Vorsorge & Gesundheit

Partnerschaft: Ja, ich will – oder doch nicht?

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Willst du mich heiraten? Auch wenn sich die Liebenden im Moment der entscheidenden Frage kaum Gedanken um ihre Vorsorge machen, so hat eine Heirat doch erheblichen Einfluss auf Altersvorsorge, Steuern und Erbe. 

Es ist nur ein Ring am Finger – ein kurzes «Ja, ich will». Und doch verändern diese drei Worte so einiges. Dies zeigt sich vor allem beim Thema Vorsorge in der 1., 2. und 3. Säule. So romantisch die Liebe auch sein kann – so nüchtern zeigt sie sich auf dem Papier. Während die Ehe dem Eherecht unterliegt, ist das Konkubinat hingegen kaum gesetzlich geregelt. Entsprechend sind sich Konkubinatspaare und Ehepaare in vielerlei Hinsicht nicht gleichgestellt. Eingetragene Partnerschaften gleichgeschlechtlicher Paare werden in der Vorsorge gleich behandelt wie Ehepaare, weshalb sie im Folgenden nicht separat erwähnt werden. Ob die Ehe oder das Konkubinat für ein Paar besser geeignet sind, kommt ganz auf deren persönliche Situation an. Beide Formen des Zusammenlebens haben ihre Vor- und Nachteile. «Hat das Konkubinat insbesondere steuertechnisch oft finanzielle Vorteile, so häufen sich die Stolpersteine, sobald Kinder da sind, jemand Teilzeit arbeitet oder es zum Todesfall eines Partners kommt,» so Isabelle Näf, Rechtsspezialistin bei der AXA-ARAG.

 

«Hat das Konkubinat insbesondere steuertechnisch oft finanzielle Vorteile, so häufen sich die Stolpersteine, sobald Kinder da sind, jemand Teilzeit arbeitet oder es zum Todesfall eines Partners kommt.»

Isabelle Näf, Expertin für Ehe- und Familienrecht bei der AXA-ARAG

Viele dieser Stolpersteine kann man jedoch mit individuellen vertraglichen Lösungen weitestgehend aus dem Weg schaffen. Dazu braucht es aber einen Mehraufwand, Vertrauen in den Partner und Konfliktfähigkeit. Sinnvoll ist in jedem Fall, wenn man sich dabei juristisch beraten lässt.   

Die AHV-Falle für Verheiratete

Der wohl grösste Unterschied beim Zivilstand zeigt sich erst nach der Pensionierung – nämlich bei der AHV. Diese betrachtet Konkubinatspaare konsequent als Einzelpersonen, was dazu führt, dass diese bei der Pensionierung einen Anspruch auf die maximale AHV-Rente von bis zu CHF 28'440 pro Person haben. Im Konkubinat lebende Paare erhalten damit bis zu CHF 56'880 pro Jahr. Bei verheirateten Personen hingegen darf die Summe der beiden Einzelrenten nicht höher sein als 150 Prozent der Maximalrente für Alleinstehende. Durch die Eheschliessung reduziert sich also die jährliche AHV-Rente um bis zu CHF 14'220 auf CHF 42'660 für beide Ehegatten zusammen.

 

«Durch den Trauschein gewinnen die Ehepaare zwar Sicherheit, büssen in der AHV aber jährlich bis zu CHF 14'220 ein.»

Isabelle Näf, Expertin für Ehe- und Familienrecht bei der AXA-ARAG

Besser abgesichert ist man als verheiratetes Paar in der AHV hingegen im Todesfall. Der hinterbliebene Ehepartner erhält Hinterlassenenleistungen aus der 1. Säule. Konkubinatspaare gehen hier leer aus und können sich in der 1. Säule auch nicht mit einem Testament begünstigen.  

Finanzielle Sicherheit in der Vorsorge

Nicht umsonst spricht man vom «sicheren Hafen der Ehe». Diese Redewendung gilt wortwörtlich auch in der Vorsorge. Insbesondere im Hinblick auf Todesfall und Erbrecht bringt eine Heirat mehr finanzielle Sicherheit. Der hinterbliebene Ehepartner erhält aus der 2. Säule eine Hinterlassenenrente oder zumindest eine Abfindung. Konkubinatspaare hingegen können den Partner zwar mit einem Testament begünstigen, ob jedoch Leistungen aus der Pensionskasse bezogen werden können, ist abhängig von der Pensionskasse und muss im jeweiligen Pensionskassenreglement festgehalten sein. Das Reglement kann einen Anspruch des hinterbliebenen Konkubinatspartners u.a. bei gemeinsamen Kindern vorsehen, wenn der Verstorbene zum grössten Teil für dessen Lebensunterhalt aufkam oder man bereits über fünf Jahre in einer Partnerschaft zusammengelebt hat.  

