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Künstliche Intelligenz: Schweizer KMU erwarten keine fundamentale Veränderung der Arbeitswelt
15.09.2026
Drei von vier Schweizer KMU nutzen künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag – doch die grosse Disruption bleibt aus. Die neue AXA-Arbeitsmarktstudie zeigt: Zwei Drittel der befragten Unternehmen sehen in Bezug auf das eigene Geschäftsmodell keinen Handlungsbedarf, nur jedes neunte KMU rechnet mit einem Stellenabbau aufgrund von KI.
Wie die KMU-Arbeitsmarkstudie der AXA zeigt, hat sich die Nutzung von künstlicher Intelligenz in Schweizer KMU nach dem deutlichen Anstieg im Vorjahr stabilisiert. 35 Prozent der KMU integrieren KI bewusst in ihre Unternehmensprozesse, 39 Prozent erproben die Technologie, 26 Prozent nutzen künstliche Intelligenz noch nicht. Damit bewegt sich die Intensität der KI-Nutzung praktisch auf dem Niveau des Vorjahres. Der grosse Sprung fand zwischen 2024 und 2025 statt, als der Anteil der KMU, die KI erprobten oder schon aktiv nutzen, von 55 auf 71 Prozent kletterte. Seither scheint sich die Verbreitung auf diesem Niveau eingependelt zu haben. Die Phase der Erstadoption ist somit weitgehend abgeschlossen; KI hat sich als Bestandteil des Arbeitsalltags für viele KMU etabliert.
KI-Nutzung wird vielfältiger und geht über Textaufgaben hinaus
Die häufigsten Einsatzbereiche liegen nach wie vor bei Sprach- und Kommunikationsaufgaben: Knapp die Hälfte der KMU setzt KI für Übersetzungen ein (47 %), gefolgt von Korrespondenz (42 %) und Werbetexten (35 %). Die stärksten Zuwächse seit 2024 zeigen sich jedoch bei fortgeschritteneren Anwendungen: Der Anteil der KMU, die KI zur Optimierung von Arbeitsschritten nutzen, ist von 23 Prozent auf 35 Prozent gestiegen. Auch Datenanalysen (2024: 22 % und 2025: 34 %) und Bildgenerierung (2024: 21 % und 2025: 28 %) haben etwas zugelegt. Die KI-Nutzung wird damit vielfältiger und geht zunehmend über reine Textaufgaben hinaus.
Auffällig ist die Stagnation bei kundenbezogenen Anwendungen. Sowohl die personalisierte Werbung (16 %) als auch die Kundenbetreuung und der Support (17 %) sind nicht über das Niveau von 2024 hinausgewachsen. Möglicherweise kann der Einsatz von KI in der Kommunikation nach aussen für Unternehmen zu einem Reputationsrisiko werden, da Kundinnen und Kunden KI-generierte Inhalte zunehmend als solche erkennen könnten. « Der Grundsatz <Human in the loop> – also der Mensch als letzte Kontrollinstanz – zeigt hier seine Wirkung. Gerade im direkten Kundenkontakt ist das Vertrauen der KMU in die Technologie offenbar noch nicht ausreichend gewachsen – die Sorge vor Halluzinationen und unkontrolliertem KI-Verhalten scheint nach wie vor gross», ordnet Kathrin Braunwarth, Leiterin DTI der AXA Schweiz, die Ergebnisse ein.
KMU erwarten keinen Stellenabbau aufgrund KI
Obwohl die Einsatzbereiche der KI vielfältiger werden, erwarten KMU keine grossen Umwälzungen bei der Anzahl ihrer Mitarbeitenden. Knapp die Hälfte der KMU mit KI-Erfahrung erwartet Zeiteinsparungen ohne Auswirkungen auf die Stellenzahl (47 %). Nur zwölf Prozent rechnen damit, künftig auf Personal verzichten zu können. Diese Werte sind über die drei Erhebungsjahre hinweg bemerkenswert stabil geblieben. Sogar nachdem Unternehmen schon einiges an Erfahrungen mit dem Implementieren von KI sammeln konnten, gehen sie nicht davon aus, dass diese alsbald ihre Mitarbeitenden ersetzen kann. «Zeitersparnisse durch KI führen also nach Einschätzung der KMU nicht zu einem Abbau von Arbeitsplätzen, sondern scheinen zu einer effizienteren Nutzung bestehender Kapazitäten zu verhelfen. Die entscheidende Frage ist, wie Unternehmen die vielen kleinen Effizienzgewinne jedes Einzelnen bündeln und in echten Mehrwert verwandeln. Das wird eine der anspruchsvollsten Führungsaufgaben der nächsten Jahre sein», sagt Kathrin Braunwarth.
