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Kreislaufwirtschaft in der Immobilienbranche

Bild: Getty Images
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Das Thema Kreislaufwirtschaft wird auch in der Bau- und Immobilienbranche zunehmend relevant. Valeria Bianco, Nachhaltigkeitsverantwortliche bei AXA Investment Managers, weiss, welche Voraussetzungen es für eine kreislauforientierte Immobilienwirtschaft braucht.

Kreislaufwirtschaft in der Immobilienbranche - was bedeutet das konkret?

Die Immobilien- und Baubranche zählen zu den ressourcenintensivsten überhaupt. Nicht nur im Betrieb, sondern auch in der Erstellung wird viel CO2 ausgestossen und viele Ressourcen verbraucht. Kreislaufwirtschaft bedeutet in diesem Kontext demnach, dass Baumaterialien länger verwendet werden, leichter zu reparieren oder langlebiger sind, oder recycelt werden können. Wenn wir bei einer Sanierung zum Beispiel Materialien herausreissen, entsprechen diese zwar nicht mehr unbedingt dem neuesten Standard, sind aber oft noch funktionsfähig. Durch ihre Wiederverwendung könnte einiges an Ressourcen eingespart werden.

Gibt es weitere Lösungsansätze zur CO2- und Ressourcenreduktion?

Nebst der Wiederverwendung alter Bauteile gibt es auch die Möglichkeit der Umnutzung. Zum Beispiel von brachliegenden Bürogebäuden in Wohnraum. Aufgrund der Tatsache, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heute vermehrt im Homeoffice tätig sind, gibt es zahlreiche Büroflächen, die nicht mehr ausgelastet sind. Gerade wenn diese gute Grundrisse aufweisen, bringen sie hohes Potenzial für eine Umnutzung mit sich.

Also vermehrt sanieren statt neu bauen?

Ja, genau. Wir versuchen, vor jedem Bauprojekt zu überlegen: Braucht es einen Neubau oder wäre auch eine Sanierung möglich? Und können wir vielleicht sogar alte Bauteile wiederverwenden? Bei den AXA Investment Managers befassen wir uns seit 2021 intensiv mit dem Thema Kreislaufwirtschaft und erstellen gerade einen internen Leitfaden. Dieser soll uns dabei helfen, bei jedem einzelnen Projekt so ressourcenschonend wie möglich vorzugehen. 

«Wir überlegen uns vor jedem Bauprojekt: Braucht es einen Neubau oder wäre auch eine Sanierung möglich? Und können wir vielleicht sogar alte Bauteile wiederverwenden?»

Valeria Bianco, Sustainability Manager bei den AXA Investment Managers

Was umfasst dieser Leitfaden?

Unsere Strategie beruht auf den beiden übergeordneten Zielen, CO2 zu reduzieren und Ressourcen zu schonen. Um diese Ziele zu erreichen, haben wir zehn konkrete Massnahmen definiert. Um hier einige zu nennen, gehe ich auf die aus meiner Sicht relevantesten Punkte ein: Zum einen prüfen wir vor jedem Bauvorhaben, ob ein Neubau wirklich notwendig ist, oder ob wir die Räumlichkeiten auch sanieren könnten. Zudem wollen wir Bauteile vor einem Rückbau katalogisieren, damit sie später leichter wiederverwendet werden können. Darüber hinaus sollen Flächen so geplant werden, dass sie später einfach umgenutzt werden können. Auch der Einsatz von weniger oder langlebigeren Bauteilen kann eine wichtige Rolle bei der Schonung von Ressourcen spielen. Wenn wir also zum Beispiel in einem Raum auf die Deckenverkleidung verzichten, sparen wir Bauteile ein und die Decke ist gleichzeitig für Reparaturen leichter zugänglich.

Das hört sich alles sehr gut an, aber wie sieht es mit der Umsetzbarkeit aus?

Es lassen sich natürlich nicht in allen Fällen die gesamten zehn Massnahmen umsetzen. Mit dem Leitfaden haben wir jedoch ein Hilfsmittel zur Hand, um die verfügbaren Möglichkeiten bei jedem Projekt einzeln zu prüfen. Vieles ist insbesondere bei Sanierungen von bestehenden Gebäuden bereits gegeben und schränkt die Auswahl an Möglichkeiten ein. Aber auch wenn vielleicht nur zwei der zehn Massnahmen umgesetzt werden können, bringt uns das unseren übergeordneten Zielen der CO2- und Ressourcenreduktion ein Stück näher.

Eine Umsetzung aller Massnahmen wäre in gewissen Fällen wahrscheinlich auch nicht rentabel?

Natürlich müssen wir stets auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Blick behalten. Neu kommt mit der in unserem Leitfaden verankerten Ökobilanzierung aber ein dritter Parameter hinzu. Statt nur die Kosten und den Ausbaustandard anzuschauen, prüfen wir auch, wie viel CO2 bei jedem Bauvorhaben anfällt. Dadurch werden eine ökologische Standortbestimmung und Vergleichbarkeit mit anderen Projekten möglich.  

Gibt es bereits bestehende Projekte im Portfolio der AXA Investment Managers, für die die Massnahmen zur Anwendung kamen?

Ein schönes Beispiel für eine Umnutzung von Büroflächen in Wohnen ist die Überbauung Lise und Lotte in Köniz. Aufgrund der bereits sehr guten bestehenden Struktur konnte viel graue Energie eingespart werden. Wir gingen sehr behutsam mit dem Bestand um, damit wir gewisse Baumaterialen wiederverwenden konnten und so möglichst wenig Ressourcen eingesetzt werden mussten. So zum Beispiel bei den Toiletten. Diese befanden sich noch in einem einwandfreien Zustand und wurden deshalb in den Gemeinschaftsräumen wieder installiert. In den Waschküchen und den Gängen konnten bestehende Glastrennwände wiederverwendet werden. Bei den Fenstern tauschten wir zwar die Gläser aus, die Rahmen haben wir aber wo möglich so belassen. Nebst Köniz befinden sich weitere Pilotprojekte in Planung, bei welchen wir versuchen werden, möglichst viele der oben genannten Massnahmen anzuwenden. 

Zur Person

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Valeria Bianco

Valeria Bianco arbeitet bei AXA Investment Managers Schweiz und verantwortet dort die Nachhaltigkeitsthemen für den Immobilienbereich. Sie hat Umweltnaturwissenschaften mit Vertiefung in Biogeochemie und Schadstoffdynamik an der ETH studiert. Als Beirätin der Klimastiftung Schweiz bringt sie ausserdem für die AXA ihr Fachwissen bei der Beurteilung der Förderanträge mit ein und hilft, den CO2-Ausstoss der Schweizer KMU zu reduzieren.

Charta für kreislauforientiertes Bauen

Die AXA IM hat als eine der ersten Partnerinnen die «Charta für kreislauforientiertes Bauen» unterzeichnet. Im Vordergrund steht die Vernetzung und gemeinsame Ambition für eine kreislauffähige Immobilienwirtschaft. 

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