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Nachbarschaftsstreitigkeiten haben im Sommer Hochkonjunktur

Bild: Keystone-SDA
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Bepflanzung, Lärm oder Bauvorhaben sind die häufigsten Gründe, weshalb man sich in der Nachbarschaft in die Haare gerät. Im Pandemiejahr 2020 sind die Anfragen bei der Rechtsschutzversicherung AXA-ARAG zu nachbarrechtlichen Auseinandersetzungen deutlich angestiegen. Seither haben sie sich auf diesem Niveau stabilisiert, wobei sie in den warmen Monaten jeweils zunehmen.

Für manche ist die aktuelle Hitze unerträglich. Wenn dann auch noch die Nachbarschaft mit lärmenden Kindern, übers Grundstück ragenden Pflanzen oder neuen Bauvorhaben stört, bringt dies das Fass schnell zum Überlaufen. «Wir erhalten im Sommer die meisten Anfragen zum Thema Nachbarschaftsstreitigkeiten», sagt Alexandra Pestalozzi, Rechtsanwältin bei der führenden Schweizer Rechtsschutzversicherung AXA-ARAG. Zwar nähmen die Anfragen während der Ferienzeit ab, dafür seien sie in der Zeit davor und danach deutlich zahlreicher als in den kälteren Monaten des Jahres.

Mehr Konflikte seit der Pandemie

Zwischen 2019 und 2020 haben Anfragen zu nachbarrechtlichen Streitereien bei der AXA-ARAG um einen Viertel zugenommen. «Die Corona-Pandemie hat zwar nicht direkt neue Brandherde entfacht, störende Punkte wurden aber verstärkt wahrgenommen, da alle mehr Zeit zu Hause verbrachten», so Alexandra Pestalozzi. Nun scheint sich die Kurve auf diesem Niveau stabilisiert zu haben. Im Jahr 2021 waren fünf Prozent mehr Fälle zu verzeichnen als 2020. Eine Hochrechnung des aktuellen Jahres zeigt, dass in etwa wieder die Werte von 2021 erreicht werden. 

Mehr Baueinsprachen im aktuellen Jahr

Die Gründe für die Konflikte sind vielseitig: Am häufigsten entfachen sie aufgrund der Höhe oder des Abstands von Pflanzen, wegen Lärmemissionen sowie bezüglich Bauvorhaben. Letztere beschäftigen Herr und Frau Schweizer in diesem Jahr offenbar besonders: Im ersten Halbjahr 2022 gingen bei der AXA-ARAG über ein Drittel mehr Anfragen zu Baustreitigkeiten ein als im Vergleichszeitraum 2021. «Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass durch die Pandemie das Zuhause wichtiger geworden ist. Dies hat möglicherweise auf der einen Seite zu neuen Bauprojekten und auf der anderen Seite zu einer verstärkten Wahrnehmung der negativen Folgen dieser Projekte – wie beispielsweise mehr Schattenwurf – geführt», so Alexandra Pestalozzi. 

«Wir machen bei Nachbarschaftsstreitigkeiten sehr gute Erfahrungen mit Mediationen.»

Alexandra Pestalozzi, Anwältin und Expertin für Immobilienrecht der AXA-ARAG

Aussergerichtliche Schlichtung empfohlen

Bevor man den Nachbarschaftsstreit vor ein Gericht zieht, ist es in den meisten Fällen ratsam, eine aussergerichtliche Schlichtung anzustreben. «Ein Gerichtsverfahren ist mit Risiken verbunden und kann sehr langwierig und kostspielig werden. Ausserdem löst ein richterliches Urteil in vielen Fällen den Konflikt nicht», sagt Alexandra Pestalozzi. Sie rät Nachbarinnen und Nachbarn deshalb, aufeinander zuzugehen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Klappt auch das nicht, ist es empfehlenswert, eine unparteiische Stelle hinzuzuziehen: «Wir machen bei Nachbarschaftsstreitigkeiten sehr gute Erfahrungen mit Mediationen.» Das Zusammenleben funktioniert laut der AXA-ARAG-Spezialistin am besten, wenn man miteinander spricht und Toleranz an den Tag legt: «Als Faustregel für eine gute Nachbarschaft gilt: Vermeiden Sie das, was Sie auch selbst stören würde.»

Drei Arten von Immissionen bei Nachbarschaftskonflikten

Bei Streit unter Nachbarn unterscheidet man rechtlich drei Arten von Immissionen. Das sind zum Beispiel materielle Immissionen wie durch Verunreinigungen, Lärm und Rauch, negative Immissionen wie der Entzug von Sonnenlicht durch einen Baum oder das Versperren der Sicht durch eine Mauer sowie ideelle Immissionen. Als ideelle Immission kann beispielsweise der Bau eines Schlachthofs in der näheren Umgebung gelten, der bei jemandem ein psychisches Unbehagen hervorrufen kann. Juristinnen und Juristen stellen bei Immissionen immer die Ermessensfrage: Ist der Lärm oder die Geruchsbelästigung übermässig und damit unzulässig oder nicht? Diese Frage muss im Einzelfall immer abgeklärt werden, da eine Immission an einem Ort übermässig und woanders als ortsüblich eingeschätzt werden kann.

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