Unternehmen bleiben zurückhaltend
Wie die Arbeitsmarktstudie der AXA ebenfalls zeigt, blicken Schweizer KMU überwiegend positiv auf die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. 41 Prozent sehen die Fortschritte bei KI als Chance für ihre Geschäftstätigkeiten, während nur 15 Prozent die neue Technologie als Bedrohung wahrnehmen. Die Mehrheit positioniert sich neutral (44 %). Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Einschätzung damit stabilisiert, nachdem sie von 2024 auf 2025 noch deutlich zugelegt hatte. KMU zeigen sich also weiterhin abwartend. Obschon die Chancen gegenüber den Risiken klar überwiegen, bleibt die Haltung vieler Betriebe eher von einer Zurückhaltung als von einer Euphorie geprägt.
Interessant ist, dass es diesbezüglich kaum Unterschiede zwischen dem Dienstleistungssektor und dem produzierenden Gewerbe gibt. Je etwa vier von zehn Unternehmen in beiden Sektoren sehen die Entwicklungen in der KI eher als Chance für ihr Geschäft. Im Dienstleistungssektor ist die Bedrohungswahrnehmung leicht ausgeprägter (17 %) als im produzierenden Gewerbe (10 %). Angesichts der unterschiedlichen Berührungspunkte mit KI in den beiden Sektoren fällt diese Differenz aber überraschend gering aus. Die Einschätzung von KI ist damit kein branchenspezifisches Phänomen.
Deutlicher fallen die Differenzen aus, wenn nach Grösse der KMU aufgeschlüsselt wird. Mittlere (49 %) und grosse KMU (41 %) sehen KI tendenziell häufiger als Chance als kleine Unternehmen (33 %). «Dies könnte damit zusammenhängen, dass grössere Betriebe oft mehr Kapazitäten für eine Integration neuer Technologien besitzen als Kleinstunternehmen. Wer KI bereits einsetzt und konkrete Vorteile erfährt, beurteilt die Technologie möglicherweise auch positiver», sagt Kathrin Braunwarth.
Keine fundamentale Veränderung durch KI erwartet
Eine nüchterne Haltung zeigt sich auch bei der Frage, ob KI die Arbeit im Unternehmen fundamental verändern wird. Nur knapp ein Drittel der KMU glaubt dies. Zwei Drittel sehen in der neuen Technologie keine fundamentale Veränderung für die Arbeitswelt. Im Dienstleistungssektor erwarten mit 32 Prozent mehr Unternehmen eine fundamentale Veränderung als im produzierenden Gewerbe (24 %), was angesichts der Aufgaben, die KI übernehmen kann, zu erwarten ist. Bei grossen KMU liegt der Anteil jener, die einen tiefgreifenden Wandel erwarten, mit 37 Prozent etwas höher. KI wird damit als nützliches Werkzeug wahrgenommen, das bestehende Prozesse optimiert, nicht als disruptive Kraft, die den Arbeitsalltag von Grund auf umgestaltet.
Entsprechend gelassen fällt auch die strategische Einordnung aus. Die Frage, ob KMU aufgrund der KI-Entwicklungen ihr Geschäftsmodell anpassen müssen, bejahen 31 Prozent. Eine deutliche Mehrheit von knapp zwei Drittel sieht hingegen keinen oder eher keinen Handlungsbedarf. Auch hier sehen Dienstleistungsunternehmen mit 32 Prozent etwas häufiger den Bedarf zu handeln als das produzierende Gewerbe mit 27 Prozent. Grosse KMU sehen sich dabei häufiger zum Handeln veranlasst als kleine: 42 Prozent der grossen KMU sehen einen Handlungsbedarf, gegenüber 23 Prozent der kleinen KMU. «Auch hier zeigt sich, dass die Auseinandersetzung mit KI in grösseren Betrieben weiter fortgeschritten ist und KMU in der Dienstleistungsbranche mehr beschäftigt», sagt Kathrin Braunwarth von der AXA. «Für die Mehrheit der Schweizer KMU gilt jedoch offenbar nach wie vor: KI optimiert bestehende Abläufe, stellt das Geschäftsmodell aber nicht grundsätzlich in Frage.»
Über die Studie
Wie bereits in den Vorjahren wurde die KMU-Arbeitsmarktstudie vom Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag der AXA realisiert. Für die vorliegende Ausgabe wurden vom 11. bis 18. März 2026 insgesamt 336 KMU aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz befragt.
Über die AXA
Rund zwei Millionen Kundinnen und Kunden in der Schweiz vertrauen auf die Expertise der AXA in der Personen-, Sach-, Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Lebensversicherung sowie in der Gesundheits- und beruflichen Vorsorge. Mit innovativen Produkten und Dienstleistungen rund um Mobilität, Gesundheit, Vorsorge und Unternehmertum sowie einfachen, digitalen Prozessen steht die AXA ihren Kundinnen und Kunden als Partnerin zur Seite und ermutigt sie mit ihrem Markenversprechen «Know You Can», auch in herausfordernden Situationen an sich selbst zu glauben. Dafür setzen sich rund 4700 Mitarbeitende sowie 3100 Kolleginnen und Kollegen im Vertrieb persönlich ein. Mit über 340 Geschäftsstellen verfügt die AXA über das schweizweit grösste Vertriebsnetz in der Versicherungsbranche. Die AXA Schweiz gehört zur AXA Gruppe und erzielte 2025 ein Geschäftsvolumen von CHF 6,6 Mia.