 

«Im Konkubinat wird es bei einer Trennung insbesondere kritisch, wenn ein Partner während der Beziehung Teilzeit arbeitete und selbst nur wenig in die eigene Pensionskasse einbezahlt hat. Ohne zusätzliche Absicherungen führt dies zu entsprechend grossen Vorsorgelücken».

Isabelle Näf, Expertin für Ehe- und Familienrecht bei der AXA-ARAG

Neben der AHV und Pensionskasse unterscheiden sich auch die Ansprüche in der gebundenen Vorsorge, der Säule 3a. Während hinterbliebene Ehepartner zwingend die Erstbegünstigten sind, wird die gebundene Vorsorge im Konkubinat in der Regel zwischen dem hinterbliebenen Partner und den Nachkommen aufgeteilt, soweit der Verstorbene nicht angeordnet hat, dass sein Partner die gesamte Leistung erhalten soll. Auch hier müssen aber gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, damit der hinterbliebene Lebenspartner in den Genuss einer Leistung gelangt, wie die Dauer der Beziehung, dass der Hinterbliebene in erheblichem Mass unterstützt wurde oder für den Unterhalt von gemeinsamen Kindern aufkommen muss. Nur wenn der Verstorbene keine Nachkommen hinterlässt, kann er seinen Partner auch ohne Erfüllung dieser Voraussetzungen begünstigen, sofern er ihn zusätzlich testamentarisch als Erben einsetzt. Im Gegensatz dazu ist man bei einer freien Vorsorgepolice in einer Ehe sowie auch im Konkubinat in der Wahl des Begünstigten frei. 

Klare Steuer-Unterschiede

Zwischen der Ehe und dem Konkubinat gibt es in der Regel grosse Besteuerungsunterschiede. Ehepaare werden vor dem Gesetz gemeinsam besteuert, was sich durch den progressiven Steuertarif für Paare mit höherem Einkommen negativ auswirkt. Konkubinatspaare werden hingegen einzeln besteuert und zahlen dadurch meist weniger Steuern, als wenn sie verheiratet wären. Seit 2008 gibt es einen höheren Zweiverdienerabzug und einen Verheiratetenabzug bei der direkten Bundessteuer, welche die Unterschiede zur Konkubinatsbesteuerung leicht abmildern. Dafür sind Ehepaare bei der Auszahlung einer Todesfallleistung aus einer freien Vorsorgeversicherung, für die unter gewissen Voraussetzungen eine Erbschaftssteuer anfällt, wesentlich bessergestellt, da Lebenspartner in den meisten Kantonen der Erbschaftsteuer unterliegen, während Ehepartner grundsätzlich steuerbefreit sind. Dasselbe gilt auch für erbrechtlichen Ansprüche.

Kein gesetzlicher Erbanspruch im Konkubinat

Auch wenn man sich zu Lebzeiten ungern mit dem Thema «Tod» beschäftigt, so trifft es einen oft umso überraschender, wenn man im Konkubinat feststellt, dass man trotz langjähriger Beziehung keinerlei Erbansprüche stellen kann. In dem Fall ist es wichtig, dass man mittels Testament den Partner begünstigt. Indem man die gesetzlichen Erben auf den Pflichtteil setzt, kann man über die freie Erbquote verfügen und diese dem Lebenspartner zuschreiben. 

Egal für welche Lebensform man sich schlussendlich entscheidet, wichtig ist, seine persönliche Vorsorgesituation zu kennen und sich im Konkubinat gegenseitig abzusichern. Und Vor- und Nachteile hin oder her – in der Liebe zählt oft auch das Bauchgefühl und daran können weder Zahlen noch Fakten etwas ändern. 

 

Auf einen Blick

  Konkubinat Ehe / eingetragene Partnerschaft
Vorteile

• Tendenziell tiefere Steuern

• Grössere AHV-Rente

• Jederzeit aussergerichtlich, unkompliziert, mit weniger Kosten auflösbar

• Erbe gesetzlich geregelt

• Hinterlassenenrente oder Abfindung

• Im Todesfall Anrecht auf Leistungen aus der AHV und Pensionskasse

• Grundsätzlich keine Erbschaftssteuer

Nachteile

• Einschränkungen im Erbfall

• Keine Leistungen aus der AHV im Todesfall des Partners

• Leistungen aus der Pensionskasse nur mit gewissen Voraussetzungen

• Erbschaftssteuer je nach Kanton

• Tiefere AHV-Leistungen

• Mehrkosten bei einer Scheidung

• Meist höhere Steuern

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