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Sanft gelandet

Bild: Raffael Waldner
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Mirage, Hunter, Tiger: Das Musée de l’aviation militaire in Payerne zeigt 67 Jahre militärische Schweizer Aviatikgeschichte. Die Faszination für die Militärfliegerei ist ungebrochen.

Draussen, auf dem Militärflugplatz Payerne, donnern die F/A-18-Kampfjets mit ohrenbetäubendem Lärm über die Köpfe hinweg. Drinnen, gleich nebenan im Musée de l’aviation militaire de Payerne (Clin d’Ailes), stehen Düsenjäger und Propellermaschinen ganz zahm und in Reih und Glied auf dem polierten Klötzchenparkett. Elf Flugzeuge und zwei Helikopter repräsentieren 67 Jahre militärische Schweizer Aviatikgeschichte. Die legendäre De Havilland Vampire mit Holzrumpf ist genauso vertreten wie Venom, Tiger, Hunter und Mirage; und an der Decke baumeln zwei Alouette-Helikopter. «Wir wollen das Kulturgut der Schweizer Militärluftfahrt bewahren», sagt Museumsdirektor Jürg Studer, früher selbst Militärpilot. Doch nicht nur das Bewahren ist Ziel des Museums, sondern auch das Zeigen und Vorführen. «Unser Museum ist ein fliegendes», so Studer.

In einem weiteren Raum, einer Werkstatt, steht eine Mirage. Werkzeug liegt da, Schraubzwingen klemmen an den Flügeln, der Duft von Kerosin liegt in der Luft. Diese Mirage ist kein Ausstellungsstück. Sie fliegt und ist gelegentlich für Vereinsmitglieder des Museums gegen einen Unkostenbeitrag im Einsatz. Den Service übernehmen pensionierte ehemalige Mirage-Mechaniker. Das fliegende Museum eben.

«Unser Museum ist ein fliegendes»

Jürg Studer, Direktor

Viel Freiwilligenarbeit

Damit sich die ausgedienten Maschinen von ihrer besten Seite zeigen können, sind rund 60 Mitarbeitende notwendig, die sich um das Wohl von Jets und Gebäude kümmern. Alle arbeiten unentgeltlich. Einzig die Geschäftsführerin – oder die Gerantin, wie Direktor Jürg Studer sagt – ist fest angestellt. Das Budget des Museums ist entsprechend bescheiden, staatliche Unterstützung gibt es nicht, laufende Kosten werden durch Eintritte, Verkäufe und Events gedeckt. Für grössere Investitionen oder neue Ausstellungsflugzeuge ist man von Sponsoren abhängig. Mit dem Stiftungsratspräsidenten und ehemaligen Kampfjetpiloten und Astronauten Claude Nicollier verfügt das kleine Museum aber über einen begnadeten Netzwerker.

Ihren Anfang nahm die Geschichte des Museums vor rund 25 Jahren. Damals, 1994, als die Hunter-Flotte ausgemustert und zerstört wurde, lancierte eine Milizstaffel um Nicollier, die Escadrille d’aviation 5, die Idee, eine Hawker Hunter zu bewahren und der Bevölkerung zugänglich zu machen. «Sie schrieben einen Antrag an die Luftwaffe und haben tatsächlich ein Exemplar bekommen», erzählt Studer. «Die Luftwaffe hat das in die Jahre gekommene Flugzeug kostenlos abgegeben.»

Jürg Studer

Direktor Jürg Studer ist selbst ehemaliger Militärpilot und leitet das Museum aus Leidenschaft. (Bild: Raffael Waldner)

Mangels Alternativen stellte die Milizstaffel den Hunter in einer ehemaligen Schreinerei in Arnex-sur-Orbe aus. Später kam eine Vampire dazu, und die Idee eines Museums begann Gestalt anzunehmen. Schnell war klar, dass die kleine Waadtländer Gemeinde ein schlechter Standort ist. Ideal wäre die Nähe zu einem Flugplatz. Man ist rasch auf den Standort Payerne gestossen, suchte Sponsoren, unterbreitete der Luftwaffe die Idee, erhielt Land im Baurecht und eröffnete schliesslich 2003 das Museum mit einer ersten Halle. «Das Museum war erfolgreich, und so erhöhte sich die Zahl der Flugzeuge rasch», so Studer. «Die ganz alten Militärflugzeuge stehen im Museum in Dübendorf. Wir beschränken uns in unserer Ausstellung auf die Epoche der Jets und Propellerturbinen.»

Von Muskelkraft bis Mirage-Skandal

Studer ist zahlreiche ausgestellte Flugzeuge selbst geflogen und weiss um deren Eigenheiten. Etwa der 1955 in Betrieb genommene Venom, «der sich rein mechanisch steuert, nur mit Muskelkraft», so Studer. Oder der Tiger, der ein durchschnittliches Flugzeug sei, aber «zumindest Flugfehler einfach verzeiht». Eine Anekdote folgt auf die andere. Schmunzelnd ruft Studer den Mirage-Skandal in Erinnerung. Anfang der 1960er-Jahre sollten 100 Stück des französischen Jets für rund 870 Millionen Franken bestellt werden. Nach massiven Kostenüberschreitungen konnten schliesslich nur 57 Stück gekauft werden, und ein Zusatzkredit von 576 Millionen Franken wurde nötig.

Militär, Luftwaffe, Landesverteidigung: Seit dem Bestehen des Museums hat sich das Bild der Armee stetig verändert und nimmt in der gesellschaftlichen Diskussion längst nicht mehr den Stellenwert früherer Jahre ein. Auf das Museum hätten sich diese Veränderungen nicht ausgewirkt, sagt Studer. «Die Militärfliegerei hat schon immer einen Teil der Bevölkerung fasziniert. Das ist heute nicht anders. Die öffentliche Wahrnehmung der Armee hat überhaupt keinen Einfluss auf unsere Besucherzahlen.» Draussen auf dem Flugplatz geben die Piloten Schub, die Jets erheben sich in den bewölkten Himmel. Die Faszination ist nachvollziehbar.

Originaltext erschienen in «Meine Firma», dem KMU-Kundenmagazin der AXA.

Mein Museum 

Im Musée de l’aviation militaire de Payerne (Clin d’Ailes) repräsentieren elf Flugzeuge und zwei Helikopter 67 Jahre militärische Schweizer Aviatikgeschichte. Ihren Anfang nahm die Geschichte des Museums vor rund 25 Jahren, als die Hunter-Flotte ausgemustert wurde. Eine Milizstaffel um Claude Nicollier hatte die Idee, einen Hunter zu bewahren und der Bevölkerung zugänglich zu machen. Schliesslich erhielten die Initianten neben dem Militärflugplatz Payerne Land im Baurecht, fanden Sponsoren und eröffneten 2003 das Museum. Rund 60 Mitarbeitende arbeiten unentgeltlich für das Museum. Einzig die Geschäftsführerin ist fest angestellt.

→ www.clindailes.ch

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