Vorsorge & Gesundheit

Wenn der Arzt einen Fehler macht

Bild: Getty Images
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Behandlungsfehler von Ärzten können für die betroffenen Patienten gravierende Folgen haben. Doch was können Betroffene tun, um sich zu wehren? Dr. iur. Esther Amstutz, Rechtsexpertin bei der AXA-ARAG, klärt auf.

Esther Amstutz, ein Ärztefehler kann tragische Folgen für die Betroffenen haben. Welche Rechte hat man als Patient?

Zwischen Arzt und Patient besteht ein Auftragsverhältnis nach dem Obligationenrecht. Der Arzt hat die Pflicht, seine Behandlung sorgfältig und «lege artis», d.h. nach der aktuellen medizinischen Kunst und Wissenschaft durchzuführen. Dies bedingt aber lediglich ein sorgfältiges Vorgehen und keinen Behandlungserfolg. Jeder medizinische Eingriff ist mit Risiken verbunden, dessen muss man sich bewusst sein. Erst wenn es sich um eine beweisbare ärztliche Sorgfaltspflichtverletzung handelt, sind auch rechtliche Schritte möglich.

Wie sollte man als Betroffener in solch einem Fall vorgehen?

In einem ersten Schritt sollte man den medizinischen Sachverhalt über ein medizinisches Gutachten, also eine Zweitmeinung, abklären lassen. Wir empfehlen hierfür die Schweizerische Patientenschutzorganisation. Wenn man eine Rechtsschutzversicherung hat, übernimmt sie das. Bei der AXA-ARAG haben wir weitere Fachärzte, die wir beiziehen können.

Welche Forderungen kann man stellen, wenn sich der Verdacht auf eine ärztliche Sorgfaltspflichtverletzung erhärtet? 

Ist die Sorgfaltspflichtverletzung beweisbar, so kann der Patient Schadenersatz und eine Genugtuung einfordern. Je nach Ausmass des erlittenen Schadens können dies mehrere Tausend Franken bis hin zu sechsstelligen Summen sein. Dabei geht es beispielsweise um zusätzliche Behandlungs- und Betreuungskosten, Haushaltskosten, erforderliche Hilfsmittel oder auch einen allfälligen Lohnausfall.

Dr. iur. Esther Amstutz, Rechtsexpertin bei der AXA-ARAG

Wie stehen die Chancen, dass man als Patient seine Forderungen durchsetzen kann?

Die Chancen für eine rechtliche Durchsetzung der Ansprüche sind leider relativ gering. Nach geltendem Recht ist es Aufgabe des Patienten respektive seiner Rechtsschutzversicherung oder seines Anwalts, den Beweis für die Sorgfaltspflichtverletzung zu erbringen. Die Beweisführung gestaltet sich aber oft sehr schwierig, so dass eine ärztliche Sorgfaltspflichtverletzung nur in wenigen Fällen ausreichend belegt werden kann. Es gibt aber immer wieder Fälle, die in einem Vergleich mit einer finanziellen Entschädigung zugunsten des Patienten geregelt werden können. 

Wieso ist es so schwierig, die Forderungen durchzusetzen?

Der Arzt hat ein Behandlungsprivileg. D.h. er darf entscheiden, welche Behandlung unter den gegebenen Umständen am geeignetsten ist. Dadurch gibt es einen grossen Graubereich, was den Begriff der ärztlichen Sorgfaltspflichtverletzung betrifft. Vom Grundsatz her mag das Sinn machen, jedoch macht es die Beweisführung sehr schwierig. Hinzu kommt, dass die medizinischen Akten, welche eine allfällige Sorgfaltspflichtverletzung beweisen könnten, beim Arzt respektive Spital liegen, also bei der Gegenpartei. Man ist deshalb darauf angewiesen, Zweitmeinungen und fachärztliche Gutachten einzuholen.

Mit welchen Kosten muss man als Patient rechnen?

Da man oft mehrere Gutachten sowie einen Anwalt benötigt, kann das rasch einige Tausend Franken kosten. Gleichzeitig sind die Erfolgsaussichten - wie gesagt - häufig gering. Gerade deshalb ist in solchen Fällen eine Rechtsschutzversicherung von Vorteil, da sie die Kosten der medizinischen Abklärungen und - falls die Erfolgsaussichten intakt sind - auch die Kosten der anwaltlichen Vertretung gegenüber dem Arzt oder Spital übernimmt.

Diese Vorschussleistungen erhält man zudem nur dann zurück, wenn es tatsächlich zu einer Haftung des Arztes kommt. Arzthaftpflichtfälle werden überdies in den meisten Fällen mittels Vergleich, also nicht vor Gericht und ohne ausdrückliche Anerkennung einer Haftung, geregelt. Dann trägt jede Partei ihre Kosten selbst. Sofern der Patient keine Rechtsschutzversicherung hat, muss er seinen Anteil der Abklärungs- und Anwaltskosten somit selbst tragen. Ich denke, viele Betroffene würden diese Fälle wohl mangels finanzieller Mittel und weil es viel Ausdauer braucht gar nicht weiterverfolgen, hätten sie keine Rechtsschutzversicherung.

Doch viele Fälle sind, wie Sie sagen, aussichtslos. Wie können Sie trotzdem helfen?

Das ist richtig. Für einige Patienten können wir dennoch eine finanzielle Entschädigung erwirken. Ob ein Fall eine Chance hat, zeigt aber erst die medizinische Abklärung. Viele Patienten sind froh, wenn wir das für sie übernehmen. Nur schon die Aufarbeitung des medizinischen Sachverhalts ist sehr wichtig um das Geschehen zu verarbeiten. Dabei helfen auch die Gespräche mit uns und mit der Schweizerischen Patientenorganisation. Zudem haben die Betroffenen so überhaupt erst die Gelegenheit, ihre Rechte und Erfolgsaussichten abzuwägen. Vielen Patienten hilft es zu wissen, dass sie alles getan haben, was sie tun konnten. Dabei unterstützen wir sie soweit wir können.

AXA-ARAG Rechtsschutz

Die AXA-ARAG ist mit rund 200 Mitarbeitenden die grösste Rechtsschutzversicherung der Schweiz. Sie verfügt über Experten in allen Rechtsgebieten wie Arbeitsrecht, Vertragsrecht, Verkehrsrecht, Haftpflicht- und Sozialversicherungsrecht sowie Immobilienrecht.
www.axa-arag.ch

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