Bild: GettyImages
Social-Media-Nutzung: Für 80 Prozent der Eltern hängt ihr Kind zu viel am Bildschirm
26.05.2026
Vier von fünf Eltern von Kindern mit einem eigenen Social-Media-Account schätzen die Bildschirmzeit ihrer Kinder als zu hoch oder eher zu hoch ein. Sie sehen die exzessive Nutzung und die Vernachlässigung nicht-digitaler Freizeitaktivitäten als grösste Herausforderungen von Social Media. Zudem stufen sie die Gefahr, dass ihre Kinder problematische Bilder vermittelt bekommen, als hoch ein. Verbote gewinnen dabei in der breiten Bevölkerung an Zustimmung: 88 Prozent sind für ein Smartphone-Verbot an Schulen (+ 7 %-Punkte gegenüber Vorjahr), 84 Prozent für ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige (+ 4 %-Punkte) und 71 Prozent für ein allgemeines TikTok-Verbot in der Schweiz (+ 16 %-Punkte). Dies geht aus dem aktuellen AXA Cybersorgenmonitor hervor.
Die Gefahren von Social Media für Kinder und Jugendliche werden derzeit viel diskutiert. Die Eltern stufen dabei das Risiko, dass ihre Kinder problematische Bilder vermittelt bekommen, als hoch ein – dies zeigt der diesjährige AXA Cybersorgenmonitor. Die in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo zum zweiten Mal durchgeführte Studie liefert ein umfassendes Bild davon, was die Bevölkerung im Umgang mit digitalen Medien beschäftigt. Demnach schätzen die befragen Eltern für ihre Kinder insbesondere das Risiko von werberischen und konsumfördernden Inhalten (74 %), unrealistischen Schönheitsnormen (72 %), Falschinformationen (71 %) und der Verherrlichung von Reichtum und Luxus (68 %) als hoch oder eher hoch ein.
Vorbildfunktion von Influencern umstritten
Neun von zehn Eltern sprechen mit ihren auf Social Media aktiven Kindern darüber, welche Medieninhalte gerade besonders beliebt sind. So erscheint es logisch, dass zwei Drittel der Eltern angeben, gut darüber Bescheid zu wissen, welche Medieninhalte ihre Kinder in den sozialen Medien konsumieren. Gemäss den Eltern stammen die meisten Medieninhalte nicht etwa von Freundinnen und Freunden, sondern von Influencern und Content Creators. Die Vorbildfunktion dieser Personen beurteilen sie ambivalent: 43 Prozent bewerten sie negativ oder eher negativ, 35 Prozent positiv oder eher positiv und 22 Prozent sind sich unschlüssig. «Eltern glauben also mehrheitlich zu wissen, welche und wessen Inhalte ihre Kinder auf Social Media konsumieren, finden es aber schwierig zu beurteilen, welche Auswirkungen diese auf ihre Kinder haben», sagt Michael Hermann, Leiter von Sotomo.
Vorteile von sozialen Medien sehen Eltern von Kindern mit Social-Media-Account im Kontakt zu Freunden (60 %), im Austausch mit Gleichaltrigen (56 %) sowie in der Unterhaltung und Entspannung (54 %), wie der AXA Cybersorgenmonitor weiter zeigt. Nur sechs Prozent von ihnen finden, soziale Medien bringen keine Vorteile für ihre Kinder. Anders sehen dies Personen, die keine oder volljährige Kinder haben: Ein Viertel von ihnen sieht keinerlei Vorteile für minderjährige Kinder. Jene, die Vorteile erkennen, nehmen sie insbesondere im Kontakt zu Freunden und Familie (50 %) sowie im Zugang zu Bildungsinhalten (43 %) wahr, deutlich weniger jedoch in der Unterhaltung und Entspannung (21 %). «Wir stellen hier also eine Diskrepanz zwischen den beiden Befragungsgruppen fest. Eltern, die aus eigener Erfahrung erzählen können, scheinen durch den gelebten Alltag mit diesen Plattformen einen positiveren Blick darauf zu haben», so Michael Hermann.
