsätzlich für sämtliche Schäden, die man einem anderen verursacht, aufkommt, kann die Leistungen kürzen.

Absicherung für Tourenfahrer

Wenn Tourenfahrerinnen und -fahrer abseits der Piste eine Lawine auslösen, so haften sie für allfällige Schäden, welche diese verursacht, und zwar sowohl für Sach- als auch Personenschäden. Die Kosten übernimmt dann ihre Privathaftpflichtversicherung, es sei denn, es wird ein grobes Verschulden nachgewiesen. Dann kann es unter Umständen zu einer Grobfahrlässigkeitskürzung kommen. Grobfahrlässig handelt, wer elementarste Vorsichtsregeln missachtet.

Bei heiklen Verhältnissen und in exponiertem Gelände sollen sich Tourenfahrerinnen und -fahrer nur unter Anleitung einer sehr erfahrenen Person abseits gesicherter und geöffneter Pisten bewegen. So haben sie Gewähr, dass bei einem allfälligen Zwischenfall ihre Privathaftpflichtversicherung – falls ihnen persönlich doch noch ein Vorwurf zu machen ist – den Schaden übernimmt.

«Bei einem Skiunfall kommen viele Faktoren zusammen. Es wird daher jeder Fall einzeln beurteilt», so Schmid. Ausschlaggebend sind die Wetter- und Schneeverhältnisse zum Zeitpunkt des Unfalls, die Fahrweise, die Gefährlichkeit der Abfahrt, die Ausrüstung, die Routine und Vorkenntnisse der Person und ob es zum Zeitpunkt des Unfalls Lawinenwarnungen oder sonstige Warnhinweise gab. «Wichtig ist, dass man Warnhinweise ernstnimmt und die Route dem eigenen Können anpasst», so Martin Schmid.

Auch auf der Piste gelten Regeln

Was vielen nicht bewusst ist: Auch auf der Piste kann es zu Leistungskürzungen kommen, wenn man zu risikoreich unterwegs ist. «Eine krass zu schnelle oder völlig rücksichtslose Fahrweise wird bei der Unfallversicherung als grobfahrlässiges Verhalten erachtet, auch auf der Piste», erklärt Martin Schmid. Zwar gibt es auf der Piste keine Tempolimits und oft weiss man als Skifahrer gar nicht, wie schnell man tatsächlich den Berg runtersaust. «Vernunft und gesunder Menschverstand sind die besten Ratgeber», so Schmid.

Generell gilt: wer die 10 FIS-Regeln in schwerwiegender Weise missachtet, handelt grobfahrlässig und kann für einen Teil der Schadenkosten zur Kasse gebeten werden. Die FIS-Regeln sind zwar kein Gesetz, aber dennoch verbindlich. Kommt es nach einem Skiunfall zu einem Gerichtsverfahren, stützen sich auch Richter bei der Klärung der Schuldfrage auf die FIS-Regeln und überprüfen einen allfälligen Verstoss anhand von Zeugenaussagen, Unfallprotokollen und anderen Beweismitteln.

Kein Freipass für Après-Skifahrer

Auch das Skifahren nach mehreren Kafi Schnaps kann als grobfahrlässige Handlung beurteilt werden. Kontrollen gibt es auf den Pisten zwar keine – doch das sollte man nicht als Freipass sehen. Schon wenig Alkohol schränkt das Blickfeld ein, sodass andere Personen auf der Piste und Gefahren eher übersehen werden. Zudem fährt man alkoholisiert eher schneller und neigt dazu, das eigene Können zu überschätzen – eine gefährliche Kombination. «Auch hier sollte man das Risiko auf ein vernünftiges Mass reduzieren und entweder auf Alkohol verzichten oder nach dem Après-Ski mit der Gondel zurück ins Tal.»

Welche Versicherungen brauchen Skifahrer?

Privathaftpflichtversicherung

Als Skifahrerin und -fahrer haftet man für alle Schäden, die man einer anderen Person zufügt. Beispielsweise dann, wenn man aus Versehen eine andere Person anfährt und diese dabei verletzt wird. Gerade Personenschäden können teuer werden – neben Unfall- und Heilungskosten muss man unter Umständen auch den Lohnausfall der verletzten Person bezahlen, wenn diese aufgrund des Unfalls erwerbsunfähig wird. Mit einer Privathaftpflicht-Police übernimmt die Versicherung die Kosten für den Schaden.

Die Privathaftpflichtversicherung kommt auch zum Zug, wenn zum Beispiel gemietete Ski beschädigt oder gestohlen werden. Gerade Skifahrerinnen und -fahrer sollten darauf achten, dass auch grobfahrlässig verursachte Schäden mitversichert sind. Ansonsten kann die Versicherung, wenn man beispielsweise zu schnell in unübersichtlichem Gelände unterwegs war, die Schadenzahlung kürzen.

Hausratversicherung

Werden die eigenen Ski geklaut, unterscheidet man bei der Versicherung zwischen Diebstahl zu Hause und Diebstahl auswärts. Diebstahl zu Hause ist mit der Grunddeckung der Hausratversicherung gedeckt. Hat man «einfachen Diebstahl auswärts» in der Hausrat-Police miteingeschlossen, zahlt die Versicherung auch für Ski, die unterwegs oder im Ski-Gebiet gestohlen werden. In der Hausratversicherung gilt üblicherweise ein Selbstbehalt von 200 Franken.

Sportgeräteversicherung

Für teure Sportgeräte wie Ski und Snowboards, aber auch Mountainbikes oder Tauchausrüstungen kann eine Sportgeräteversicherung sinnvoll sein. Diese kann entweder mit der Hausratversicherung kombiniert oder separat abgeschlossen werden. Sie schützt Ski, Snowboards & Co. generell gegen Diebstahl, Verlust und Beschädigung – egal ob selbst- oder fremdverschuldet. Die Versicherung greift auch bei Skibruch nach einem Sturz.

Unfallversicherung

Wenn man selber auf der Piste stürzt, kommt die obligatorische Unfallversicherung oder Krankenversicherung für die Unfall- und Heilungskosten auf. Wer in der Schweiz mehr als acht Stunden pro Woche bei einer Firma arbeitet, ist automatisch über den Arbeitgeber auch gegen Nichtberufsunfälle versichert. Mit einer Unfallzusatzversicherung kann man sich gegen allfällige Leistungskürzungen wegen Grobfahrlässigkeit oder Eingehen eines Wagnisses zusätzlich absichern. Selbständigerwerbende, Kinder, Studierende, Pensionierte und Erwerbslose haben eine Unfalldeckung über ihre obligatorische Krankenversicherung abzuschliessen. Ist man über die Krankenkasse (KVG) unfallversichert, so gelten teilweise andere Bestimmungen als bei der Unfallversicherung. So zahlt die Krankenversicherung beispielsweise für Rettungen in der Schweiz 50 Prozent der Kosten, während die Unfallversicherung nach UVG diese Kosten vollständig übernimmt. Für Such- und Bergungsaktionen sind die KVG-Leistungen zudem auf einen jährlichen Maximalbetrag von 5000 Franken begrenzt.

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