Konflikte über Bildschirmzeit weit verbreitet
Die beiden Befragungsgruppen sind auch bei der Frage nach Herausforderungen für Kinder bei der Nutzung von Social Media unterschiedlicher Meinung, wie aus der Studie der AXA weiter hervorgeht. Personen, die keine oder volljährige Kinder haben, befürchten insbesondere negative Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden von Kindern, während direktbetroffene Eltern vielmehr die exzessive Nutzung als grösste Herausforderung erachten. Am zweithäufigsten genannt wird von dieser Gruppe die Vernachlässigung nicht-digitaler Freizeitaktivitäten. 79 Prozent von ihnen schätzen denn auch die Bildschirmzeit ihrer Kinder als zu hoch oder eher zu hoch ein und nahezu alle Eltern von Kindern mit Account haben Regeln zur Nutzung sozialer Medien festgelegt (95 %). Ein Grossteil (62 %) findet es jedoch schwierig, diese umzusetzen. So ist es wenig erstaunlich, dass es zuhause oftmals zu Diskussionen darüber kommt: Fast zwei Drittel der Familien mit Kindern, die auf Social Media aktiv sind, tragen mindestens gelegentlich Konflikte über die Bildschirmzeit aus. Gemäss den Eltern verbringen Kinder mit einem Social-Media-Profil im Schnitt ein Viertel ihrer Freizeit mit digitalen Geräten. Je ein Fünftel der Freizeit fallen auf Hausaufgaben, Treffen mit Freunden und Sport, ein Achtel auf musische Tätigkeiten.
Die lange Bildschirmzeit wird auch in der breiten Öffentlichkeit diskutiert, verbunden mit Forderungen nach mehr Regulierung. Diese Forderungen sind nicht nur weit verbreitet, sondern haben sich gegenüber dem Vorjahr nochmals akzentuiert. Mittlerweile befürworten 88 Prozent ein Smartphone-Verbot an Schulen, was einer Zunahme um sieben Prozentpunkte gegenüber 2025 entspricht. Auch ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige stösst bei 84 Prozent auf Zustimmung, vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Am deutlichsten gestiegen ist die Unterstützung für ein generelles TikTok-Verbot für alle: 71 Prozent der Befragten sprechen sich eher oder klar dafür aus. 2025 lag dieser Anteil noch bei 55 Prozent. «Der immer lauter werdende Ruf nach Verboten zeigt, dass eine grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung nicht mehr daran glaubt, Kinder und Jugendliche durch individuelle Vereinbarungen schützen zu können. Sie wünschen sich eine umfassende und allgemeingültige Lösung», sagt Katrin Sprenger, Verantwortliche der AXA Cyber-Präventionsservices. «Ob dabei Verbote, eine wirksame Regulierung der Plattformen, mehr Medienbildung oder eine Kombination dieser Massnahmen die beste Lösung ist, sollte das Ergebnis eines gesellschaftlichen Aushandlungsprozesses sein. Mit Sicherheit die schlechteste Antwort wäre: Heranwachsende, Eltern und Lehrkräfte weiter damit allein zu lassen.»
Zur Studie
Der AXA Cybersorgenmonitor 2026 entstand in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo. Die repräsentative Umfrage mit 1490 Teilnehmenden wurden zwischen dem 16. Februar und dem 1. März 2026 durchgeführt. Die Grundgesamtheit der Befragung bildet die sprachintegrierte Wohnbevölkerung aus der Deutschschweiz und der französischsprachigen Schweiz ab 18 Jahren.
Über die AXA
Rund zwei Millionen Kundinnen und Kunden in der Schweiz vertrauen auf die Expertise der AXA in der Personen-, Sach-, Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Lebensversicherung sowie in der Gesundheits- und beruflichen Vorsorge. Mit innovativen Produkten und Dienstleistungen rund um Mobilität, Gesundheit, Vorsorge und Unternehmertum sowie einfachen, digitalen Prozessen steht die AXA ihren Kundinnen und Kunden als Partnerin zur Seite und ermutigt sie mit ihrem Markenversprechen «Know You Can», auch in herausfordernden Situationen an sich selbst zu glauben. Dafür setzen sich rund 4700 Mitarbeitende sowie 3100 Kolleginnen und Kollegen im Vertrieb persönlich ein. Mit über 340 Geschäftsstellen verfügt die AXA über das schweizweit grösste Vertriebsnetz in der Versicherungsbranche. Die AXA Schweiz gehört zur AXA Gruppe und erzielte 2025 ein Geschäftsvolumen von CHF 6,6 Mia.